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Bundeskunsthalle: Irokesen-Ausstellung in Bonn eröffnet

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Die Ausstellung "Irokesen" ist vom 22. März bis zum 4. August in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen. Foto: dpa
Die Bonner Bundeskunsthalle befindet sich „Auf den Spuren der Irokesen“. Eine Ausstellung über die Ureinwohner Amerikas soll Aufklärung und Wiedergutmachung leisten. Es ist die erste große Gesamtshow über das indigene Volk.  Von
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Kleine Handlungen können manchmal große Wirkung haben: In Akwesasne, einem Indianerreservat südwestlich von Montreal, entschied sich die Gemeinschaft der Mohawk, ihr neues Pflegeheim direkt neben die Kindertagesstätte zu bauen. „Wenn dort viele ein hohes Lebensalter erreichen“, erzählt Mohawk Scott Manning Stevens, „so schreibe ich das auch dieser Maßnahme zu.“ Denn die Kinder „adoptieren“ jeweils eine ältere Person und besuchen sie regelmäßig. Die Alten lehren sie nicht nur ihre indigene Sprache, sie erzählen ihnen auch aus der wechselvollen Geschichte der Haudenosaunnee, der „Leute des Langhauses“.

Das einzige irokesische Langhaus auf dem europäischen Kontinent – 20 Meter lang und sechs Meter hoch – hat sich nun die Bonner Bundeskunst- und Ausstellungshalle auf ihren Vorplatz gebaut, umgeben von dem Friedensbaum (weiße Kiefer) und einem Beet mit Heil- und Ritualpflanzen. In solch stattlichen, rindengedeckten Holzhäusern lebten einst mehrere Familien, Alte wie Junge, Jäger, Sammler, Krieger, die sich alle der ältesten, ranghöchsten Frau unterordneten. Denn im Haus herrschte das Matriarchat. Nur draußen im Waldland hatte der Mann das Sagen.

Drei Jahre nach der Ausstellung „James Cook und die Entdeckung der Südsee“ setzt die Bundeskunsthalle ihre Reihe ethnografisch-historischer Ausstellungen nun in den Wäldern Nordostamerikas fort. Anhand von 500 einzigartigen Exponaten folgt der Besucher „den Spuren der Irokesen“ – einem Lehrpfad in Vergangenheit und Gegenwart einer Kultur, die man durch die Lektüre des „Lederstrumpf“ zu kennen glaubt. Dabei ist der „Irokese“ des James Fenimore Cooper der notorisch heimtückische, grausame Wilde, der Gegenspieler des letzten „edlen“ Mohikaners. Irokese (Klapperschlange) ist ein Titel, den die Kolonisten von den Feinden der Haudenosaunnee übernahmen.

Die Bonner Ausstellung leistet da Wiedergutmachung und Aufklärung. Neben kunsthandwerklichen Arbeiten aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert (erlesene Textilien, Flecht- und Schnitzarbeiten, Schmuck, Waffen, Alltagsgegenstände) erfährt der Besucher von indianischen Ursprungsmythen, spirituellen Vorstellungen, Kulten und Spielen, von ihrer sozialen Ordnung und von politischen Führern wie dem britentreuen Mohawk Joseph Brant oder seinem Gegenspieler, dem Kriegshäuptling Cornplanter; von der Rolle der Irokesen in den Kolonial- und Unabhängigkeitskriegen.

Unter dem Druck der Franzosen, Briten und amerikanischen Unabhängigkeitstruppen zerriss die Irokesen-Konföderation von ursprünglich fünf Indianernationen: den Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga und Seneca. Die Liga hatte immerhin in über 100 Jahren für Frieden unter den Stämmen gesorgt. Die europäischen Kriegsparteien machten ihren indianischen Alliierten Versprechungen, die sie nie einlösten.
Die Ausstellung erzählt auch von indianischer Gegenwart: vom Kampf um souveräne Rechte und vom Alltag in den Reservaten. Das wird hervorragend in ihrer Gegenwartskunst reflektiert, etwa die Bedeutung der Irokesen beim Wolkenkratzerbau, für die internationale Frauen- und Naturschutzbewegung oder ihre Darstellung in Hollywood-Filmen. Aber es geht auch um die Folgen des Wohlstands aufgrund des Betreibens von Spielkasinos.
Heute leben etwa 120000 Irokesen in 16 Reservaten im kanadischen Ontario und Quebec sowie im US-Staat New York. Der zur Eröffnung angereiste Thomas Hill, irokesischer Künstler und ehemals Leiter eines indianischen Kulturzentrums, staunt über das, was aus rund 70 Museen und Sammlungen zusammengetragen wurde: „Das ist die erste große Gesamtschau, die es je gegeben hat. Ich wünsche mir sehr, dass wir sie auch einmal bei uns zeigen können.“ – Eine verdienstvolle Ausstellung für junge wie ältere Indianer-Freunde.

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