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Grabungen: Spuren deuten auf älteste Brauerei

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Die Ausgrabungen an der Adenauer-Allee 206 brachten erstaunliche Funde. Foto: Volker Lannert
Archäologen des Landschaftsverbands arbeiten an der Adenauerallee, wo eine römische Hauptstraße verlief, und haben bei ihren Grabungen einen historischen Heizkanal gefunden. Es könnte sich um die älteste Brauerei Bonns handeln.
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Mehr als 100 Amphoren brauchten selbst trinkfreudige Römer nicht für den Privathaushalt. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass die Archäologen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) bei ihren Grabungen an der Adenauerallee 206 auf eine Brauerei gestoßen sind. Es wäre wohl die älteste von Bonn. Diverse tiefe Brunnen, Mühlsteine und eine Darre, in der Getreide geröstet werden konnten, erhärten diese Vermutung.
„Es ist wie immer in der Archäologie: Wir waren nicht dabei, es ist eine Theorie“, sagte Grabungsleiterin Jennifer Morscheiser gestern bei einem Pressetermin auf dem Gelände, das nicht öffentlich zugänglich ist. Die bei den Grabungen freigelegten Treppen führen direkt in die Römerzeit, in zwei gut erhaltene Keller, die wohl 1700 Jahre niemand betreten hat. Man kann Fensteröffnungen und Wandputz erkennen. In einer mit Ziegelplatten eingefassten Nische stand vermutlich eine Öllampe. So war genug Licht, um das Kellerregal einzuräumen, dessen Füße sich sichtbar in den Boden gedrückt haben.

Frostig: Stefanie Baumgarten sitzt im freigelegten Keller und zeichnet die Funde (links). Ungewöhnlich: Bei diesem Fund könnten es sich um einen kleinen Hausaltar handeln.
Frostig: Stefanie Baumgarten sitzt im freigelegten Keller und zeichnet die Funde (links). Ungewöhnlich: Bei diesem Fund könnten es sich um einen kleinen Hausaltar handeln.
Foto: Volker Lannert

Die römische Hauptstraße verlief genau da, wo heute der Verkehr über die Adenauerallee fließt. Sie war gesäumt von schmalen Handwerkerhäusern, sogenannten Streifenhäusern. „Was uns leider fehlt, ist das Haupthaus“, sagte die Grabungsleiterin. Der Laden lag zur Straße hin, dahinter Werkstatt und Wohnbereich. Bürgersteige und Parkbuchten gab es noch nicht. Sie überdecken heute den vorderen Teil der Häuser, so dass die Archäologen nur den hinteren Teil sowie die Höfe mit Gruben und Brunnen untersuchen konnten. Sie fanden zum Beispiel den Heizkanal einer Fußbodenheizung. „Auch hier im Handwerkerbezirk gab es schon Wohnluxus“, schließt Morscheiser.
„Wir sind sehr froh, wenn ein Investor als freiwillige Leistung die Grabungen unterstützt“, sagte Professor Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland. „Natürlich auch, damit wir möglichst schnell durchkommen.“ Zwei Urteile des Oberverwaltungsgerichts Münster hätten die Ausgangsbedingungen für die Bodendenkmalpflege grundsätzlich verändert, erläuterte er. Im NRW-Gesetz fehlt nämlich das Verursacherprinzip. Nach aktueller Rechtsprechung muss der Landschaftsverband die Kosten für die Grabungen jetzt alleine tragen.

Bonn und die Römer

In der Stadt gab es ein römisches Legionslager (castra bonnensia) und eine zivile römische Siedlung (vicus), die im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus ihre Blütezeit hatten.
Die Grabungen im ehemaligen Regierungsviertel, auf dem Gelände des WCCB-Neubaus, haben zutage gefördert, dass es seinerzeit mehr städtisches Leben in Bonn gab, als früher angenommen. Es wurden nicht nur etliche Handwerkerhäuser, sondern auch Therme und Tempel ausgegraben. Spuren der Römer findet man nicht nur im Landesmuseum und im Stadtmuseum.
Das Haus der Geschichte zeigt einen Römerkeller, unter dem Collegium Albertinum an der Adenauerallee ist eine römische Badeanlage für Besucher zugänglich. (koe)

Statt bisher vier Millionen Euro wären das rund 20 Millionen Euro. „Ich habe das Gefühl, dass man die Dramatik beim Gesetzgeber noch nicht erkannt hat“, sagte Kunow. Weil der Investor an der Adenauerallee freiwillig zahlt, konnten die Rettungsgrabungen schnell beginnen. Das Grabungsfeld war vorher Parkplatz einer Autovermietung. Seit Juli haben die Archäologen hier rund 200 große Fundkisten gefüllt.
Inzwischen ist der Boden knüppelhart gefroren. Stefanie Baumgarten hatte gestern den frostigsten Arbeitsplatz. Sie saß mit Block und Stiften im freigelegten Keller und zeichnete die Funde auf. Denn sie sind bald genauso Geschichte wie das römische Bonn. Wenn die Arbeiten in dieser Woche abgeschlossen sind, darf das Grundstück bebaut werden. Die Reste der Keller können wohl nicht erhalten werden, weil sie laut Kunow im Bereich der geplanten Tiefgarageneinfahrt liegen. (koe)

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