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Kunsthochschule für Medien: Vom Foto zum Kunstwerk

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Die Studenten Felix Contzen, Johannes Post und Malte Wandel (v. l.) auf der Photokina  Foto: Grönert
Der Weg zum eigenen Stil ist lang. Professorin Beate Gütschow begleitet ihre Studenten dabei. Sie lehrt an der KHM Künstlerische Fotografie. Studenten aus ihrem Seminar präsentieren Werke auf der Photokina.  Von
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Köln

Was macht ein Foto eigentlich zum Kunstwerk? Was unterscheidet eine künstlerische Fotografie von einem Schnappschuss? Auf diese Fragen ihrer Studierenden an der Kölner Kunsthochschule für Medien hat Beate Gütschow eine Antwort, die nicht so schnell verständlich ist: „Man muss dem Foto die Persönlichkeit des Autors ansehen können.“ Die Idee zu einem Bild und die Umsetzung muss erkennbar die Handschrift des Machers tragen.

Bis so ein eigener Stil gefunden ist, das braucht oft viel Zeit. Ihre Studierenden auf dem Weg dahin zu begleiten mache ihr „viel Spaß“, wie die 42-jährige Professorin lachend bekundet. Das liegt wohl an ihrer eigenen Auffassung
von der Lehre. „Ich mache bewusst keine thematischen Vorgaben. Die Studierenden werden dazu aufgefordert, vom ersten Semester an ihre eigene Position zu entwickeln. Dazu lasse ich ihnen genug Freiraum. Manchmal wird dies als Leere empfunden. Aber gerade dann entstehen neue Ideen. Die Leere ist quasi der Nährboden für spannende Konzepte.“

Ein hohes Maß an Selbstreflexion nötig

Seit dem Wintersemester 2011/12 lehrt Gütschow künstlerische Fotografie in Köln. Als Grundlage werden in den Seminaren fototheoretische Texte besprochen und Künstler vorgestellt, die mit Fotografie arbeiten. Den technischen Teil der Lehre übernehmen die Mitarbeiter Claudia Trekel und Heiko Diekmeier. Den künstlerischen Teil bestreitet Beate Gütschow zusammen der Mitarbeiterin Wiebke Elzel. „Dass der Bereich künstlerische Fotografie so gut funktioniert, liegt daran, dass wir vier ein gutes Lehr-Team sind.“

KHM
Wiebke Elzel und Professorin Beate Gütschow (v. l.) im Fotostudio der Hochschule
Foto: Peter Rakoczy

Beate Gütschow fordert ihren Studierenden ein hohes Maß an Selbstreflexion ab. „Sie sollen über ihre eigene Motivation nachdenken, gerade wenn sie sich mit gesellschaftlichen Themen beschäftigen.“ Zu einem guten künstlerischen Foto gehöre es auch, sich den Umständen zu stellen, unter denen es gemacht wurde. „Wenn ich beispielsweise in Afrika bin, könnte es passieren, dass ich unbewusst aus einer westlichen Sicht heraus fotografiere. Dies gilt es zu reflektieren.“ So könne die Auseinandersetzung mit dem eigenen Standpunkt auch selbst zum Thema werden.

Auf das Material kommt es an

Ebenso seien die Materialien, die zur Präsentation eines Bildes verwendet werden, bedeutsam. „Es macht einen Unterschied, ob ich eine Fotografie auf teurem Fotopapier ausbelichte oder als großes Plakat an die Wand leime. Da werden sehr unterschiedliche Assoziationen beim Betrachter geweckt. Diese Verknüpfung mit dem Wissen der Betrachter kann man bewusst einsetzten: Vielleicht würde zu einer Arbeit, die Text und Foto kombiniert, die Plakatpräsentation besser passen.“ Und nicht zuletzt gehöre das Hinterfragen der benutzten Medien dazu: „Ist meine Idee, mein Konzept in der Fotografie wirklich gut aufgehoben, oder ist vielleicht ein Video oder eine Handzeichnung besser geeignet?“

Beate Gütschow erkundet selbst gerne neue Wege. Schon während ihres Studiums an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste hat sie sich für die Differenz zwischen fotografischer Abbildung und der Wirklichkeit interessiert. Und dafür, wie sich die Wahrnehmung des Betrachters verändert, wenn er mit einem bestimmten Vorwissen ein Bild betrachtet. Auf ihren ersten großformatigen Fotos zeigte sie Landschaften, die betörend schön und irritierend zugleich wirken. „Vorbild für diese Serie war die Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Damals haben Maler ideale Landschaften konstruiert.“ Güstrow hat ihre Bilder aus bis zu hundert Einzelteilen am Computer zusammengesetzt. Die Landschaften auf den Fotos gibt es gar nicht.

Dokumentarfotografie mit Realitätsbezug

Dieses Spiel mit der Realität setzt die Künstlerin in der nächsten Arbeitsgruppe fort. Die großformatigen schwarz-weißen Architektur-Fotografien zeigen Bauwerke, die ebenfalls aus verschiedenen fotografischen Fragmenten zusammengesetzt sind. Sie können deshalb weder zeitlich noch räumlich irgendeinem Ort in der Welt zugeordnet werden. „Die Betrachter versuchen, gerade weil die Aufnahmen an Dokumentarfotografie erinnern, einen Realitätsbezug herzustellen, Ort und Zeit der Aufnahme zu bestimmen, das gelingt bei einer Montage nicht.“

Gütschows Werke haben nicht nur Eingang in die Sammlungen und Ausstellungen bedeutender deutscher und europäischer Museen gefunden, sondern auch in die anderer Kontinente. Die neueste Serie ist derzeit in der Kunsthalle Hamburg zu sehen. Die Künstlerin inszeniert alltägliche Gebrauchsgegenstände, teilweise ganze Räume in ihrem Atelier und fotografiert sie dann ab. „Meine Arbeit findet nun ganz physisch im Raum statt, ich baue und bastle im Raum, anstatt am Rechner zu sitzen.“

Kreativität wecken

Gütschows Art, Kreativität bei ihren Studierenden zu wecken, zeigt noch einen weiteren Erfolg: Eine Studentengruppe aus ihrem Seminar kann sich mit ihrer Installationsidee auf der diesjährigen Photokina in der Messe präsentieren. Darauf ist die Künstlerin stolz: „Unter 47 Bewerbungen auf 15 Plätze wurde unsere Hochschule ausgewählt.“ Das vorgegebene Thema „Sichtbar – unsichtbar“ haben Felix Contzen, Johannes Post und Malte Wandel originell umgesetzt: Drucker werfen große farbige Augen auf Papierbögen aus, die sofort in einen Schredder fallen und enden – kaum gesehen und erkannt – als bunte Papierstreifen. (Messehalle 4.1, Koje I 050).

Gütschow lebt zwar in Köln, pendelt jedoch zwischen zwei Städten, die Zweitwohnung ist in Berlin. Die Vorstellung, von der Hauptstadt nach Köln zu gehen, habe ihr anfangs nicht behagt, räumt sie ein. „Aber Köln hat mich schon in den ersten Monaten überzeugt: Die Leute hier sind viel netter als die Berliner. Und die Stadt bietet viel für Künstler. Berlin verändert sich zurzeit rapide, nicht immer zum Positiven: in der Innenstadt schließen sich alle Freiräume, die Brachen verschwinden, die billigen Ateliers auch.“

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