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Verkehrsregelung: Wer hilft riskiert ein Knöllchen

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Für Silke Katzfuß wäre es hilfreich, wenn unmittelbar vor ihrer Haustür Autofahrer zum Be- und Entladen kurz halten dürften. Foto: Bettina Jochheim
Ein absolutes Halteverbot vor der Haustür macht Silke Katzfuß das Leben schwer. Die Brühlerin leidet an Multipler Sklerose. Das Schild sorgt dafür, dass jeder, der ihr zum Beispiel Lebensmittel vorbeibringt, ein Knöllchen riskiert.  Von
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Brühl-Ost

Silke Katzfuß ist manchmal ratlos. Neben ihrer Erkrankung selbst seien es auch bürokratische Hürden, die ihr das Leben schwer machten, sagt die zierliche Frau. Seit Monaten ist sie mit der Brühler Stadtverwaltung im Gespräch. Sie möchte erreichen, dass ein Verkehrsschild unmittelbar vor ihrem Haus gegen ein anderes ausgetauscht wird. Gegenwärtig ist das Halten dort absolut verboten, sie hingegen möchte, dass dort eingeschränkt gehalten werden darf.

Sie war gerade 21 Jahre alt, als bei ihr massive Sehstörungen auf dem rechten Auge auftraten. Auf der Suche nach der Ursache diagnostizierten die Ärzte 1987 Multiple Sklerose, jene chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die in Schüben verläuft. In den ersten 13 Jahren verlief die Krankheit relativ milde, das sollte sich im Jahr 2000 ändern. „Man kann eigentlich gar nicht mehr von Schüben sprechen, es vollzog sich eine chronische Verschlechterung“, sagt die heute 46-Jährige.

Angesichts des Krankheitsverlaufs machte sich die Diplom-Ingenieurin für Augenoptik damals Sorgen um ihre künftige Wohnsituation. Sie lebte in Brühl-Kierberg und erkannte, dass sie dort mit all den körperlichen Einschränkungen nicht mehr lange wohnen könnte. Intensiv suchte sie drei Jahre nach einem behindertenfreundlichen neuen Quartier in Innenstadtnähe. „Da wäre sogar etwas gewesen, aber die Parkplatzsituation war nicht zufriedenstellend“, sagt Katzfuß. Für sie sei wichtig, dass Menschen vor ihrem Haus halten könnten, um ihr beim Transport des Rollstuhls behilflich sein zu können oder um ihr Lebensmittel anliefern zu können.

Als sie schließlich von den Planungen barrierefreier Eigentumswohnungen in einem Haus an der Alten Zuckerfabrik erfuhr, „war das für mich wie ein Sechser im Lotto“. Die Wohnungen seien ruhig, stadtnah und nur wenige Schritte vom Schlosspark entfernt. Zudem habe sie damals noch Einfluss auf die Innengestaltung nehmen können.

Mit einem Aufzug gelangt sie in ihre Wohnung, ihr Auto steht auf einem Stellplatz. Soweit ist alles gut. Einzig ein Verkehrsschild, das ein absolutes Halteverbot vor ihrem Haus ausweise, mache ihr nun das Leben schwer. Sie möchte gern, dass dort ein eingeschränktes Halteverbot erlassen wird.

„Wir hätten ihr gern unbürokratisch geholfen.“
Wolfgang Gérard

Nach Angaben Katzfuß’ sei dieses absolute Halteverbot einst nur eingerichtet worden, weil eine Buslinie in das Wohngebiet hinfuhr. Diese Busse würden jedoch längst nicht mehr dort entlang fahren. Insofern könne man den alten Zustand – nämlich das dortige eingeschränkte Halteverbot – doch mühelos wieder einführen, sagt sie. Dann wäre dort auch Be- und Entladen erlaubt. Um ihr Problem anschaulich zu machen, schildert sie folgendes Erlebnis: „Im Juni haben mich Freunde zu einem gemeinsamen Theaterbesuch abgeholt. Gegen 23 Uhr kamen wir zurück. Aufgrund meiner linksseitigen Lähmungen benötige ich immer jemanden, der mir hilft, den Rollstuhl aus der Wohnung zu holen und ihn später wieder in die Wohnung zu bringen. Mein Bekannter tat dies, und als er zu seinem Auto zurückkehrte, stand bereits eine Politesse dort und wollte ihm ein Knöllchen geben, obwohl er sie darauf hingewiesen hatte, dass er nur gerade einen Rollstuhl ausgeladen habe“, erinnert sich Katzfuß.

Es sei letztlich bei einer mündlichen Verwarnung geblieben. Sie mache der Politesse keinen Vorwurf, möchte aber eine so unangenehme Situation künftig vermeiden. Aus ihrer Sicht ist nur eine Veränderung der Schilder ein praktikabler Weg. „Hier muss ein eingeschränktes Halteverbotsschild hin, das Be- und Entladen erlaubt“, so die 46-Jährige.

Das Angebot der Stadtverwaltung, dort einen Behindertenparkplatz einzurichten, nütze ihr nichts. Vielmehr benötige sie eine kurzfristige Halteerlaubnis für Menschen, die sie in ihrer Selbstständigkeit unterstützten. Dazu zähle etwa ihr Vater, der ihr Lebensmittel bringe, oder eben Freunde, die sie zu gemeinsamen Unternehmungen abholten.

„Wir hätten ihr gern unbürokratisch geholfen“, sagt Wolfgang Gérard, Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales. Sein Vorschlag sei gewesen, einen Behindertenparkplatz einzurichten und ihr zusätzlich einen Parkausweis auszuhändigen, den sie jeweils demjenigen hätte aushändigen müssen, der dort halten möchte. Dies habe sie abgelehnt. „Es wäre ein unzumutbarer organisatorischer Aufwand, für jede Hilfe vorab dafür zu sorgen, dass derjenige den Parkausweis bekommt. Dies würde meinen Alltag noch komplizierter machen“, so Katzfuß.

Nun habe sich die ganze Hausgemeinschaft in einem Schreiben an Gérard gewandt und gefordert, dass das absolute Halteverbot in ein eingeschränktes Halteverbot umgewandelt werden solle. Auf dem kleinen Dienstweg sei Katzfuß nun nicht mehr zu helfen, bedauert Gérard. Nun handele es sich gleich um den Wunsch, mehrere dortige Halteplätze einzurichten, „etwa vier oder fünf“. An dieser Stelle sei dies nicht ganz einfach, weil das Haus „an einer Art Kreisverkehr“ stehe. Vermutlich würden – wenn überhaupt – Parkplätze in Schrägaufstellung eingerichtet. Zudem entständen durch die Markierungsarbeiten Kosten, über die erst in den kommenden Haushaltsberatungen entschieden werden könne. „Das dauert bis April oder Mai“, fürchtet der städtische Mitarbeiter.

Silke Katzfuß ist ratlos. Eine solche Lösung hat sie nie gewollt.

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