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Abschied: Ein roter Sarg für seinen letzten Weg

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Trauerfeier für den im Dezember verstorbenen Fritz Roth Foto: Diethelm Nonnenbroich
Rund 2500 Menschen nahmen im Altenberger Dom Abschied von Fritz Roth. Die Feier trug die Handschrift des Bestatters, der die Zeremonie mit seiner Familie geplant hatte. Roth war Mitte Dezember an Krebs gestorben.  Von
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Fritz Roth hätte an dieser, seiner eigenen Trauerfeier große Freude gehabt. Im Altenberger Dom nahmen am Samstag rund 2500 Menschen Abschied von dem Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Thema Tod aus der Tabuzone des Lebens zu holen. Der Tod als natürlicher Teil des Lebens, den man nicht fürchten muss. Und dementsprechend war der Gottesdienst nicht steif und von Ritualen geprägt. Deutschlands bekanntester Bestatter hat die Menschen immer zu einem aktiven Leben aufgefordert. Sein eigenes glich einem Feuerwerk, bis zum Schluss.

Dabei hatte Roth, der noch zu Lebzeiten seine Beerdigung plante, nicht vorhersehen können, dass das erste Enkelkind, das Tochter Hannah zur Welt brachte, kurz nach seinem Tod geboren werden würde. Es trägt den Namen Fritz Uwe und wurde hinter dem Sarg des Großvaters getragen. Ein symbolträchtiges Bild: Tod und Leben nah beieinander.

Schon der Sarg war ein typisches Statement von Fritz Roth: knallrot. Eine Provokation für die Augen und deutlicher Hinweis an die Gäste: Traurig könnt ihr ja sein, aber feiern sollt ihr trotzdem. Und so bewegte sich der Gottesdienst für Fritz Roth permanent zwischen stillen Momenten der Trauer und dem gelösten Lachen bei der Erinnerung an den Toten. Eine Trauerfeier, bei der gelacht und applaudiert wurde – das war mit Sicherheit nach dem Geschmack von Roth.

Der Sarg wurde von der Prinzengarde Bergisch Gladbach getragen, verschiedene Vereine aus der Stadt hatten ihren Standartenträger geschickt. Der Katholik Roth hatte sich einen ökumenischen Gottesdienst gewünscht. Also wechselten sich evangelische und katholische Geistliche bei Predigt und Gebet ab: Kreisdechant Norbert Hörter und Superintendent Otmar Baumberger.

Und es wurde die Musik gespielt, die sich Roth wünschte. Nessun Dorma zum Beispiel, gesungen von Luciano Pavarotti, das war die Zeit für Gänsehaut. Auch auf dem Programm: „Liebe mäht d'r Dach jet heller“ von den Paveiern, da wurde es bei kölschen Tönen nachdenklich.

Der Altarbereich war für Fernsehkameras und Fotografen permanent gut ausgeleuchtet. Fritz Roth hat es zu Lebzeiten geliebt, im Rampenlicht zu stehen, so war es auch bei seiner Beerdigung.

Angereist kam etwa der an Krebs erkrankte Student Bastian Brauns, mit dem Roth in der Fernsehsendung von Günther Jauch diskutiert hatte. Ebenfalls im Dom war Fernsehpfarrer Jürgen Fliege. Aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis war fast alles angetreten, was Rang und Namen hat.

In seiner Predigt stellte der stellvertretende Superintendent Otmar Baumberger den Menschen, den feurigen Missionar und den erfolgreichen Kaufmann Fritz Roth vor – und das machte er so überzeugend, dass er dafür Applaus erhielt. Reden hielten Kabarettist Rainer Pause und Bundestagsabgeordneter Wolfgang Bosbach. Da gab es wenig Pathos, sondern ganz viel rheinischen Humor. Es wurde herzhaft gelacht. Über die Irrfahrt mit Navigationsgerät zum Beispiel.

Von dieser Autofahrt erzählte Bosbach. Trotz Zeitdrucks und definitiv falscher Wegführung habe Roth keine schlechte Laune gehabt. Das sei eines seiner Markenzeichen gewesen: nie schlechte Laune. Am Ende der Trauerfeier sang Purple Schulz. Anschließend konnten die Trauergäste Kerzen am roten Sarg aufstellen. Für jeden hielt die Familie eine Doppel-CD („Trauer ist Liebe“), eine Radio-Sendung mit Fritz Roth, als Erinnerung bereit. Sohn David lud alle in die umliegenden Gaststätten und Restaurants ein. Sie waren für diesen Tag reserviert. Bei Kaffee und Kuchen, Kölsch und Schnittchen sollte diskutiert, getrauert und gelacht werden. So hat es sich Fritz Roth gewünscht.

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