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Prozess: Angeklagter fühlte sich verfolgt

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Mit diesem Bild wurde nach dem Räuber gesucht. Foto: Polizei
Einem Brühler wird vorgeworfen, im Dezember 2011 eine Tankstelle an der Römerstraße überfallen zu haben. Vor Gericht hat er nun die Tat gestanden. Der Mann wurde erst Monate nach dem Überfall in Portugal festgenommen.  Von
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Köln/Brühl

Der Angeklagte holte tief Luft, rollte die Augen und schüttelte gleichzeitig den Kopf, als er vor dem Landgericht Köln aussagte: „Es stimmt. Ich habe die Tat begangen.“ Damit gab er zu, am 29. Dezember 2011 die Shell-Tankstelle an der Römerstraße in Brühl überfallen zu haben.

Laut Anklage soll der Mann zunächst mit einem Fahrrad zu der Tankstelle gekommen sein, um neue Luft in den Hinterreifen zu pumpen. Dann ist er weggefahren und kurze Zeit später wiedergekehrt. Er ging in den Verkaufsraum der Tankstelle, hielt der Tankstellenangestellten einen silbernen Revolver vor das Gesicht und verlangte das Geld aus der Kasse. Anschließend ist der Pferdewirt in Ausbildung mit dem Fahrrad in Richtung Vochem gefahren. Soweit die Anklage. Erst Monate später, am 27. Juli 2012, konnte der gebürtige Brühler festgenommen werden. Er hatte sich in Portugal der Polizei gestellt.

Die Gründe für die Straftat beschrieb der Angeklagte mit dramatischer Stimme: „Meine Klamotten waren gerissen, ich hatte Hunger, mir war kalt. Ich wollte aber niemandem wehtun.“ Es seien familiäre Streitigkeiten gewesen, die ihn in eine schlimme Lebenslage gebracht und somit zu der Tat getrieben hätten, klagte er.

Der Angeklagte war von Wesseling-Berzdorf nach Mönchengladbach zu seinem Vater und dessen neuer Lebensgefährtin gezogen. Dort hatte er eine Lehre als Pferdewirt begonnen. Doch diese habe er er einige Wochen vor der Tat abbrechen müssen, sagte er vor Gericht aus, weil seine Mutter und deren Lebensgefährte ihn systematisch verfolgt und terrorisiert hätten. Es hätte Drohungen gegeben, sein Bruder sei von dem Lebensgefährten der Mutter verprügelt worden. Und: „Es war immer ein und dasselbe Auto, das hinter mir her gefahren ist“, sagte der fast 30-Jährige. „Ich wurde verfolgt. Das habe ich nicht mehr ausgehalten.“ Um sich zu schützen habe er sich von einem Bekannten einen silbernen Schreckschussrevolver besorgt. Dann sei er abgetaucht. „Niemand sollte wissen, wo ich bin. Es war für alle besser so“, sagte der Mann. Er verlor seine Wohnung, dann kam er bei seinem Vater und seiner Stiefmutter unter. Aber die Familie habe dann ebenfalls Drohungen erhalten. „Deshalb konnte ich dort nicht mehr hin,“ erklärte der Angeklagte.

„Nicht geplant“

In seiner Not sei er am 29. Dezember nach Brühl gefahren, weil er hoffte, dort bei seiner Großmutter unterkommen zu können. Doch die habe ihn weggeschickt. Er habe sich ein Fahrrad geschnappt und sein planlos durch die Gegend gefahren. Bis er an der Tankstelle vorbeikam. Der Überfall sei nicht geplant gewesen, beteuerte er. „Ich wollte mir nur Zigaretten kaufen. Als sich die Kassiererin umdrehte, habe ich die Waffe aus der Jackentasche geholt.“ Mit den 585 Euro Beute setzte er sich auf Fahrrad und flüchtete, schlug sich bis zum Kaiserbahnhof durch und fuhr zu einer Bekannten nach Weilerswist.

Dann machte er mehrere Stationen – in einem Kölner Hotel, bei der Mutter einer Freundin, als Obdachloser im Freien – bis er einem Arbeitsangebot nach Portugal folgte. Während in Brühl und Umgebung sein Fahndungsbild veröffentlicht wurde, ritt er auf einem portugiesischen Hof Pferde ein und gab Reitunterricht. Monate später stellte sich der Brühler dort der Polizei. „Ich wollte mich eigentlich von Anfang an stellen“, beteuerte er.

Die Verhandlung wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt.

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