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Bienenstock: Schwärmen ist nicht erwünscht

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Die "Kölner Stadt-Anzeiger"-Mitarbeiterin Elke Landschoof ist Hobby-Imkerin. Foto: Roland U. Neumann
Das Geschehen im Inneren des Bienenstocks richtig zu deuten, ist nicht so einfach. Die Büro-Bienen von Kollegin Elke Landschoof sollen fleißig Pollen sammeln, möglichst aber nicht schwärmen.  Von
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Ist das nun eine Nachschaffungszelle oder ein Spielnäpfchen? Der Stock ist offen, die Bienen schwirren irritiert umher, und ich versuche in den kleinen, runden Wachsbechern am Rand der Waben etwas zu erkennen. Mai und Juni sind für Imker eine spannende Zeit. Die Natur erblüht, die Bienen fangen an, Honig einzutragen. Aber vor allem werden die Völker stärker. Genau darin liegt das Problem: Wöchentlich muss kontrolliert werden, ob die Immen in Schwarmstimmung sind. Dabei spielen Spielnäpfchen und Nachschaffungszellen eine wichtige Rolle.

Die Bienen auf dem Balkon unserer Redaktion entwickeln sich gut. In den zwei unteren Bienenkästen befindet sich inzwischen der Brutraum. Darüber sitzt der Honigraum. Ein Absperrgitter verhindert, dass die Königin dorthin gelangt und Eier legt. Der Gitterabstand ist so groß, dass die Arbeiterinnen problemlos hindurchschlüpfen können, die Königin jedoch nicht.

An warmen Tagen herrscht auf dem Balkon emsiges Treiben. Im Frühjahr hatte ich noch Bedenken, ob der Flugverkehr nicht im Laufe des Jahres zu viel wird und ich mir einen anderen Standort für den Stock suchen muss. Doch bisher hat sich kaum eine Imme in die Büroräume verirrt. Und wenn doch, wird sie von den Kollegen geduldig mit einem Glas eingefangen und vor die Tür gesetzt.

Einmal in der Woche schaue ich mir das Volk genauer an und öffne den Stock. Die Mädels tragen zwar schon ein, doch es wird noch etwas dauern, bis der erste Honig geerntet werden kann. Viel wichtiger ist zurzeit der Blick ins Brutnest. Hier habe ich einen so genannten Drohnenrahmen eingehängt.

So sehen Weiselzellen aus. Foto: Ralph Fröhlich

Die Drohnen, die männlichen Bienen, schlüpfen aus unbefruchteten Eiern. Ausgewachsenen Drohnen sind leicht zu erkennen, da sie etwas größer als die Arbeiterinnen sind. Auch die Zellen, aus denen sie schlüpfen, sind größer. Hier legt gerne die Varroa-Milbe, ein Bienenparasit, ihre Eier ab. Um den Befall im Stock so gering wie möglich zu halten, schneide ich den Drohnenrahmen regelmäßig aus. Diese Arbeit fällt mir nicht leicht, denn das bedeutet den Tod der Drohnenlarven. Doch das muss ich in Kauf nehmen, um das Volk vor dem Varroa-Befall zu schützen. Zudem muss ich kontrollieren, ob das Volk in Schwarmstimmung ist.

Die Büro-Bienen von Bergisch Gladbach

Diesem Verhalten liegt der natürliche Vermehrungstrieb der Bienen zugrunde. Geht es dem Volk gut und sind schon einige Honigvorräte eingetragen, bereiten die Arbeiterinnen etwas größere rund Zellen vor. Solange die alte Königin dort kein Ei ablegt, spricht man von Spielnäpfchen. Ist dort ein kleiner weißer Stift zu erkennen, handelt es sich um eine Nachschaffungszelle, auch Weiselzelle genannt. In einer solchen Zelle wächst eine neue Königin heran. Sobald diese Zelle verdeckelt ist, verlässt die alte Königin den Stock und nimmt die Hälfte des Bienenvolkes mit sich.

Brausende Insektenwolke

Indem sie die Weiselzellen brechen, versuchen die meisten Imker das Schwärmen zu unterbinden. Denn dadurch fällt die Honigernte geringer aus, das Volk ist geschwächt und es dauert einige Zeit, bis die junge Königin Eier legen kann. Ein Imkerkollege hatte diese Kontrolle im vergangenen Jahr etwas vernachlässigt und die meisten seiner Völker schwärmten. Einmal stellte er sich bewusst mitten in die brausende Insektenwolke. Ganz begeistert erzählte er von diesem unbeschreiblichen Gefühl, das er dabei empfand.

Gestochen wurde er übrigens nicht, denn schwärmende Bienen vergessen vor lauter Aufregung, dass sie einen Stachel haben. Sie sind ganz auf ihre Königin fixiert. Irgendwann sammeln sie sich an einem Ast, wo sie meist wieder eingefangen werden können.

Meine Mädels schwirren um mich herum und wirken ganz entspannt, jedenfalls nicht so, als wenn sie Lust hätten, sich ein neues Zuhause zu suchen. Trotzdem fallen mir bei meiner Kontrolle ein paar größere runde Zellen ins Auge. Ich kann aber nicht erkennen, ob jetzt schon ein Ei drin liegt oder nicht. Vorsichtshalber zerstöre ich alle diese Gebilde und mache den Stock wieder zu. Eine Woche haben meine Mädels jetzt Ruhe vor mir. Dann komme ich wieder kontrollieren.

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