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Nahost-Experte: Nicht nur Beifall für Nahost-Experten

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Michael Lüders sprach in der Buchhandlung Funke. Foto: Christopher Arlinghaus
Der renommierte Nahost-Experte Michael Lüders stellte sein Buch über den Iran in der Buchhandlung Funke in Bensberg vor. Während der Lesung gab es nicht nur Beifall, sondern auch kritische Nachfragen bei einigen Einschätzungen.  Von
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Die Buchhandlung Funke in Bensberg hat schlaue Kunden. Bei der Lesung von Michael Lüders, einem renommierten Nahost-Experten, gab es nicht nur Beifall, sondern auch kritische Nachfragen und Widerspruch bei einigen Einschätzungen.

Lüders stellte zuletzt in seinem Buch „Iran: Der falsche Krieg. Wie der Westen seine Zukunft verspielt“ eine Reihe provokanter Thesen auf. Grundlegend bei all seinen Überlegungen ist die Einschätzung, dass es bei dem Iran-Konflikt nicht um dessen Atomprogramm gehe. Das sei vorgeschoben. Vielmehr gehe es vor allem Israel darum, einen starken Iran zu verhindern. So sei die Hisbollah, die vom Iran unterstützte paramilitärische Organisation im Libanon, der einzig für Israel ernst zu nehmende militärische Gegner. Insgesamt zeichnet Lüders das Bild eines großen Machtspiels im Nahen Osten, bei dem der Streit um den Iran und dessen Atomprogramm nur ein, wenn auch sehr wichtiger, Teil sei.

Sehr detailliert wurde nachgefragt, wie denn ein möglicher Krieg gegen den Iran (Lüders: „Ich glaube, er wird kommen“) geführt werde. Die Zuhörer wollten zum Beispiel wissen, mit welchen Bomben die unterirdischen Anlagen ausgeschaltet werden könnten. Wobei in der Buchhandlung Einigkeit darüber herrschte, dass nicht Israel, sondern die USA den Krieg führen werde. Dabei mache der Westen, inklusive Deutschland, etliche gravierende Fehler bei der Einschätzung der Situation. Denn den Iran weiter zu destabilisieren oder ihn gar anzugreifen, würde die gesamte Region in ein unkontrollierbares Chaos stürzen. Aus dem Publikum wurde nach einer Lösung gefragt. Die präsentierte auch Lüders nicht. Aber er fordert zu einem Umdenken auf. Die Isolation des Iran müsse beendet und direkte Gespräche müssten geführt werden. Die Wirtschaftssanktionen würden nur dazu führen, dass die iranische Mittelschicht wegbreche. Insgesamt würden die radikalen Kräfte, die ja geschwächt werden sollten, gestärkt. Das Handeln der Politiker sei, so Lüders, teilweise „erschreckend dumm“.

Als Beispiel nannte er auch die Politik im Zusammenhang mit der Zypernkrise. Wie der deutsche Finanzminister Schäuble einem Rettungsplan habe zustimmen können, bei dem auf alle Sparkonten der Zyprioten zugegriffen werde, sei ihm ein Rätsel. „Es war doch klar, dass es so nicht umzusetzen ist.“ Aus dem Publikum wurde Schäuble in Schutz genommen, denn die genauen Pläne habe Schäuble ja gar nicht gekannt. Lüders lenkte die Diskussion schnell wieder auf den Nahen Osten. Die Politik Israels rückte in den Mittelpunkt. Der Siedlungsbau im Westjordanland wurde kritisiert und es wurde gefragt, welche Einflussmöglichkeiten es gebe. Lüders: „Israel wird nur auf Druck reagieren.“ Aber das sei ein anderes Thema.

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