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Porträt: Allein unter starken Männern

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Mit Umsicht, Geschicklichkeit, Verantwortungsbereitschaft wusste Heike Schuh-Hrenek ihre KOllegen zu beeindrucken. Foto: Ralf Krieger
Die Burscheiderin Meike Schuh-Hrenek arbeitet bei den Müllwerkern in Leverkusen. Die anfängliche Skepsis, die ihr entgegenschlug, wusste sie mit mit Umsicht, Geschicklichkeit, Verantwortungsbereitschaft zu entgegnen.  Von
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Einzige Frau zu sein in einer Männerwelt: Das ist für die 48-jährige Meike Schuh-Hrenek aus Burscheid kein Problem. Seit rund vier Jahren ergänzt sie das 48 Männer starke Müllwerkerteam der Reloga GmbH in Leverkusen. Der 2011 aus der Avea entstandene Entsorgungslogistiker ist unter anderem für Müll in Leverkusen, den Kreisen Rhein-Berg, Oberberg und Köln zuständig.

Ob ein 15,6 Tonnen schwerer Mercedes-Econic oder MAN-Lkw: Wenn die Berufskraftfahrerin Meike Schuh-Hrenek in ihrer leuchtend orangefarbenen Kleidung das Steuer verlässt und mit ihren gelben Arbeitshandschuhen den Kollegen beim Andocken eines Müllcontainers unterstützt, schauen die Passanten oft verblüfft. „Ungläubiges Staunen bei den Erwachsenen, helle Begeisterung bei den Kindern – das passiert mir häufiger“, sagte der stets fröhlich dreinblickende Blondschopf lachend. Gerne packt sie mit an: „Ich bin kräftig, da brauch’ ich kein Fitness-Studio.“ Avea/Reloga-Pressesprecher Claus-Dieter Steinmetz sagt: „Frau Schuh-Hrenek gehört ganz einfach zum Team. Sie ist eine Bereicherung.“ Es macht ganz den Eindruck, als habe die Mutter des 23-jährigen Dominik – er arbeitet im Reloga-Wertstoffbereich – ihren Traumberuf gefunden.

Der Entschluss, sich vor vier Jahren auf eine Stellenanzeige der Avea zu melden, kam für ihren Ehemann Jovan überraschend: Mit der Frage „Hast Du nicht Angst davor, Müllfrau zu sein?“, versuchte der Installateur seinerzeit noch gegenzusteuern. Aber Meike blieb hart. Unter zahlreichen männlichen Bewerbern machte sie bei der Avea das Rennen. Die anfängliche Skepsis vor allem eines Einsatzleiters mit Hinweis auf fehlende Sozialräume für Frauen konnte die couragierte Müllwerkerin schnell ausräumen: „Umkleide, Spind, Dusche und WC – das alles gab’s für mich im Löschwasserhaus – schließlich arbeiten ja in der Verwaltung auch Frauen.“ Keinen Gegenwind gab’s in der Fahrergemeinschaft. Von Beginn an fühlte sie sich akzeptiert und aufgehoben.

Claus-Dieter Steinmetz attestierte seiner Mitarbeiterin besondere Fähigkeiten: „Die Kollegen haben schnell gemerkt, dass sie sich hervorragend mit Umsicht, Geschicklichkeit, Verantwortungsbereitschaft für Kollegen, Fahrzeug und den Straßenverkehr ins Team einbringt.“ Ihr 25-jähriger Kollege Raphael Kleine-Termeer ist begeistert: „Die Frau ist super, da gibt’s keine Berührungsängste.“ Und Timo Shpolyansky (38) ergänzte: „Es macht Spaß, mit ihr zusammenzuarbeiten.“ Natürlich ist manchmal der Ton im Team rauer. „Ich kann aber gut kontern und auch schon mal einfach nur weghören“, sagte Schuh-Hrenek.

Nur einmal hatte sie während einer Tour Angst. „In Witzhelden hat jemand eine alte Munitionskiste aus dem Zweiten Weltkrieg in den Müll gestellt. Der Hinweis, dass sie noch gefüllt war, sollte wohl witzig sein.“ Später stellte sich heraus, dass der Inhalt harmlos war. Vor dem Müll ekelt sie sich nicht, auch wenn es ganz ohne Geruchsbildung nicht geht. „Die Zeiten, als die Müllwerker auch in den Fahrzeugen Gestank ausgesetzt waren, sind längst vorbei.“

Diese Erkenntnis aber hat sich noch nicht rumgesprochen. „Das Vorurteil, dass die Müllwerker einen stinkenden Arbeitsplatz haben, ist leider nur schwer auszuräumen“, sagte Claus-Dieter Steinmetz. Diese Fehleinschätzung führe oftmals dazu, dass sich viel zu selten Frauen bewerben.

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