29.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Braunes Gold in Lechenich
03. April 2007
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Braunes Gold in Lechenich

Bild: Wilkens

Ulrich Dethlefs ist Architekt und hat zur Liebe nach Kaffee seinen Beruf an den Nagel gehängt.

Erftstadt-Lechenich - Es ist wie eine Droge. Wenn Ulrich Dethlefs den Duft von frisch gemahlenem Kaffee einatmet, muss er sofort selbst einen Espresso trinken. „Ich warte nur noch auf ein Kaffee-Parfüm“, sagt der 39-Jährige und lacht. Vor fünf Jahren hat der Architekt sein Ingenieurbüro aufgegeben, um sich ganz seiner Liebe zur Kaffeebohne zu widmen, und eröffnete dann 2005 das Café „Kaffee-Mühle“ in Lechenich. Jetzt will Dethlefs nicht mehr die fertig gerösteten Bohnen kommen lassen, sondern in seinem Café selbst rösten, um die Qualität des koffeinhaltigen Getränks zu beeinflussen. Die Genehmigung für die eigene Rösterei habe er bereits von der Stadt erhalten. In dieser Woche soll die Röstmaschine aufgestellt werden. Dethlefs plant eine „gläserne Produktion“. Die Kunden sollen direkt neben dem Röster sitzen und zusehen können, wie die Bohnen darin knacken, knistern und schließlich aus der Maschine prasseln. Die Qualität der Fertigröstung schwanke ihm zu sehr, sagt Dethlefs. „Mal ist der Kaffee gut, mal ist er schlecht. Es testet ihn keiner.“ Hier bei ihm im Café könne er selbst prüfen, ob die Röstung gelungen sei. Die Bohnen will er über Hamburg und London einkaufen und sich auf die Sorten, die in den Top 20 stehen, konzentrieren. „Beim Rohkaffee ist es wie beim Wein. Je nach Ernte kann die Qualität variieren.“ Zurzeit setzten auch die Röster auf den Rohkaffee aus Guatemala und auf den „Transfair“-Kaffee aus Peru. Transfair will Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika fördern und ihre Lebensbedingungen verbessern.

Mit zwölf Jahren besaß Dethlefs, der in Hürth aufgewachsen ist und seit drei Jahren in Erftstadt wohnt, seine erste Kaffeepflanze. Während andere sich einen Urlaub gönnten, hat der Liebhaber des heißen Getränks seine Kaffeepflanzen gepflegt. Später hat er mehrere Röstseminare belegt, sein Können an Leihröstmaschinen ausprobiert und sich entschieden, sein Hobby zum Beruf zu machen.

Großstädte wie etwa Köln hat der Trend der kleineren Röstereien bereits erfasst. Rund 60 deutsche Röstereien sind beim Deutschen Kaffeeverband registriert. Der Verband

LEUTE AN

RHEIN UND ERFT

hat allerdings nicht alle Röstereien aus ganz Deutschland aufgenommen, da die Betreiber aus freien Stücken Mitglied werden und größtenteils mit dem Kaffee handeln und ihn nicht ausschenken. Im Rhein-Erft-Kreis gibt es offenbar keine Rösterszene. Weder beim Deutschen Kaffeeverband noch bei der Verwaltung des Rhein-Erft-Kreises sind Röstereien registriert.

Neben dem frisch gerösteten Kaffee will Dethlefs auch Schokolade, hergestellt nach eigenem Rezept, anbieten. Diese braune Masse lässt er produzieren. Vier Sorten will er anbieten. Das Rezept verrät er nicht. Nur so viel steht fest: Mindestens 70 Prozent Kakaomasse soll sie enthalten und etwa mit Pfeffer und Chili aromatisiert werden.


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