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Wohngemeinschaft: Eigene vier Wände trotz Handicap

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Baustelle für das neue Wohnprojekt Foto: Christopher Arlinghaus
Vor drei Jahren gründete der Elternverein Flügge in Refrath eine Wohngemeinschaft für Behinderte. Jetzt geht der Verein noch einen Schritt weiter. Am Langemarckweg entsteht ein neues Wohnhaus.  Von 
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Auf den ersten Blick könnte es eine ganz normale Wohngemeinschaft in einer Kleinstadt sein. Drei junge Frauen und ein junger Mann teilen sich die Räume in dem kleinen Haus mitten in Refrath. Doch schon der Treppenlift im Flur macht deutlich, dass hier vieles anders ist als in einer üblichen Studenten-WG.

Vor drei Jahren gründete der Elternverein Flügge hier eine Wohngemeinschaft für Behinderte. Ziel war es, den eigenen Kindern trotz der zum Teil erheblichen körperlichen und geistigen Einschränkungen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. „Wir hatten vorher jahrelang vergeblich nach einem geeigneten Heimplatz für unsere Tochter Sarah gesucht“, erklärte Karl-Heinz Witscher den Zusammenschluss der Eltern.

Wohngemeinschaft für Behinderte in Refrath: Sie leben hier selbstständig zusammen.
Wohngemeinschaft für Behinderte in Refrath: Sie leben hier selbstständig zusammen.
Foto: Privat

Jetzt geht der Verein noch einen Schritt weiter. Am Langemarckweg im Zentrum von Bergisch Gladbach entsteht ein neues Wohnhaus mit behindertengerechten Appartements und Gemeinschaftsräumen für die vier Refrather. „Damit wollen wir den Wunsch unserer Kinder nach mehr Privatsphäre erfüllen“, sagt Gabriele Zinzius. Denn die vier Rollstuhlfahrer sind inzwischen längst erwachsen, die jüngsten 24, die älteste 32 Jahre alt. Dementsprechend haben sich auch die Bedürfnisse verändert. War es vor drei Jahren noch ein großer Schritt, das Elternhaus zu verlassen und in einer WG zu leben, wünschen sich die Refrather jetzt eigene vier Wände.

Auf die gewohnten Mitbewohner müssen sie dennoch nicht verzichten, denn die Gruppe zieht geschlossen um und nutzt eine Küche und ein Wohnzimmer gemeinsam. „Es ist schon wichtig, dass sie als Gruppe umziehen, denn sie sind sehr zusammengewachsen“, so Zinzius.

Entsprechend groß ist die Vorfreude: Da werden schon Möbelkataloge gewälzt und Pläne gemacht“, sagt Ursula Erker, die für den reibungslosen Alltag in der Wohngruppe sorgt, in der rund um die Uhr Betreuer anwesend sind. Die Pläne für das neue Projekt entstanden gemeinsam mit dem Gladbacher Unternehmer Hendrik van Elst, der als Bauträger das Gebäude errichtet und die vier Appartements an die neuen Bewohner vermietet. Auch das alte Wohnhaus in Refrath wird nicht leer stehen: „Hier ziehen wieder vier junge Menschen mit Behinderung ein“, freut sich Gabriele Zinzius. Sie werden von „Flügge“ mitversorgt.

Die flügge gewordenen Vormieter können vermutlich Ende des Jahres die Umzugskisten packen. Dann sollen die neuen Wohnungen am Langemarckweg fertig sein. Und weil die im Erdgeschoss liegen, kann der Treppenlift getrost in Refrath bleiben.

www.fluegge-ev.org

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