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Verkehr: Der Waatsack soll verschoben werden

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Lieben die Atmosphäre des Fachwerks: Sakina Bentata und Djahangir Bahrami in ihrem mexikanischen Restaurant.  Foto: Roland U. Neumann
Eine Spezialfirma untersuchte den Wattsack an der Hauptstraße und gab grünes Licht: Es ist möglich, das Gebäude als Ganzes an die Stelle des leerstehenden Viktoria-Kinos zu verrücken. Allerdings ist unklar, wie das Projekt finanziert werden soll.  Von
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Ein Haus geht auf Reisen – ein Szenario, das für den Waatsack Realität werden könnte. Eine Spezialfirma , die das verschieferte Fachwerkhaus an der Ecke von Haupt- und Odenthaler Straße kürzlich unter die Lupe genommen hat, kommt zu dem Schluss: Es ist möglich, das Gebäude als Ganzes an die Stelle des leerstehenden Viktoria-Kinos zu verrücken. Ende des Monats soll eine Berechnung der Kosten vorliegen, kündigt Stadtsprecher Stefan Kunze an. Die Ergebnisse werden dem Verkehrsausschuss im April vorgelegt.

Der Ausbau der vielbefahrenen Kreuzung Haupt-/Odenthaler Straße wird seit vielen Jahren diskutiert. Die Verwaltung bevorzugt bei der Gestaltung die Verkehrsregelung mit einer Ampelanlage und den Bau einer Rechtsabbiegerspur für Fahrzeuge aus Richtung Herrenstrunden sowie einer Linksabbiegerspur für den aus Voiswinkel kommenden Verkehr. Doch dieser Lösung steht das alte Wirtshaus im Weg. Erst wenn das denkmalgeschützte Gebäude rund 50 Meter nordöstlich verschoben werden würde – dahin, wo das alte Filmtheater steht – wäre genug Platz da für die Anlage einer verbreiterten Kreuzung in T-Form.

Die Geschichte des Waatsacks

Erbaut wurde der Waatsack 1792, zu einer Zeit, als in Frankreich die Revolution stattfand. Wenige Monate später wurde im Haus eine Schankwirtschaft eröffnet. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass Kirchengängern der gegenüberliegenden Gnadenkirche die Möglichkeit zur Einkehr gegeben werden sollte, vermutet der Heimatforscher Hermann Josef Rodenbach in seiner Chronik über den Waatsack.

Über die Bedeutung des Namens „Waatsack“ gibt es viele Anekdoten. Eine davon lautet, beim Bau Hauses sei eine Karre mit Kalksäcken umgekippt. Als die Ladung die Straße heruntergerollt sei, habe ein Arbeiter gerufen: „Waat Sack!“. Rodenbach hält es jedoch für wahrscheinlicher, dass sich das Wort aus dem Mitteldeutschen ableitet lässt und eine Bodenerhöhung („Wuorde“) am Wasser („ack“) meint. (ub)

Finanzieren müsste die Stadt in diesem Fall nicht nur die Versetzung des Gebäudes mithilfe eines Spezialkrans, sondern auch den Erwerb der Grundstücke und Immobilien von Waatsack und Kino sowie den Abbruch des Filmtheaters, das Mitte Januar endgültig geschlossen wurde. An dem Verfahren und der Entscheidung für das Umsetzen müsste zudem das Rheinische Amt für Denkmalpflege beteiligt werden.
„Es wäre doch viel einfacher und kostengünstiger die Mauer um das Grundstück des Kulturhaus Zanders um ein paar Meter zu versetzen“, meinen Sakina Bentata (45) und Djahangir Bahrami (46), Betreiber des mexikanischen Restaurants „Taco Mex“ in dem Baudenkmal. Doch dieser Idee erteilt Wolfgang Zanders, Eigentümer des Kulturhauses, eine klare Absage: „Die Grundsteinmauer gehört zum denkmalgeschützten Gesamtkomplex und kann deshalb nicht versetzt werden.“
Auch aus Sicht der Stadtverwaltung ist dies keine zufriedenstellende Lösung. „Es ist das Ziel, die Situation der Verkehrsteilnehmer aus beiden Richtungen, auch die der Fahrradfahrer, zu verbessern.“ Der Flächengewinn durch das Einbeziehen eines Teils des Zanders-Parks sei zu gering: Nur die Linksabbiegerspur könne dann realisiert werden.

Der alte Waatsack steht einem Ausbau der Kreuzung Hauptstraße/Odenthaler Straße im Weg.
Der alte Waatsack steht einem Ausbau der Kreuzung Hauptstraße/Odenthaler Straße im Weg.
Foto: Roland U. Neumann

Der Mietvertrag von Sakina Bentata und Djahangir Bahrami läuft noch vier Jahre. „Unsere Existenz hängt da dran“, sagt Bahrami. Das Lokal wechseln, möchte das Paar nicht. Das besondere Flair würde verloren gehen. Das mexikanische Restaurant, vor 14 Jahren mit Erfolg eröffnet, ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet: Sombreros, mexikanische Teppiche und Fähnchen schmücken die alten Balken des Fachwerks. Skeptisch ist Bahrami aber auch, ob ein 200 Jahre altes Gebäude so einfach umgetopft werden könne, ohne dass es dabei kaputtgehe: „Da bleibt doch kein Balken auf dem anderen.“ Von seinen Gästen bekomme er viel Zuspruch. Viele seien mit dem Gebäude groß geworden und hofften, dass die Stadt ein Herz für dieses alte Gebäude zeige. Das wünschen sich die Restaurantbesitzer auch.

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