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Serie: Industriedenkmal: Gewagte Mischung von Stilelementen

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Das 1894 errichtete Sortiersaalgebäude fällt durch seine reich gegliederte Fassade auf. Foto: Roland U. Neumann
Aufgrund der steigenden Papiernachfrage Anfang des 20. Jahrhunderts ließ Zanders einen 80 Meter langen Neubau mit sieben Geschossen an das Sortiersaalgebäude errichten. Das Bauwerk imponiert noch heute.  Von 
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Aus den bescheidenen Anfängen zweier kleiner Mühlenbetriebe hatte sich im Zentrum von Bergisch Gladbach spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein expandierendes Industrieunternehmen entwickelt. Die Nachfrage nach Papier stieg rasant an und mit ihr die Notwendigkeit, die Produktionskapazitäten an der Gohrsmühle durch ein ausreichend großes Lager auszuweiten.

1911/12 ließ die Firma Zanders daher unmittelbar an das Sortiersaalgebäude einen 80 Meter langen Neubau mit sieben Geschossen errichten. Materialsparend, so Michael Werling, Professor für Architektur an der Fachhochschule Köln, wurden Alt- und Neubau miteinander verknüpft. "Um den Dachraum adäquat ausnutzen zu können, wurde ein Mansarddach aufgeschlagen und die Firstzone zusätzlich noch einmal ein Stück weit angehoben, um die Funktionsflächen, die unter dem Dach angesiedelt waren, ausreichend belüften zu können", so der Wissenschaftler. Diese dem Zweck des Gebäudes geschuldete Dachkonstruktion gab dem Bau das Aussehen, mit einem eigenwilligen Hut gekrönt zu sein.

In der formalen Gestaltung sei der Neubau sehr sachlich und reduziert erstellt worden in der Dimensionierung sei er jedoch spektakulär gewesen, meint Werling. Mit seinen sieben Geschossen und dem langgestreckten Baukörper ist das alte Lagerhaus selbst heute noch, in einer Zeit industrieller Monumentalbauten, imposant und lässt seine Wirkung auf die Menschen damals noch erahnen.

Der Architekt des Lagerhochhauses ist unbekannt. Werling hält es aber für möglich, dass der Berliner Architekt Paul Baumgarten die Pläne erstellte, der die unmittelbar angrenzende und mit zwei Brücken verbundene Kunstdruckpapierfabrik rund ein Jahr zuvor geplant hatte. Baumgarten war einer der renommiertesten Architekten seiner Zeit in Berlin, baute zunächst vornehmlich Villen und Herrenhäuser und galt später, in Zeiten des Nationalsozialismus, als Theaterarchitekt Adolf Hitlers.

Sicher hingegen ist, dass die Architektenpläne von dem Dortmunder Spezialbauunternehmer Franz Schlüter ausgeführt wurden. Auch Schlüter war nicht irgendein Bauunternehmer, sondern galt als einer der besten seines Faches. In Dortmund realisierte er, so Werling, unter anderem einen "prächtigen Sudhausneubau für die Dortmunder Hansa-Brauerei und 1929 das von dem Architekten Emil Pohle geplante Reinoldi-Haus", so Werling. "Dieser Bau besteht aus einem Stahlbetonskelett, das die Firma Schlüter in nur 56 Arbeitstagen erstellt hatte."

Anders als das allein durch seine Größe wirkende Lagerhochhaus, fällt das bereits 1894 errichtete Sortiersaalgebäude durch seine reich gegliederte Fassade auf. "Wir befinden uns - Erbauungszeit 1894/95 - ganz im sogenannten Eklektizistischen Historismus, also in jener Zeit, in der mehr oder weniger wahllos die Ornamente verwendet, beziehungsweise vermischt wurden", erklärt Werling. So findet sich auch am Sortiersaalgebäude, in dem Spezialpapiere hergestellt wurden, eine gewagte Mischung verschiedener Stilemelmente von Romanik bis Barock. Damit steht das Sortiersaalgebäude stellvertretend für das bauliche Konglomerat auf dem Areal des Papierunternehmens Zanders. Viele Architekten haben hier Spuren hinterlassen, vieles wurde verändert, überformt - und blieb doch oft neben Neuem erhalten. Dieses bauliche Erbe "auch als Zeugnis der Bergisch Gladbacher Stadt- und Industriegeschichte zu erhalten und einer geeigneten Um- beziehungsweise Neunutzung zuzuführen", sollte, so Werlings Wunsch, auch Anliegen der heutigen Geschäftsleitung sein.

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