Bergisch Gladbach
Nachrichten, Bilder aus Bergisch Gladbach

Vorlesen
2 Kommentare

Parkscheinautomaten: Dem fehlenden Geld auf der Spur

Erstellt
Ein städtischer Mitarbeiter soll sich bei den Parkautomaten bedient haben – die Beweisführung ist schwierig.  Foto: Christopher Arlinghaus
Noch immer ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Mitarbeiter der Stadt, der verdächtigt wird, Geld aus Parkautomaten unterschlagen zu haben. Gleichzeitig weisen die Geräte eine große Vielzahl von Defekten auf.  Von
Drucken per Mail
Bergisch Gladbach

Im September machte die Bergisch Gladbacher Stadtverwaltung überregional Schlagzeilen. Denn es wurde offiziell bestätigt, dass es bei den Parkeinnahmen einen Fehlbetrag von mindestens 250 000 Euro gebe – über einen Zeitraum von rund sechs Jahren.

Einem städtischen Mitarbeiter, der auch für kleinere Reparaturen an den Automaten zuständig war, wurde fristlos gekündigt. Allerdings nicht wegen der vermeintlichen Unterschlagung, sondern wegen anderer Dienstvergehen. Der Mann soll zum Beispiel während der Dienstzeiten mit dem Dienstauto private Angelegenheiten erledigt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Beamten wegen seines vermeintlichen Griffs in die Kasse der Parkautomaten. Und diese Ermittlungen gleichen nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ einem Puzzle. Letztlich ist sogar unklar, ob überhaupt Anklage erhoben werden kann.

Fest steht, dass die Höhe der Fehlbeträge nicht durch Defekte an den Automaten erklärt werden kann. Allerdings – und da beginnen die Unwägbarkeiten – gibt es Defizite, die ausschließlich mit nicht funktionierenden Automaten zusammenhängen müssen. Und die Palette dieser technischen Fehler ist erstaunlich groß. Mal spielen die Automaten verrückt und geben Tickets heraus, für die gar kein Geld bezahlt wurde. Dann wird Geld einbehalten, ohne dass ein Parkschein erstellt wird. Oder es wird ein Ticket erstellt und gleichzeitig das Geld wieder ausgeworfen. Alles möglich, alles dokumentiert.In der Branche ist von so genannten „Fertigungstoleranzen“ die Rede. Allerdings in einer Größenordnung von weniger als einem Prozent. Die Stadt Bergisch Gladbach kassiert pro Jahr durch ihre Parkautomaten mehr als 1,5 Millionen Euro. Ein Prozent davon sind 15 000 Euro. Hochgerechnet auf sechs Jahre ergibt sich somit ein technisch bedingtes Minus von 90 000 Euro. Auf Nachfrage erklärte Uwe Freund, Mitarbeiter bei einem der Automatenhersteller, die auch an Bergisch Gladbach lieferten: „Es ist vollkommen undenkbar, dass ein Fehlbetrag in Höhe von 250 000 Euro mit defekten Geräten gerechtfertigt wird.“

Dieser Meinung schließen sich auch Stadtverwaltung und Staatsanwaltschaft an. Was aber fehlt, ist der konkrete Beweis – und: Wie ist so ein Diebstahl überhaupt möglich? In der Verwaltung haben sich die Mitarbeiter darüber wochen-, ja monatelang den Kopf zerbrochen. Jahrelang ging es bei der Kontrolle der Parkeinnahmen eher lax zu. Das System galt ja als narrensicher, und bei Stichproben festgestellte Ausfälle wurden mit technischen Fehlern erklärt. Erst als sich ein einzelner Beamter die Mühe machte, diese Fehlbeträge zu addieren, kam die Sache ans Licht. So nachlässig man bei den Stichproben war, so akribisch wurde nun das gesamte System überprüft.

Fakt ist, dass bei jeder Automatenentleerung immer zwei städtische Mitarbeiter vor Ort sind. Es wird darauf geachtet, dass die Zusammenstellung wechselt. An den Automaten kommen die Mitarbeiter mit dem Geld gar nicht in Kontakt. Sie schließen den Safe mit der Geldkassette auf, holen den vollen Behälter heraus und stecken einen neuen, leeren hinein. Die alten Kassetten können nach dem Hinausziehen nicht wieder zurückgeschoben werden. Mit dem Kasten geht es zur Bank. Dort – und nur dort – gibt es den Schlüssel, mit dem die Kästen geöffnet werden können. Weiter werden über alle Einnahmen am Automaten Protokolle erstellt, dabei wird angezeigt, wann ein Automat geöffnet wurde. Bei älteren Geräten gibt es die Niederschriften auf Papier, bei neueren auch direkt über den Computer. Wo ist also die Schwachstelle im System?

Schnell geriet der Mitarbeiter ins Visier, der als einer von wenigen allein Zugang zum Automaten hatte, etwa bei kleineren Störungen wie dem Wechseln der Papierrolle oder Ähnlichem. Zwar geben aufgrund der laufenden Ermittlungen weder Stadtverwaltung noch Polizei Auskunft über die genaue Methode, aber nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ können anhand von Automatenprotokollen Fehlbeträge in Geräten belegt werden, die von eben jenem Mitarbeiter geöffnet wurden. Denkbar wäre, dass die alte Kassette durch eine präparierte ersetzt wurde. Bei der nächsten Leerung wäre dann weniger Geld im Behälter, als laut Protokoll sein müsste. Auch andere Manipulationen sind möglich – aber auch beweisbar?

In der Stadt Borken gab ein städtischer Mitarbeiter zu, Geld aus Parkautomaten unterschlagen zu haben. Gestritten wurde über die Höhe der Unterschlagung. Er selbst räumte ein, 31 000 Euro in die eigene Tasche gesteckt zu haben – die Stadt sprach von mindestens 180 000 Euro. In diesem Fall wurde mit Indizien argumentiert, und die Stadt konnte sich durchsetzen: Der Mann wurde zu 180 213,83 Euro Schadensersatz verurteilt. Dabei ist der tatsächliche Schaden für Borken sogar höher, denn es fehlen Belege vor 2009. In Bergisch Gladbach sind sämtliche Belege vor 1995 nicht mehr da.

Auch interessant
Anzeige
Umfrage - Kunstorte

Mehrere Initiatoren wollen in Bergisch Gladbach ein Kultur-Netzwerk gründen und rufen alle Interessierten auf, mitzumachen. Eine ihrer Thesen: Die Kunstorte in Bergisch Gladbach seien zu wenig vernetzt, wer gemeinsam plane und auf sich aufmerksam mache, sei stärker. Stimmen Sie der Einschätzung zu?

FACEBOOK
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Kleinanzeigen