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Prozess: Schuldner zum Schein hingerichtet

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Symbolbild Foto: dpa
Weil zwei Männer ihre Schulden bei einem Drogenhändler nicht begleichen konnten, hat ein 24-jährige Angeklagter mittels Scheinhinrichtung versucht, seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Die Männer überlebten die Tat nur knapp.  Von
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Köln/Brühl

Mit Todesangst standen zwei Männer in einem Brühler Wald. Nacheinander wurden sie an einem Baum beinahe erhängt. Sollten sie sich widersetzen, würden sie unter Heroin gesetzt und auf dem Straßenstrich verkauft, wurde ihnen gedroht.

Sie hatten Schulden bei ihrem Drogenhändler nicht beglichen, die Scheinhinrichtung sollte sie dazu bringen, das Geld aufzutreiben.

Jedes noch so kleine Detail der Strangulation wurde am gestrigen Verhandlungstag am Kölner Landgericht erörtert. Dort muss sich zur Zeit der mutmaßliche Täter wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die ganze Geschichte der Scheinhinrichtung erzählte eines der mutmaßlichen Opfer gestern vor der dritten Großen Strafkammer. Sie klingt grausam: An einem Abend im März 2012 habe der 24-jährige Angeklagte zusammen mit seinem Bruder den Zeugen zu Hause abgeholt und in ein Kellerverlies gebracht.

Dort verbrachte er alleine die Nacht. Am Morgen des nächsten Tages sei er dann von den Geschwistern abgeholt worden und habe zusammen mit dem zweiten mutmaßlichen Opfer einen Baumarkt aufgesucht. Dort kaufte der Angeklagte ein Seil und Kabelbinder aus Plastik.

Ohnmächtig zu Boden gefallen

Danach sei das Quartett in einem langen Fußmarsch bis in ein Waldstück in der Nähe des Phantasialands gegangen. Der Angeklagte habe einem mutmaßlichen Opfer die Hände vor dem Bauch gefesselt und ihm dann die Schlinge des Seils um den Hals gelegt. Nachdem der Angeklagte das andere Ende des Seils über den Ast eines Baumes geworfen hatte, habe er den Mann daran nach oben gezogen.

„Einen halben Meter über dem Boden hat er gebaumelt“, berichtet der Zeuge, der die Tat mit ansehen musste, bevor er selbst an der Reihe war. Die Schlinge habe sich zugezogen und der Mann sei ohnmächtig geworden. Dann habe der Angeklagte das Seil losgelassen und das Opfer sei ohnmächtig zu Boden gefallen.

Nachdem der Mann sich wieder aufgerappelt hatte und das Seil gelockert wurde, sei der Zeuge dran gewesen. Auch ihn habe der Angeklagte nach oben gezogen, allerdings sei er selbst nicht ohnmächtig geworden, sagte das Opfer. Der Angeklagte räumte zwar ein, diese Tat begangen zu haben, sagte jedoch aus, dass das erste Opfer nicht bewusstlos geworden sei und auch, dass er nie mit dem Straßenstrich gedroht habe.

Schulden einfach verdoppelt

Der Richter zeigte kein Verständnis für den Angeklagten und wies ihn energisch an, sich an die Wahrheit zu halten. Später gab der Angeklagte zu Protokoll, dass er aufgrund seines Standpunktes am Baum nicht genau sehen konnte, ob der Mann bewusstlos geworden war, oder nicht.

Der Grund für die Strangulationen waren Schulden, die die beiden Männer beim Angeklagten hatten. Einer schuldete ihm 300 Euro, der andere 350. Das hatte sich vor der Tat noch auf 700 Euro „als Strafzins“, wie es der Richter nannte, verdoppelt, weil der Mann seine Schulden nicht innerhalb der vom Angeklagten gesetzten Frist begleichen konnte.

Der Zeuge sagte aus, er habe für die 350 Euro Marihuana beim Angeklagten gekauft. Dieser wiederum wies dies von sich und sagte, er habe nur Geld verliehen, damit sie sich die Drogen woanders kaufen könnten.

Gehirn ohne Blutzufuhr

Laut Rechtsmediziner waren beide Männer „auf dem besten Weg, erhängt zu werden“, denn alle vier Arterien, die vom Herz ins Gehirn führen, seien „mit einem Mal komplett abgeschnitten“ gewesen, sodass das Gehirn keine Blutzufuhr hatte. Akute Lebensgefahr habe jedoch zu keinem Zeitpunkt bestanden, sagte der Rechtsmediziner. Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem anwesenden mutmaßlichen Opfer.

Der 24-Jährige muss sich derzeit zusätzlich, gemeinsam mit fünf weiteren Männern, wegen gewerbsmäßigen Bandendiebstahls vor dem Kölner Landgericht verantworten. Der Prozess wegen Körperverletzung wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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