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Radiologie: Eine Pionierin des Durchblicks

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Seit mehr als 20 Jahren ist Dr. Gudrun Lasek Chefärztin in der Radiologie und Nuklearmedizin im Evangelischen Krankenhaus. Foto: Christopher Arlinghaus
Seit mehr als 20 Jahren ist Dr. Gudrun Lasek Chefärztin in der Radiologie und Nuklearmedizin im Evangelischen Krankenhaus. In den 80er Jahren hat sie mit der Computertomografie eine revolutionäre Entwicklung begleitet.  Von 
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Sie hat eine Familie, und sie hat Karriere gemacht. Dr. Gudrun Lasek ist seit mehr als 20 Jahren Chefärztin in der Radiologie und Nuklearmedizin im Evangelischen Krankenhaus (EVK). Damit ist Gudrun Lasek eine seltene Spezies, denn in den Chefsesseln der Fachgebiete sitzen fast ausschließlich Männer. Der Grund: Meist ist bei den Frauen mit der Ernennung zur Oberärztin die letzte Stufe der Karriereleiter erklommen. Auszeiten wegen Kindererziehung machen einen steilen Karrieresprung oft unmöglich.

Aber Gudrun Lasek hat es geschafft. „Das habe ich nicht von Anfang an vorgehabt – ich bin plötzlich in die Verantwortung gekommen“, sagt die habilitierte Medizinerin über ihren Werdegang. Und der beginnt nach dem Studium mit einer Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin, danach arbeitet sie in der Radiologie der Universitätsklinik Leipzig, absolviert auch den Facharzt in diesem Zweig, spezialisiert sich in der Herzdiagnostik. Und sie heiratet, bringt mit 30 Jahren zwei Kinder zur Welt – Zwillinge. „Mein Glück, zwei Kinder auf einmal“, sagt sie heute.

"Ich hatte es als Frau eigentlich nicht schwer"

Gudrun Lasek im Interview über Frauenquote und beruflichen Werdegang

Was halten Sie von einer Frauenquote in Wirtschaft und Politik?

Gudrun Lasek: Für mich gilt immer das Leistungsprinzip. Wenn beide Geschlechter gleiche Leistungen erbringen, dann sollte eine Frau nicht benachteiligt werden. Eine Quote ist ja nur dazu da, diese Gleichberechtigung bei veralteten Meinungen durchzusetzen.

Behindern Heirat und Kinder die Karriere von Frauen?

Lasek: Eine Familie mit Kindern ist immer für eine Frau ein Einschnitt in das Berufsleben. Wenn aber eine große Unterstützung durch die Familie und eine Kinderbetreuung (Kita oder Kindergarten) besteht, ist die Fortsetzung eines erfüllten Berufslebens möglich und muss nicht zu einem Karriereende führen.

Wurden Sie bei Ihrem beruflichen Werdegang von Männern gefördert?

Lasek: Beruflich wurde ich vor allem von Männern gefördert. Mein Ehemann hat mich immer in meinen beruflichen Vorhaben unterstützt, ebenso mein Lehrer und Ausbilder Professor Oelßner von der Universitätsklinik bis hin zur Habilitation. Auch im Chefarztkollegium des EVK habe ich von meinen männlichen Kollegen immer Respekt und Anerkennung erfahren, so dass ich es als Frau eigentlich nicht schwer hatte.
Das Gespräch führte Gisela Schwarz

Unterstützt von Ehemann und Kinderfrau, bleibt sie im Beruf. „Wenn man schon Facharzt ist, kann man den Beruf nicht an den Nagel hängen.“ Schon früh werden die Kinder mit der Medizintechnik bekannt gemacht. „Ich habe sie mitgenommen in die Sprechstunde. Computertomographie, Röntgen- und Schnittbilder anschauen, das kennen sie alles“, erinnert sie sich. Das hat bei ihrer Tochter Spuren hinterlassen: Sie entschied sich für das Medizinstudium, hat heute eine Professur. Der Sohn ist Diplom-Volkswirt.

Als sich in den 80er Jahren die Computertomografie, die Schnittbild-Röntgenaufnahmen, die radiologische Diagnostik radikal verändern, steht Gudrun Lasek in der vordersten Reihe der Mediziner, die die revolutionären Entwicklungen begleiten. „Ich arbeitete damals zwei Jahre lang in Nürnberg und Erlangen, hatte Zugang zu den modernsten Geräten von Siemens.“

Dann kam der Wechsel nach Köln. Als 1989 am EVK die Chefarztstelle für die Radiologie ausgeschrieben wird, bewirbt sie sich mit geringen Erwartungen. Doch sie wird zur Chefärztin berufen, um eine moderne Radiologie aufzubauen. „1992 kam das erste CT“, so Lasek, die alle Entwicklungsschritte von der Einschichten- bis zur Mehrschichtenaufnahme bis zur Spiral-Computer-Tomografie und zur Magnetresonanz-Tomografie intensiv begleitet. „Heute arbeiten wir mit 128 Schichten, als eine der ersten Einrichtungen in NRW.“ Begeistert berichtet sie von den Möglichkeiten des neuen CT, der die dreidimensionale Darstellung in Farben oder Schwarzweiß ermöglicht – vom Herz zum Beispiel. „Ohne Herzkatheter können wir die Koronargefäße darstellen, Verengungen beurteilen“, erklärt sie. Dabei arbeitet sie eng mit den Ärzten der anderen Abteilungen zusammen: „Wir halten die bildgebenden Methoden für die Untersuchungen vor und arbeiten gemeinsam im Austausch zum Wohl des Patienten.“ Diese Teamarbeit erstreckt sich seit 1993 auch auf die Krankenhaus übergreifende Tumor-Konferenz.

Inmitten der manchmal furchteinflößenden Apparate-Medizin in der Radiologie ist es Gudrun Lasek wichtig, den Patienten die Angst zu nehmen – in Vorgesprächen, beim Eingriff und beim Übermitteln der Ergebnisse. Das sei auch in der Radiologie möglich. „Es ist spannend, in diesem Fach detektivisch zu arbeiten, Therapie entscheidende Untersuchungen aus jedem Fachgebiet durchzuführen.“ Dies alles weiter zu vermitteln, ist auch ihr Anliegen als Lehrbeauftragte der Universität Bonn – das eigene Fachgebiet reflektieren und das Wissen an den Nachwuchs weitergeben.

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