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Schöffengericht in Bergisch Gladbach: Gericht verurteilt Bankräuberin

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Justitia steht für Gerechtigkeit. Foto: ddp
Zu einer Freiheitsstraße von drei Jahren ist eine 28-Jährige verurteilt worden, die mit einem Tuch verschleiert im April 2013 eine Bank in Bergisch Gladbach überfallen hatte. Insgesamt erbeutete die Frau aus Leverkusen 5105 Euro.  Von
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Während der gesamten Verhandlung zitterte sie am ganzen Körper, hielt den Kopf tief gesenkt, verdeckte mit den Händen das Gesicht und wurde immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt. Am 24. April hatte die 28-Jährige, verschleiert mit einem Tuch, die Filiale der Kreissparkasse in Bergisch Gladbach-Hand überfallen. Jetzt wurde die Leverkusenerin vom Schöffengericht in Bensberg wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Der Verteidiger will gegen das Urteil Berufung einlegen.

„Wir wollen Ihnen nichts Böses, aber Sie müssen sich für die Tat verantworten“, sagte die vorsitzende Richterin Birgit Brandes. Nur schwer war die Angeklagte zu verstehen, als sie leise, immer wieder stotternd und schluchzend, aussagte. Seit 1989 lebt die Deutschtürkin in Deutschland, arbeitete nach der Hauptschule für eine Burgerkette. Weil sie 2011 durch eine Operation bedingt länger krankgeschrieben war, wurde ihr Vertrag allerdings nicht verlängert. Seitdem lebt die 28-Jährige im Haushalt ihrer Eltern und bezieht inzwischen Hartz IV. Sie ist verlobt. Für dieses Jahr ist die Hochzeit mit dem Mann, der in der Türkei lebt, geplant. Als die Leverkusenerin Ende 2011 mit ihren Eltern umzog, lieh sie sich von ihrem Schwager 2000 Euro. Ihren Eltern erzählte sie nichts davon. „Es hat mich bedrückt, dass ich das Geld nicht zurückgeben konnte“, gab sie als Motiv für den Überfall an. „Jetzt ist alles noch viel schlimmer.“

Angestellte in Behandlung

„Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, die Sparkasse zu überfallen?“, wollte Brandes wissen. Bis zur Tat habe sie gedanklich 1000-mal eine Rückzieher gemacht. Dennoch kaufte sie in einem Ein-Euro-Shop eine schwarze Spielzeugpistole und besorgte sich ein schwarzes Kopftuch. Am Tattag fuhr sie mit dem Auto nach Schildgen und von dort aus mit dem Bus nach Hand. Auch die Bankangestellte rang vor ihrer Aussage um Fassung, bevor sie begann zu erzählen. „Eine verkleidete Dame kam zu mir an den Schalter, ich habe mich total erschrocken“, erinnerte sich die 48-Jährige. Die sei ja maskiert, habe sie zunächst gedacht, dann aber das Kopftuch dem Glauben der Kundin zugeordnet.

Die Frau sei an den Schalter gekommen und habe eine Überweisung gewollt. „Kurze Zeit später ist sie noch einmal gekommen, sagte, sie habe sich verschrieben.“ Dann verließ die Bankangestellte kurz den gesicherten Kassenraum. Als sie wieder zurückkehrte, gerade den Schlüssel ins Schloss steckte, sei die Angeklagte plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht und habe ihr eine Pistole von hinten an den Kopf gehalten. „Ich dachte: »Das träumst du jetzt, das kann doch nicht wahr sein«“, berichtete die Zeugin, die die körperliche Bedrohung als das Allerschlimmste empfand. „Schnell, schnell“ habe die Täterin gesagt und irgendwann: „Das reicht“.

„Ich bin unheimlich wütend, dass mein Leben von einem auf den anderen Tag so beeinträchtigt wurde“, sagte die Zeugin, die erzählte, seitdem manchmal schreckhaft zu reagieren. „Ich will nicht, dass mir jemand das Leben kaputt macht.“ Deshalb habe sie sich in psychologische Behandlung begeben. Auf die Idee, der Angeklagten das Geld nicht zu geben, sei sie nicht gekommen. „Uns wurde immer gesagt: »Geben Sie alles Geld heraus.«“ Ihre Kollegin hatte sich während des Überfalls im Nebenraum eingeschlossen, nachdem sie den Notruf ausgelöst hatte. „Die Angeklagte hat durch die eigene Tat selbst schwere Probleme und ist in therapeutischer Behandlung“, sagte der Verteidiger. Zudem sei sie durch die 14-tägige Untersuchungshaft schwer beeindruckt. Er beantragte, seine Mandantin wegen räuberischer Erpressung im minderschweren Fall zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe zu verurteilen. Dieser Argumentation wollte das Gericht nicht folgen. „Wir sehen, dass die Angeklagte die Tat ehrlich bereut, sie sitzt da wie ein Häufchen Elend“, sagte die Richterin. Aber das Motiv sei fragwürdig und die Tat nicht spontan erfolgt.

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