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Max-Ernst-Stipendium: Ölfarbe und Mettbrötchen

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Die Jury um Dr. Arta Valstar-Verhoff und Dieter Gerhards entschied sich in diesem Jahr für die junge Künstlerin Louisa Clement. Foto: Hustedt
Louisa Clement hat sich gegen 77 Konkurrenten durchgesetzt und das begehrte Max-Ernst-Stipendium erhalten. Mit ihren Werken überzeugte Clement letztlich alle Juroren.  Von
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In langen Reihen stehen großformatige Ölbilder an den Wänden im Erdgeschoss des Brühler Rathauses, in einem Seitenflur hängt ein rollbratenähnliches Keramikgebilde tropfend über einer alten Badewanne, und im Kapitelsaal steht ein Tischchen mit Geld und Pralinen neben drei bemalten Gasmasken, in deren Augenhöhlen Videobilder flackern. Die Werke gehören den Bewerbern um das Max-Ernst-Stipendium der Stadt Brühl und der Max-Ernst-Gesellschaft.

Den gesamten Donnerstag tagte die neunköpfige Jury, um aus den 78 Teilnehmern den Preisträger zu ermitteln. „Es war schon eine eigentümliche Geruchsmischung aus Ölfarbe und Mettbrötchen hier in den Räumen“, scherzte Dr. Dieter Gerhards, Vorsitzender der Max-Ernst-Gesellschaft, am Freitag bei der Bekanntgabe des Jury-Votums. In mehreren Auswahlrunden bewerteten die Bonner Kunsthistorikerin Dr. Arta Valstar-Verhoff, Dieter Gerhards, der Kölner Bildhauer Lutz Fritsch, der Medienwissenschafts-Professor Jürgen Kauke und eine Brühler Bürgerin Talent, Kreativität und Technik der jungen Künstler aus ganz Deutschland. Das mit 5000 Euro dotierte 43. Max-Ernst-Stipendium erhält Louisa Clement.

Die 1987 geborene, in Bonn lebende Künstlerin schloss im Jahr 2010 ihr Studium der freien Kunst an der Akademie für bildende Künste in der Klasse von Professorin Leni Hoffmann ab. Derzeit setzt Clement an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Andreas Gursky, einem der erfolgreichsten zeitgenössischen Fotografen, ihr Studium fort. Und so sind es auch entfremdete und bearbeitete Fotografien, die sie bei der Brühler Jury einreichte. Details aus Zugabteilen, Sitzbänke und andere Alltagsgegenstände nutzt die Künstlerin, um Bilder voller Subtilität, Melancholie und Feinheit zu schaffen. Entsprechend urteilt die Jury: „In den Fotografien von Louisa Clement wird im Zuge subtiler Arbeitsprozesse eine eigene Dingmagie beschworen. In melancholischer Sichtweise richtet sie den Blick auf scheinbar nebensächliche Motive des Alltags. Es entstehen ausschnitthafte Einblicke in menschenleere Räume von strenger Komposition und reduzierter Farbprägung. Die Faszination der Arbeiten ergibt sich aus der Gratwanderung zwischen malerischer Wirkung und fotografischem Prozess.“

Große Spanne

Mit ihren Werken überzeugte Clement letztlich alle Juroren. „Wie in den Jahren zuvor gab es auch diesmal eine große Spanne der Qualität. Es waren einige sehr gute junge Talente dabei. Aber am Ende gab es doch eine komfortable Abstimmung für Louisa Clement“, erklärte Valstar-Verhoff, die ansonsten nichts über die Entscheidungsfindung verraten wollte. Die Bewertung fand ausschließlich hinter verschlossenen Türen statt.

Die offizielle Verleihung des Max-Ernst-Stipendiums findet am 2. April im Dorothea-Tanning-Saal des Max-Ernst-Museums in Brühl statt. Ab dann und bis zum 14. April ist in dem Museum auch eine Ausstellung der Preisträgerin zu sehen. Bereits an diesem Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr, können sich Kunstfreunde im Rathaus einen Überblick über die Werke des diesjährigen Wettbewerbs verschaffen.

Vorausblickend auf das Stipendium 2014 verriet Gerhards schon einmal, dass die Max-Ernst-Gesellschaft, die 50 Prozent des Preises stiftet, ihren Anteil von 2500 auf 5000 Euro verdoppelt. „Wir hoffen, dass die Stadt mitzieht, sodass wir zukünftig das Stipendium mit 10000 Euro dotieren können“, erklärte Gerhards. „Das wäre dann schon eine Hausnummer“, so Valstar-Verhoff. Damit könne sich Brühl im Reigen der Kunstpreise sehen lassen.

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