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Bildungspolitik: Das will Johanna Wanka

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Denkt schon über ihre siebenmonatige Amtszeit hinaus: Die neue Bildungsministerin Johanna Wanka Foto: dpa
Am Donnerstagvormittag ist Johanna Wanka als neue Ministerin für Bildung und Forschung vereidigt worden. Wir werfen einen Blick auf ihre hochschulpolitische Agenda - und zeigen, was ihre Themen für Studierende bedeuten könnten.  Von
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Berlin

Johanna Wanka, die neue Ministerin für Bildung und Forschung, hat nicht nur einen Doktortitel, sie hat auch einen Professorentitel. Wie es denn um ihre Abschlussarbeiten stehe, will ein Journalist wissen. Die seien mittlerweile digitalisiert und für jedermann einsehbar, sagt Wanka völlig gelassen. Ob sie sich Sorgen um ihre Titel mache, fragt der Journalist weiter. Wanka schüttelt ihren blonden Bob und lächelt selbstsicher. Mit einem schüchternen „Hallo“ hatte die erst am Morgen vereidigte Ministerin die Bundespressekonferenz betreten. Hier stellt sich die 61-Jährige erstmals den Fragen der Journalisten. In allen Fragen mit bildungspolitischer Substanz präsentiert sich die Neue sehr selbstsicher. Folgende hochschulpolitische Themen stehen unter anderem auf ihrer Agenda:

Hochschulpakt

Beim Hochschulpakt investieren Bund und Länder Geld für den Ausbau von Studienmöglichkeiten. Angesichts der stark gestiegenen Studienzahlen plädiert Wanka für eine Fortführung des Paktes. Allerdings sieht sie die Finanzierung durch die Länder kritisch. „Ich fordere die Länder zu mehr Transparenz auf.“ Welche Länder nicht genug zahlen, mit wem noch Gesprächsbedarf bestehe, wollte Wanka jedoch nicht sagen.

Bildungsgerechtigkeit

Die Bildungsgerechtigkeit liegt Johanna Wanka besonders am Herzen. Die Durchlässigkeit zwischen der beruflichen  und der akademischen Bildung müsse sich verbessern. „Ein ausgebildeter Handwerker soll wissen, dass ihm alle Wege offen stehen.“ Zwar sei ein Studium mit Meisterbrief bereits möglich – diese Möglichkeit werde aber noch viel zu selten genutzt.

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Andererseits plädiert Wanka auch dafür, dass es für die vielen Studienabbrecher (über 20 Prozent laut Wanka) leichter werden soll, eine berufliche Ausbildung machen zu können – und dort vor allem die im Studium erworbenen Leistungen anerkannt zu bekommen. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Fähigkeiten eines Jeden maximal ausgenutzt werden.“ Jeder, der von seinen Fähigkeiten her ein Studium machen könne, solle auch die Möglichkeit dazu bekommen.

Bafög

„Ach ja, ein schwieriges Thema“, sagt Wanka im Hinblick auf Bafög. Die letzte Erhöhung sei den Ländern quasi aufgezwungen worden, „das hat viele Länder sehr verärgert“. Daraufhin habe der Bund nicht nur seinen Anteil finanziert, sondern darüber hinaus noch mehr Geld dazu geschossen. Dass jedoch eine Erhöhung kommen wird, ist eigentlich sicher. „Ich will noch Gespräche mit den Landesministern führen und nichts erzwingen“, sagt Wanka. „Bis Sommer ist eine Einigung unwahrscheinlich.“ Strukturell würde die neue Bildungsministerin gerne einiges ändern. So denkt sie darüber nach, wie man die Unterstützung familienfreundlicher gestalten könne, ob eine Anhebung der Altersgrenze möglich sei und inwiefern man Teilzeitstudenten unterstützen könne. Das Thema elternunabhängiges Bafög weist Wanka nicht grundlegend zurück, es sei jedoch schwierig, hier eine „pauschale“ Antwort zu finden.

Studiengebühren

Dass Wanka für Studiengebühren plädiert, ist bekannt. „Aber das ist nicht das Feld einer Bundesministerin.“ Über die Gebühren entscheiden die Länder. Sie wolle hier keine Ratschläge erteilen. „Aber ich weise darauf hin, dass wir in Deutschland auch zukünftig wettbewerbsfähig bleiben müssen.“

Föderalismus

Wanka ist – und war es schon als Bildungsministerin in Niedersachsen – für eine bessere Verzahnung in Sachen Bildungspolitik zwischen Bund und Ländern. Dass die Änderung des Artikels 91b im Grundgesetz, die dies erleichtern würde, noch vor den Wahlen im September kommen wird, hält Wanka allerdings für unwahrscheinlich. Sie wünscht sich die verbesserte Kooperation nicht nur aus finanziellen, sondern vor allem aus strukturellen Gründen. Beispiel: Bei gefährdeten exotischen Studienfächern, die aber für den Bund wichtig seien, könne der Bund etwa Geld hinzuschießen.

Frauenförderung

„Die Frauenförderung ist eine Sache, die realisiert werden muss“, erklärt Johanna Wanka. Es sei wichtig, dass Frauen nicht nur in Spitzenpositionen der Wirtschaft, sondern auch der Wissenschaft stärker repräsentiert seien. Anfang der 90er Jahre sei sie mit ihrer DDR-Sozialisation noch gegen eine Frauenförderung gewesen. Mittlerweile habe sich ihre Meinung jedoch grundlegend geändert. „Wir brauchen eine qualifizierte Förderung und die darf nicht nur an der Kinderbetreuung aufgehängt werden.“ Ob sie jedoch für eine Frauenquote wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, ließ Wanka offen.

Inwiefern Johanna Wanka in den ihr verbleibenden sieben Monaten Ministerzeit noch etwas bewirken kann, ist unklar. Sie selbst jedoch denkt längst schon weiter und über einen neuen Koalitionsvertrag nach. „Bei Dingen, die gelöst werden müssen, denkt man schon über die Wahl hinaus.“

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