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40. Geburtstag: Heidi Klum – berühmt, aber unbeliebt

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Heidi Klum Foto: dpa
Heidi Klum wird heute 40 Jahre alt. Weltweit macht das Model Werbung für ihre Geburtsstadt – umgekehrt wird sie aber wenig geliebt. Die Stadt findet keinen Weg, mit ihrem berühmtesten Kind umzugehen.  Von
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Wen interessiert in Bergisch Gladbach der 40. Geburtstag von Heidi Klum? Eine einfache Antwort gibt es in der Stadt nicht. Die Welt allerdings zeigt sich sehr interessiert. Zeitungen, Magazine und das Fernsehen auf dem ganzen Globus berichten über Heidi Klum, Model und Moderatorin aus Bergisch Gladbach.

Wie es aussieht, feiert Heidi Klum im fernen Kalifornien, in Los Angeles, mit Freundinnen eine Hutparty. In der Berichterstattungen über diese Party wird es über das Geburtstagskind in vielen Sprachen heißen: „stammt aus Bergisch Gladbach“ oder auch „geboren in Bergisch Gladbach“. Es klingt sehr witzig, wenn japanische Reporter „Bergisch Gladbach“ sagen. In der genannten Stadt wird dagegen nicht gefeiert. Das ist für Außenstehende schwer zu verstehen. Zum Beispiel für David Letterman, einer der prominentesten Moderatoren in den Vereinigten Staaten. In seiner Show fragte er Heidi Klum nach ihrer Heimatstadt. Das sei eine „kleine Stadt in der Nähe von Köln“ – „very beautiful“, also „sehr schön“. Die Menschen in ihrer Heimat, so David Letterman, müssten doch sehr stolz auf sie sein. Heidi Klum sagt, sie wisse es nicht.

Sollte man mit Heidi Klum mehr werben?

Was so nicht stimmen kann. Ihr Vater Günther Klum lebt im Gegensatz zu seiner Tochter immer noch im Bergischen. Zwar nicht mehr in Bergisch Gladbach, sondern in Odenthal, aber er ist in der Stadt präsent. Im Grunde ist er, der Heidi Klum als Geschäftsmann vermarktet, ein Lokalpatriot, der grantelnd durch die Stadt zieht, weil seine Tochter und deren Erfolg in Bergisch Gladbach in seinen Augen gar nicht wahrgenommen werden. Das ist die Höchststrafe für ihn. Sich über Heidi Klums Ruhm, ihren Geschäftserfolg aufzuregen, wäre ja noch akzeptabel – aber ihn komplett zu ignorieren, das geht doch nicht.

Doch, es geht. Darin hat die Stadt inzwischen auch Übung. Seit Heidi Klum ein Weltstar ist – und das ist ja nun schon über ein Jahrzehnt –, gibt es immer wieder einmal Denkanstöße, diesen Ruhm doch für die Stadt zu nutzen. Spätestens wenn das Wort Ehrenbürgerschaft fällt, kommt es mit Ansage zum Eklat. Die Sendung „Germanys next Topmodel“ wirkt wie ein zusätzlicher Brandbeschleuniger. Nicht nur für stramme Feministinnen ist die Sendung und das dort vermarktete Frauenbild ein Ärgernis; gerade erst protestierte eine Feministin barbusig beim Finale der Show. Und schließlich heißt es in der Politik: „Was hat Heidi Klum denn für Bergisch Gladbach geleistet?“

Ehrenbürger sind zum Beispiel der Unternehmer Willibert Krüger oder der ehemalige Bundestagsabgeordnete Franz Heinrich Krey. Menschen eben, die in Bergisch Gladbach leben und deren Leben rund um Bergisch Gladbach kreist. Auf dieser Ebene habe Heidi Klum nichts zu suchen, heißt es. Beim Karneval wurden alle Ressentiments gegenüber der Rolle von Heidi Klum in der Stadt deutlich. Ihre Zugteilnahme degradiere den Zoch zu einer Kulisse, lautete der Vorwurf zuletzt 2005. Der Prinz etwa, der eine ganze Session durch die Säle tanzt, singt und sich auf den großen Umzug als Höhepunkt des karnevalistischen Lebens freut – er werde gar nicht mehr wahrgenommen. Die Menschen hätten nur Augen für die schöne Heidi. Eine Boulevard-Zeitung titelte: „Die spinnen doch in Bergisch Gladbach“. Eine Anspielung auf ein gallisches Dorf in dem Comic „Asterix und Obelix“.

Dieses Dorf widersetzt sich, dank einem Zaubertrank, dem mächtigen römischen Imperium. Das römische Imperium wäre in diesem Bild wohl der Zeitgeist oder auch schlicht der Kommerz. Im Comic widerstehen die Helden dem Imperium. Ein kleiner verrückter Haufen, der sich um den Rest der Welt nicht schert. In Bergisch Gladbach knickte der Widerstand ein. Am Ende war Heidi Klum dreimal im Bergisch Gladbacher Zug dabei. Es kamen mehr Menschen, und der Gladbacher Zug war auch überregional ein Thema für die Medien.

Tatsächlich schütteln insbesondere Werbefachleute – zu denen eben auch Günther Klum gehört – den Kopf über die Stadt, weil sie es nicht versteht, mit Heidi Klum ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und letztlich so auch Geld zu verdienen. Die Frage: „Was hat Heidi Klum für die Stadt getan?“ ist danach eben die falsche Frage. Sie müsste lauten: „Was kann Heidi Klum für die Stadt tun?“

Allerdings ist inzwischen unklar, ob Heidi Klum überhaupt noch ein Interesse daran hat, sich für ihre Heimatstadt einzusetzen. Andere Städte zieren sich übrigens weit weniger. Boris Becker ist Ehrenbürger von Leimen, Steffi Graf im badischen Brühl. Dort genügte es, dass der Name der Stadt über die Person bekanntwurde. In Bergisch Gladbach genügt das nicht. Wen also interessiert Heidi Klums Geburtstag in der Stadt? Er interessiert sehr viele Menschen. Aber die Gründe dafür haben nicht immer etwas mit Sympathie zu tun. Und insgesamt hat Bergisch Gladbach keinen Weg gefunden, wie mit dem berühmtesten Kind der Stadt umzugehen ist. Vielleicht klappt es ja bis zum 50. Geburtstag.

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