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Landgericht Bonn: Helferrolle bewahrt Mann vor Haft

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Ein Mitglied der Black Jackets muss sich vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Foto: dpa
Zunächst war die Anklage davon ausgegangen, dass ein 22-Jähriger einer der maskierten und bewaffneten Räuber war, die einen Postshop in Wachtberg überfallen hatten. Im Prozess stellte sich heraus, dass er nur eine Helferrolle hatte.  Von
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Seine „pfiffige Einlassung“, so der Vorsitzende Richter, hat einen 22 Jahre alten Bonner vor einer entschieden längeren Haftstrafe bewahrt. Vom Landgericht wurde der junge Mann, der zur Straßengang „Black Jackets“ gehören soll, jetzt „nur“ wegen Beihilfe zu einem bewaffneten Überfall auf ein Lottogeschäft mit Postshop in Wachtberg verurteilt. Das Gericht bildete gemeinsam mit einer Vorstrafe eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Die Anklage war zunächst davon ausgegangen, dass der 22-Jährige, der sich laut Urteil bereits seit längerem in einem „gefährlichen Bereich“ bewegt, einer der beiden maskierten und bewaffneten Räuber war, die das Geschäft am Morgen des 30. Dezember 2009 überfallen hatten. Die Beute: 40 000 Euro und Briefmarken im Wert von 4500 Euro.

Dies stritt der junge Mann im Prozess jedoch ab. Er gab hingegen zu, dass er eine Helferrolle übernommen habe: Seinen Angaben zufolge hatte er in der Nähe des Postshops gewartet. Auf dem Weg zu ihrem Fluchtwagen sollen die beiden Täter die Beute durch das geöffnete Rückfenster in das Auto des damals 18-Jährigen geworfen haben.

Später habe man sich an einem Schnellrestaurant getroffen. Von der Beute will der junge Vater, der mit seiner Freundin ein wenige Monate altes Kind hat, 10 000 Euro und Briefmarken abbekommen haben. Der Kammervorsitzende äußerte zwar seine Bedenken, ob diese Angaben des 22-Jährigen so stimmen. Das Gericht könne dem Angeklagten aber nicht nachweisen, „dass es anders war“.

Staatsanwaltschaft und Polizei versuchen nun, die Haupttäter zu identifizieren. Konkrete Namen hat der 22-Jährige zwar nicht gesagt, es gibt jedoch anscheinend einige neue Hinweise. Die beiden überfallenen Frauen leiden bis heute unter den Folgen der Tat. Das Geschäft musste sogar aufgegeben werden. Zudem musste die Betreiberin einen Kredit über 25 000 Euro aufnehmen, um den Schaden ersetzen zu können.

Es war wohl die Unordentlichkeit des Angeklagten, die ihn zum Verhängnis wurde: Kurz nach dem Überfall hatte ein Bekannter im nicht aufgeräumten Auto des 22-jährigen etliche Briefmarken und etwa 100 Euro gesehen. Als er den Angeklagten darauf ansprach, gab dieser zu, an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein.

Erst die Aussage dieses Bekannten, bei dem es sich um den bereits verurteilten Kopf der so genannten Reifenklaubande handelt, hatte zum Ermittlungserfolg geführt. In seinem eigenen Prozess hatte der Bekannte den 22-Jährigen schwer belastet. Bereits in wenigen Tagen wird der jetzt Verurteilte erneut auf der Anklagebank Platz nehmen müssen. Dann muss er sich für seine mutmaßliche Beteiligung an der Reifenklaubande verantworten.

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