Bergheim
Nachrichten und Bilder aus Bergheim

Vorlesen
0 Kommentare

Nachruf: Frühere Landrat Bell ist tot

Erstellt
Bells Tod macht über Parteigrenzen hinaus betroffen. Foto: Beissel
Wolfgang Bell ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der frühere Landrat am 21. Dezember verstorben. Am 20. Januar wäre der Sozialdemokrat, der in Bergheim lebte, 76 Jahre alt geworden. Bell war zwölf Jahre lang auch Oberkreisdirektor.  Von
Drucken per Mail
Bergheim

Wolfgang Bell ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist er am 21. Dezember verstorben. Am 20. Januar wäre der Sozialdemokrat, der in Bergheim lebte, 76 Jahre alt geworden. Bell war nach der neuen Kommunalverfassung der erste hauptamtliche Landrat in NRW – nach einer spektakulären Wahl im Jahr 1995. Er trat damals gegen den amtierenden (ehrenamtlichen) Landrat Klaus Lennartz im Kreistag an. In letzter Minute hatte die CDU den damals 58-jährigen SPD-Mann als Kandidaten vorgeschlagen. Der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende und Freund Bells, Werner Stump, hatte seine Fraktion auf Bell eingeschworen. Der Landrats-Coup war nicht der einzige im Leben des versierten Juristen, passionierten Jägers und stets akkurat auftretenden Mannes.

Gespann mit Stump

Bell hat an der Uni Köln Rechtswissenschaften studiert und 1967 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen abgeschlossen. Seine erste Stelle war die eines Hauptverwaltungsbeamten in Bergheim, als stellvertretender Stadtdirektor. Schon bald übernahm er die Führung der Verwaltung in Kerpen. Dort lernte er den amtierenden Landrat und Nachfolger im Amt, Werner Stump (CDU), kennen. Stump war damals Bürgermeister in der Kolpingstadt. Das Gespann Stump/Bell galt schon damals als erfolgreich. In die gemeinsame Zeit fällt der Bau des neuen Rathauses. Bei Bell paarten sich rheinische Lebenskunst und Humor mit ausgeprägter Zielstrebigkeit und Sachkenntnis. Dabei scheute er keine Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, aber erst recht nicht mit Parteifreunden. Legendär ist sein Streit mit dem damaligen Regierungspräsidenten Franz Josef Antwerpes um den Bau einer Abwasserleitung. Als Bell 1987 Nachfolger von Oberkreisdirektor Helmuth Bentz wird, hat er auch in Kerpen die Nachfolge geregelt. Der damalige Fraktionsvorsitzende der SPD, Ferdi Wind, wird Stadtdirektor, ganz nach Bells Wunsch. Im Kreishaus gibt er uneingeschränkt den Ton an. Bald schließt er mit Herbert Hillebrand einen Vertrag zum Bau eines neuen Kreishauses, verkauft die alten Kreishäuser in Bergheim und Hürth und behält die Finanzierung des Neubaus im Griff.

Bells Tod macht über Parteigrenzen hinaus betroffen. „Ich habe ihn als Kerpener Stadtdirektor kennen- und schätzen gelernt“, sagt der Chef der SPD-Kreistagsfraktion, Hans Krings. Stump sprich vom Verlust „eines politischen Wegbegleiters und eines persönlichen Freunds“. Rheinische Gelassenheit und scharfe Beobachtungsgabe hätten ihn ausgezeichnet. Der Vater zweier erwachsener Kinder und dreifache Großvater hatte nach der Pensionierung in einer Anwaltskanzlei gearbeitet, sich aber 2005 aus dem Berufsleben zurückgezogen.

FACEBOOK
Kleinanzeigen