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Jugend musiziert: Mit ein wenig Ehrgeiz und viel Talent

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Louis Pater (l.) und Marius Kampf fiebern dem Wettbewerb entgegen, fühlen sich aber gut vorbereitet.  Foto: Radix
Die erst 13-jährigen Gitarristen Marius Kampf und Louis Pater sind in der höchsten Ebene des Wettbewerbs dabei und spielen in Erlangen der Jury vor. Das Duo überzeugt mit unbefangener Spielfreude.  Von
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Zweimal das Instrumentenkarussell der Max-Bruch-Musikschule, zweimal die Gitarrenfibel Teils eins und zwei, zwei engagierte Elternpaare – daraus, und natürlich aus dem Talent, das Marius Kampf und Louis Pater mitbrachten, ist ein erfolgreiches Duo entstanden. Das Team hofft am Wochenende beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Erlangen auf einen der vorderen Plätze. Die beiden 13-Jährigen haben nacheinander Unterricht bei Yoshi Soga.

Er war es auch, der seine beiden Schüler miteinander bekanntmachte und sie zum Duo formte. Denn Marius Kampf besucht die achte Klasse des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Bensberg, Louis Pater ist am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Heidkamp in der siebten, ohne die Musik hätten sich die beiden Jungen wohl eher nicht getroffen. Inzwischen aber – die jungen Gitarristen nehmen schon zum zweiten Mal nach 2010 als Duo an Jugend musiziert Teil – ist aus dem musikalischen Team ein Gespann geworden, das sich auch abseits der Übungsstunden gut versteht.

Die Stunden an Konzertgitarren allerdings nehmen breiten Raum ein im Leben der beiden 13-Jährigen. Man muss schon deutlich mehr an Zeit und Energie investieren als die wöchentliche Lehrstunde in der Musikschule. Schon auf Landesebene ist die Konkurrenz groß, und vor der Bundesebene wurde noch einmal hart an den ausgewählten Stücken gearbeitet und gefeilt.

„Erst fanden wir manche von den Stücken, die uns Herr Soga vorgeschlagen hatte, nicht so toll“, berichtet Louis. Also arbeiteten die beiden daran, bis es in ihren Augen rund lief. Und Marius Kampf ergänzt: „Man muss ja auch erstmal den Stil hinkriegen bei Stücken aus der Renaissance oder dem Barock.“ Nach harter Arbeit sind die beiden jungen Gitarrenvirtuosen nun sehr zufrieden damit, wie weit sie mit den vier Stücken gekommen sind, die sie der Jury präsentieren wollen.

Mit Leidenschaft zur Musik

Nicht immer allerdings leisten die 13-Jährigen diese Arbeit ganz freiwillig. Natürlich spielen sie gern klassische Gitarre, natürlich haben sie den Ehrgeiz, bei Jugend musiziert möglichst weit zu kommen – aber es gibt reizvollere Dinge als tägliches Üben. „Es geht“, ist Marius' lakonische Antwort auf die Frage nach seinem Übungseifer, und Louis gesteht: „Ich mach's, weil die Eltern das sagen.“ Die beiden Väter, Achim Kampf und Andreas Pater, verweisen auf typisch pubertäre Verhaltensweisen ihrer Sprösslinge, sagen aber auch, dass sie eine gewisse Konstanz einfordern. „Wenn Marius das machen möchte, dann auch richtig“, erläutert Achim Kampf. Die Eltern müssen schließlich auch viel in die musikalische Entwicklung der Jungen investieren, Geld und vor allem Zeit, um Marius und Louis zu fahren und zu fördern. Auch zum Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ haben die Väter ihre Söhne gebracht – bespötteln sich selbst als „Kofferträger“, die die Gitarrenkoffer des Duos in die Redaktionsräume im dritten Stock schleppen.

Andreas Pater ist zudem selbst Musiker und hat den Jungen „viel geholfen beim Ausarbeiten“, wie sein Sohn Louis sagt. Dennoch wächst allmählich die Anspannung vor dem großen Wettbewerb, schließlich haben Marius und Louis gerade erst die Schwelle zur Altersstufe 3 überschritten, die die Teilnahme am Bundeswettbewerb gestattet. Sie dürften am 21. Mai in Erlangen zu den jüngsten Teilnehmern gehören. Vielleicht sogar ein Pluspunkt, sagt Achim Kampf: „Die Jungs sind nicht so verbissen, sondern ganz unbefangen, das hat die Juroren schon beim Landeswettbewerb beeindruckt.“ Andreas Pater fügt hinzu, dass sich die Temperamente der beiden auf der Bühne gut ergänzten: „Der eine ist technisch ein Stückchen weiter, dafür bringt der andere mehr Emotion ein – das passt einfach.“

Mairus Kampf & Louis Pater - Cavatina

Nicht nur beim gemeinsamen Spiel passen die Gymnasiasten zusammen, sie zeichnen sich auch sonst durch ungewöhnliche Interessen aus. Die Popcharts sind weder für Marius noch für Louis sonderlich interessant. Marius hört gern Klassik, Louis begeistert sich für Filmmusik und lernt gerade, selbst zu arrangieren. Beide spielen Klavier, und auch an der Tischtennisplatte können sie sich gemeinsam amüsieren. Fußball ist Marius’ große Leidenschaft, Louis ist fasziniert vom Programmieren und könnte sich das auch als späteren Beruf vorstellen.

Als Berufsmusiker sehen sich beide zur Zeit nicht: Bei allem Ehrgeiz im Wettbewerb Jugend musiziert soll das Gitarre spielen einfach Freude machen, und ihr musikalischer Geschmack kann sich noch radikal ändern. Schließlich mögen beide auch die Bassgitarre, die Louis Pater bereits im Schulorchester spielt. Nach dem Wettbewerb hat das junge Gitarristen-Team eine Verschnaufpause: Für Duos wird der Wettbewerb nur alle drei Jahre ausgelobt.

Zu hören sind Louis Pater und Marius Kampf bei der Gitarrenmatinée in der Max-Bruch-Musikschule: am Sonntag, 2. Juni, 11 Uhr. Eine Klangprobe und ein Video finden Sie online.

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