Blankenheim
Nachrichten aus Blankenheim

Vorlesen
0 Kommentare

Blankenheimer Heiltumsbuch: Wertvolle Auflistung von Reliquien

Erstellt
Die Seite eins aus dem Blankenheimer Heiltumsbuch, das aus dem Jahr 1460 stammt. Foto: Privat
Im Mittelalter war Blankenheim als Wallfahrtsort weithin bekannt. Auch das Blankenheimer Heiltumsbuch stammt aus dieser Zeit. Die Historikerin Historikerin Monika Gussone hat das Büchlein jetzt ins Hochdeutsche übersetzt.  Von
Drucken per Mail
Blankenheim

Im Mittelalter war Blankenheim ein bekannter Wallfahrtsort, der eine ähnliche Bedeutung hatte wie etwa Aachen. Ein wichtiges Dokument aus dieser Zeit ist das Blankenheimer Heiltumsbuch, das um die Mitte des 15. Jahrhunderts geschrieben wurde.

Das Buch enthält einen genauen Ablaufplan für die Zeigung der in Blankenheim in der damaligen Zeit vorhandenen Reliquien.

Rund 500 Reliquienpartikel gesammelt

Die Historikerin Monika Gussone von der Universität Aachen übersetzte nun das Büchlein, das in der Bibliothek des Tschechischen Nationalmuseums in Prag aufbewahrt wird, ins Hochdeutsche. Sie stellte die Übersetzung in der Mitgliederversammlung des Fördervereins für das Eifelmuseum vor, der die Maßnahme zusammen mit einigen privaten Sponsoren finanziert hatte.
Im Mittelalter wurde ein Fürstengeschlecht auch danach beurteilt, wie viele Reliquien es vorzuzeigen hatte und damit die einfachen Leute beeindrucken konnte.

Das Grafenhaus in Blankenheim konnte rund 500 Reliquienpartikel sammeln, die zusammen mit dem Heiltumsbuch in der Schlosskapelle aufbewahrt wurden.

1460 verfasst

Das Heiltumsbuch ist ein schmales Heft, das zwölf Zentimeter breit und knapp 30 Zentimeter hoch ist. Die Handschrift wurde wahrscheinlich um 1460 verfasst. Denn eine wohl 1457 erbetene Reliquie des heiligen Hermann Joseph von Steinfeld erscheint bereits im Text.

Das Heiltumsbuch ist praktisch eine Regieanweisung für den Priester mit dem von ihm zu sprechenden Text.

Die Abschnitte beginnen mit der Auflistung der in jedem Gefäß enthaltenen Reliquien, zum Teil sind es sehr viele. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Textilien, Knochen, Haar, Brot, Flüssigkeiten, Holz von Kreuzen und Stäben sowie Stricke und Kordeln. In jedem Abschnitt wird auf die dazu gehörigen Bibelstellen verwiesen. Jeder Abschnitt endet mit einer Ermahnung der Gläubigen und der Aufforderung zum Gebet.

Dem Vorbild der Heiligen folgen

Die Reliquienschätze waren vor allem in Monstranzen untergebracht oder in Silber gefasst.

Acht Reliquien aus Stoff waren auf bunte Schmucktücher aus Seide aufgestickt. Von diesen Schmucktüchern existieren heutzutage noch sechs Exemplare, die in der Blankenheimer Pfarrkirche aufbewahrt werden. Von den übrigen Gefäßen ist lediglich noch die Büste des heiligen Georg vor Ort verblieben.

Mehr dazu

Am Schluss der Handschrift folgt zunächst eine Aufforderung an die Pilger, dem Vorbild der Heiligen zu folgen. Es schließen sich zahlreiche Fürbitten an, unter anderem für die Grafen von Manderscheid-Blankenheim, sowie ein allgemeines Schuldbekenntnis und eine weitere, abschließende Erinnerung an einzelne vorbildliche Taten der Heiligen und Märtyrer.

Die Wallfahrtszeremonie endet dann mit einem Segen. Unsicher ist, wie lange die Heiltumsfahrt in Blankenheim existiert hat. Durch weitere Forschungen lässt sich das vielleicht noch herausfinden.

Auch interessant
Abenteuer Haus
Serie
Haus Schröder

In unserer Serie "Abenteuer Haus - Freude, Frust, Skurriles" stellen wir interessante Häuser und deren Besitzer vor.

Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

FACEBOOK
Serie

Die Lokalredaktion besucht kleine Dörfer und Weiler und schaut, warum diese Ortschaften so l(i)ebenswert sind.

Meinungen
Kommentare

Die Redakteure und Mitarbeiter der Lokalredaktion äußern ihre persönliche Meinung zu Ereignissen im Kreis.

Kleinanzeigen