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Braunkohle: Jubiläumsfeier im Kraftwerk

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Zahlreiche Besucher fuhren beim Tag der offenen Tür im Niederaußemer Kraftwerk aufs 162 Meter hohe Kesselturmdach und genossen den Ausblick. Foto: Joachim Roehrig
50 Jahre Kraftwerk Niederaußem wurden am Wochenende in Bergheim gefeiert. Das Jubiläum ging jedoch nicht ohne Proteste über die Bühne. Die Grünen wollten demonstrieren, mussten aber die Zufahrt des Kraftwerks räumen.  Von
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Bergheim-Niederaußem

Als Mann der klaren Worte präsentierte sich der Vorstandsvorsitzende von RWE Power, Matthias Hartung, am Samstag beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Niederaußemer Braunkohlenkraftwerks. Während andere Redner bemüht waren, die Jubelstimmung nicht zu trüben, und mit Verweis auf den geplanten neuen BoA-Plus-Block vor allem die Zukunftsfähigkeit der Braunkohle hervorhoben, machte Hartung keinen Hehl daraus, dass sich diese Sparte von RWE Power aktuell in einer ganz schwierigen Situation befinde.

„Weil die hoch subventionierten erneuerbaren Energien immer stärker in den Markt drängen, geht unser Betriebsergebnis drastisch zurück. Wegen des großen Angebots an Strom sinken die Preise am Großhandelsmarkt ständig“, klagte der RWE-Chef, „die zurückgehenden Erlöse gefährden die Wirtschaftlichkeit der Braunkohlen-Stromerzeugung.“ Um konkurrenzfähig zu bleiben, müsse man mehrere Hundert Millionen Euro einsparen, betonte Hartung vor rund 200 geladenen Gästen, darunter Vize-Landrat Willy Harren, Bergheims Bürgermeisterin Maria Pfordt und zahlreiche Landtagsabgeordnete. Unter dem großen Marktdruck sei in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern ein großes Kostensenkungsprogramm gestartet worden, so Hartung weiter: „Mit vereinten Kräften wird es uns gelingen, dauerhaft besser zu sein als die Konkurrenz.“

Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass der Braunkohlenstrom trotz der Energiewende noch lange gebraucht werde, weil der Wind eben nicht ständig wehe und die Sonne nicht ständig scheine. „Weil es auch in Zukunft einen Bedarf gibt, machen wir die Technik der Verstromung von Braunkohle noch effizienter und umweltschonenden, zum Beispiel mit BoA plus“, sagte Hartung. „Wir bei RWE sind für den Klimaschutz und unterstützen die Energiewende. Aber es muss eine Wende mit Augenmaß werden. Sie darf nicht zu weiteren Wettbewerbsverzerrungen führen.“

Grundlastkraftwerk

Das Kraftwerk in Bergheim-Niederaußem wurde vom Bau der ersten Blöcke an stetig erweitert. Derzeit verfügt das Braunkohlekraftwerk über neun Blöcke, davon vier mit einer Nennleistung von 300 Megawatt, zwei des Typs 600 MW und den BoA-Block mit einer Leistung von knapp 1000 Megawatt. Insgesamt gibt RWE Power die Netto-Leistung mit 3669 Megawatt an. Damit steht am Standort Niederaußem eine der größten Anlagen, die mit Braunkohle befeuert werden.

In den Jahren 2004 bis 2006 wurden im Mittel etwa 25,43 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugt. Das deckt laut RWE den Strombedarf von 20 Millionen Menschen. Im Kraftwerk arbeiten rund 700 Mitarbeiter. 150 junge Leute werden am Standort ausgebildet. (nk)

Mit Wettbewerbsverzerrung meint Hartung vor allem die wachsende Subventionierung der Erneuerbaren. „Wenn man zum Beispiel den Zustand der Schulen und unserer Rheinbrücken sieht, dann muss man sich fragen, ob man die richtigen Prioritäten setzt, wenn man Abermilliarden in den Ausbau der Solarenergie steckt“, erklärte der RWE-Chef und forderte Kurskorrekturen. Ansonsten drohe sich nicht nur die Lage für die Braunkohle weiter zu verschärfen. Vor allem drohe Energie für die Industrie, das Handwerk und Kommunen und die Verbraucher einfach zu teuer zu werden – mit fatalen wirtschaftlichen Folgen.

Mit solchen Problemen beschäftigten sich meisten der vielen hundert Besucher, die aus Anlass des Jubiläums zum Tag der offenen Tür in Kraftwerk strömten, wohl nur am Rande. Sie genossen vielmehr das reichhaltige Informations- und Unterhaltungsangebot mit Betriebsführungen, Ausstellungen zur Kraftwerksgeschichte, Bimmelbahnfahrten durch Maschinenräume, lehrreichen Spielen rund um die Stromerzeugung und Auftritten von örtlichen Tanz- und Musikgruppen. Besonders hoch im Kurs standen die Aufzugfahrten hinauf auf das 162 Meter hohe Kesselhausdach, von dem aus man bis nach Köln und Düsseldorf schauen kann.

Fotowettbewerb

Zum 50-jährigen Bestehen des Kraftwerks lädt RWE Power für Samstag, 25. Mai, 12 Uhr, zum Tag der offenen Tür ein. Das Programm beginnt um 12 Uhr mit geführten Rundgängen im Innovationszentrum Kohle, mit Fahrten mit der Bimmelbahn sowie Besichtigungen von den Aussichtsplattformen aus. Für Kinder hat RWE Hüpfburg, Glücksrad, Schmink-Sets, Mal- und Basteltische sowie einen Kettcar-Parcours aufgebaut.

Im Zelt spielt die RWE-Band, es präsentieren sich Vereine aus der Umgebung. Draußen sind die Einsatzfahrzeuge der Kraftwerkswehr zu besichtigen. Es werden die Gewinner des Fotowettbewerbs bekanntgegeben. (nk)

Auf diesen Ausblick verzichten konnte eine etwa 25-köpfigen Gruppe von Grünen aus der Region. Sie traten vor dem Kraftwerk an, „um RWE die Feierlaune ein wenig zu verderben“, so der Bergheimer Grünen-Vorsitzende David Demgensky. Die Grünen verteilten Flyer mit der Schlagzeile „Herzlichen Glückwunsch zu 50 Jahren Umweltverschmutzung, Zwangsumsiedlung und Heimatvernichtung.“

Dabei bekam es zu einem kleinen Eklat. Die Partei hatte für ihre Aktion einen Platz an der Hauptzufahrt zum Kraftwerk beantragt. Zugewiesen wurde ihr mit Verweis auf die Verkehrssicherheit aber eine Stelle auf einem Ausweichparkplatz fernab des Geschehens. Die Gruppe begab sich trotzdem zur Hauptzufahrt, wurde dort von der Polizei ermahnt und verzichtete schließlich notgedrungen darauf, einen Infostand aufzubauen und Transparente auszurollen. Stattdessen gingen die Grünen auf den öffentlichen Wegen vor dem Kraftwerk spazieren und wagten dabei auch einen kurzen Abstecher aufs Festgelände.

Für Volker Kolvenbach und Guido Mödder hatte der Tag noch einen besonderen Höhepunkt. Die beiden wurden als Sieger des Fotowettbewerbs zum Kraftswerksjubiläum ausgezeichnet.

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