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Sportanlage: Golfen wie die schottischen Schäfer

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Im Winter weichen die Spieler auf besondere Wintergrüns aus, damit sich die Rasenfläche bis zum Frühjahr erholen kann.  Foto: Michael Schulz
Auch im Winter kann man auf der Golfanlage Römerhof oberhalb von Bornheim-Brenig seine Bälle ins Loch schlagen. In der kalten Jahreszeit ist alles aber eine Spur karger und abseitiger - selbst die Löcher liegen dann manchmal woanders.  Von 
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Bornheim-Brenig

Der Himmel hängt tief über Brenig. Es sind zwar nur etwa hundert Meter Höhenunterschied vom Rheintal den Vorgebirgshang hinauf, trotzdem scheint es, als rücke die Wolkendecke näher. Auf dem Plateau über dem Ort gibt es einen Golfplatz, den Römerhof. Trotz des schmuddeligen Wetters wird hier auch im Winter Golf gespielt. Zwischen kahlen Bäumen unter dunklen Wolken gehen hier und da Menschen über die grüne Wiese hinter dem Backsteingutshaus, in dem das Clubhaus untergebracht ist. An Tiger Woods und Golfplätze unter Palmen mag man bei dem Anblick nicht denken, es sieht eher aus, als sei man in die Frühzeit des Golf versetzt worden, als im schottischen Hochland einige Schäfer begonnen haben, Bälle mit Stöcken durch die Landschaft zu schlagen.

In der kalten Jahreszeit herrscht auf der Golfanlage eine ganz eigene Atmosphäre. Nebem dem Regen hinterlassen auch die Wildschweine aus dem benachbarten Wald ihre Spuren.
In der kalten Jahreszeit herrscht auf der Golfanlage eine ganz eigene Atmosphäre. Nebem dem Regen hinterlassen auch die Wildschweine aus dem benachbarten Wald ihre Spuren.
Foto: Michael Schulz

Einfach nur Spaß haben

Im Winter werden keine Turniere gespielt, was heißt, dass Golfer ihr Handicap nicht verbessern können, erläutert Inhaber Thomas von Kempis. Etwa 50 von 700 Clubmitgliedern kommen trotzdem auch außerhalb der Saison. „Dann geht es eher darum, einfach nur ein bisschen Spaß zu haben und natürlich auch, nichts zu verlernen.“ Er deutet auf eine Gruppe am Ende des Platzes: „Unsere Herrenrunde trifft sich einmal in der Woche. Jetzt im Winter gehen manche allerdings nur mit einem einzigen Schläger auf den Platz.“ Da sind sie wieder, die schottischen Schäfer. Durch die Jahreszeit ist der Spielbetrieb nur eingeschränkt möglich. Um die „Grüns“, die extrem kurz geschnittenen Rasenflächen direkt am Loch, zu schützen, muss auf besondere Wintergrüns ausgewichen werden. Das heißt letzten Endes nur, dass das Loch neben das Grün versetzt wurde. Aber hier ist der Boden viel unebener, der Rasen ist nicht so glatt wie auf dem richtigen Grün. Ein ernsthaftes Spiel um Punkte wäre hier kaum möglich. „Die Spieler haben aber Verständnis, dass sich das Grün auch mal erholen muss“, sagt Kempis. „Viele lochen auch gar nicht mehr ein, sondern spielen nur in die Nähe der Markierung.“

Regeln fürs Handicap

Golfspieler werden daran gemessen, wie viele Schläge sie auf einem Platz brauchen, um den Ball in alle 18 Löcher zu bringen. Je weniger, desto besser. Als Richtwert gelten 72 Schläge, was aber Profiniveau ist. Um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, gibt es das so genannte Handicap. Das ist ein Bonus für den Anfänger, als würde er eine bestimmte Anzahl Schläge Vorsprung bekommen. Spielt jemand mit Handicap 34 gegen jemand mit Handicap 54, so dürfte letzterer zwanzig Schläge mehr machen. In der Abschlusswertung wären beide trotzdem gleich platziert. Golfspieler versuchen, weniger Schläge zu benötigen, als sie laut ihrem Handicap bräuchten. Unterbietet der Spieler sein Handicap, wird es heruntergesetzt. Je näher die jeweiligen Spieler der Null kommen, desto schwieriger wird das. Golfplätze sind je nach Anlage ebenfalls leichter oder schwerer zu bespielen. Darum gibt es auch hier Modifikatoren, die das Handicap entweder herauf- oder heruntersetzen.

Brigitte Schneider spielt gerade auf ein Wintergrün zu. Sie ist allein. „Es ist einfach schön, zu golfen, auch wenn im Winter nicht so viel los ist.“ Für sie ist eine Runde Golf aber nicht nur Vergnügen. Brigitte Schneider ist die Chefgärtnerin des Golfplatzes, und auch im Winter gibt es für sie viel zu tun. Beim Golf kann sie entspannen und inspiziert zugleich den Zustand der Anlage. Zwar ist die Belastung für die Rasenflächen nicht so hoch wie im Sommer, doch der nasse Rasen leidet dennoch. „Außerdem gibt es ja noch die Wildschweine“, sagt Kempis. Die Schweine schleichen sich auf der Suche nach Nahrung auf das Gelände und wühlen die Rasenflächen auf. „Im Sommer passiert so etwas nicht. Im Winter ist hier aber nicht genug los, um die Tiere zu verscheuchen.“

Computerspiel für Golfer

Im Clubhaus gibt es einen Bereich, der zum Üben genutzt werden könnte. In einem großen Raum sind Hügel aufgebaut, bedeckt von Kunstrasen. Für weite Schläge ist der Raum zu klein, aber das filigrane Einlochen könnte man hier üben. „Der Raum wird aber kaum dafür genutzt. Dann schon eher dieses Gerät hier.“ Kempis zieht einen Vorhang von einem elektronischen Gerät, das die Ausmaße eines Kleinbusses hat. Es ist „Smart Golf“, eine Art Computerspiel für Golfer. Hier kann man einen Ball auf eine Leinwand zuschlagen, Richtung und Geschwindigkeit werden von Lichtschranken gemessen. „Man kann hier die berühmtesten Golfplätze der Welt spielen“, sagt Kempis. „Für viele ist das nichts, aber unsere Jugend mag das Ding gern.“ Im Augenblick steht „Smart Golf“ aber verloren da, wie ein überdimensioniertes, vergessenes Weihnachtsgeschenk. Eine Tür weiter hält Kater Mohrchen Wacht. Er sorgt dafür, dass sich in dem Raum mit den Spinden voller Golfschläger keine Mäuse einnisten.

Vieles scheint zu warten, dass es wieder richtig los geht, aber die Anlage entwickelt im Winter einen ganz eigenen, rauen Charme. Nichts erinnert an die Stereotype, die man mit Golf in Verbindung bringt. Im Winter auf der Breniger Höhe geht es urtümlicher, abseitiger zu. Und pragmatischer, wie Brigitte Schneider auf den Punkt bringt: „Die Leute machen doch auch Winterspaziergänge und das hier ist wie ein Spaziergang, nur ist noch ein tolles Spiel dabei.“

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