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Nach Explosion: Steiniger Weg zum neuen Heim

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Ein neues Haus an alter Stelle: Otto und Lina Wolff mussten im Alter von 80 Jahren noch mal neu bauen.  Foto: Dennis Vlaminck
Wegen eines Heizungsdefekts ist das Haus von Lina und Otto Wolff in Glesch explodiert. Nach dem Abriss bauten die heute 80-Jährigen an alter Stelle ein neues Eigenheim – ein Projekt, das die beiden viel Kraft gekostet hat.  Von
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Bergheim-Glesch

Wenn Lina Wolff an jenen späten Abend des 20. November zurückdenkt, schnürt ihr immer noch die Angst die Kehle zu. „Wir waren noch mit dem Kegelclub essen, aber um elf Uhr sind mein Mann und ich ins Bett gegangen“, erinnert sich die heute 80-Jährige. Plötzlich habe alles gewackelt, ein Grollen war zu hören. „Ich dachte noch, das ist ein Erdbeben, dann stürzte auch schon das große Bücherregal auf uns.“ Es kam noch schlimmer. Die Außenwände des Schlafzimmers brachen weg, auch die Geschossdecke gab nach – das Ehepaar Wolff rauschte mitsamt dem Ehebett auf dem schräg hängenden Parkett ins Erdgeschoss und blieb unter Trümmern begraben. „Ich habe die ganze Zeit um Hilfe gerufen“, sagt Otto Wolff. Retter waren schnell da. Die Eheleute, damals 78, hatten Glück, auch wenn der Schreck noch heute tief in den Knochen sitzt. Sie kamen mit leichten Blessuren ins Krankenhaus und konnten schon nach wenigen Tagen entlassen werden.

Dem Haus in der Peter-Otten-Straße in Glesch aber konnte nicht mehr geholfen werden. „Eine ganze Ecke war weggebrochen“, sagt Otto Wolff. Auf der Suche nach der Ursache musste ein Bagger weitere Teile des Gebäudes abbrechen, letztlich folgte der endgültige Abriss. Wie sich später herausstellte, war ein Thermostat an der Heizung defekt, Überdruck hatte den Kessel im Keller platzen lassen. Für die Wolffs folgte nun etwas, mit dem sie in ihrem hohen Alter nicht mehr gerechnet hatten: Sie mussten noch einmal neu bauen. Und das fiel ihnen alles andere als leicht. Ihr altes Haus hatten sie von 1956 bis 1959 gleich nach der Hochzeit selbst gebaut, ihr Sohn kam hier kurz nach dem Einzug zur Welt. „Den Keller habe ich von Hand ausgeschachtet“, sagt Otto Wolff. „Es gab keinen Stein im Haus, den ich nicht in der Hand hatte.“

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Alles anders

In den ersten sechs Wochen nach dem Einsturz lebten die Wolffs im Partykeller ihrer Tochter, dann mieteten sie sich in einer möblierten Wohnung in Glesch ein. Mit Hilfe ihres Sohnes, der in der Baubranche tätig ist, wagten sie sich an das Projekt Hausbau. Ein Weg, der trotz der Unterstützung für sie sehr steinig war. „Das ist doch schon für junge Leute anstrengend“, sagt Lina Wolff. Manches Mal hätten sie den Überblick verloren. So habe eines Tages eine Gerichtsvollzieherin vor der Tür gestanden. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt Lina Wolff. Offenbar hätten sie vergessen, einen Antrag bei der Stadtverwaltung einzureichen, und in all der Hektik auch die Mahnungen übersehen. „Die Frau war sehr verständnisvoll, bezahlen mussten wir die 300 Euro trotzdem.“

Im März konnten die Wolffs in ihr neues Haus an alter Stelle einziehen. Ganz fertig ist es zwar noch nicht, aber das Ehepaar freut sich, wieder ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben. Zu erledigen gibt es noch genug. Die Versicherung zahlt zwar dank eines Anwalts, der die Wolffs vertritt, aber nur schleppend. „Wir warten noch auf die letzten Zahlungen“, sagt Lina Wolff. An der Einrichtung fehlt es auch noch ein wenig. „Wir hatten nach dem Einsturz fast nichts mehr, alles war kaputt – Möbel, Türen, Kleidung“, sagt Lina Wolff. Im neuen Haus ist nun zumindest alles seniorengerecht, die Wolffs leben im Erdgeschoss. „Oben könnte mal jemand einziehen, der sich später um uns kümmert.“ Aber es ist auch alles anders. Modern. Und alles an einem anderen Ort, was den Wolffs besonders schwerfällt, da sie mehr als 50 Jahre in denselben Räumlichkeiten gelebt hatten. „Mein Mann steht oft im Schlafzimmer oder im Wohnzimmer und fragt: »Wo bin ich denn jetzt?«“
Otto Wolffs 80. Geburtstag konnten sie im neuen Haus feiern, aber noch in diesem Jahr wollen die beiden 80-Jährigen ein größeres Fest folgen lassen. „Zusammen sind wir 160. Das wollen wir feiern.“ Bis dahin ist allerdings noch ein wenig zu tun im und am neuen Haus. „Der Garten muss fertig werden“, sagt Lina Wolff.

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