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Caros Campus: Der Fluch der Massenuni

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Caroline Asal-Radler ist mittlerweile zu einem Teil der Massenuni Köln geworden. Foto: Max Grönert
Anfangs fand unsere Bloggerin Caroline es noch reizvoll, an der großen Kölner Uni zu studieren. Mittlerweile weiß sie, wie schwer es ist, in der Masse der Studenten echte Freunde zu finden.  Von
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Köln

„Man könnte meinen, die wären eine Demo“ sagt die junge Frau neben mir, während sie die Massen an Studenten beobachtet, die zur Uni strömen. Ich nicke und reihe mich in den Zug ein. Die Blicke sind auf den Boden gerichtet und schweigend stapfen wir durch den grauen Schneematsch.

Köln ist eine der größten Unis in Deutschland. Anfangs hat die Vorstellung, Teil eines so großen Apparates zu sein, noch einen gewissen Reiz auf mich ausgeübt. Mittlerweile spüre ich den Fluch der Massenuni.

Man trennt sich schnell wieder

Der Name eines Seminars, das ich besuche ist „Flüchtige Moderne“. Flüchtig, dieses Wort beschreibt die meisten Begegnungen an der Uni ziemlich treffend. Die Namen der Kommilitonen, mit denen ich ein Referat in diesem Seminar gehalten habe, kenne ich nur von der ersten Folie der Powerpoint-Präsentation. Die Vorbereitung des Referates lief per Mail. Man kommt zusammen und genauso schnell trennt man sich wieder.

Es ist das altbekannte Problem: Die Entscheidung für die Freiheit bringt Haltlosigkeit mit sich. Und Freiheit hat man als Pädagogikstudent der Universität nicht zu wenig. Die Wahlmöglichkeiten an Seminaren und Vorlesungen sind enorm. Anwesenheitspflicht gibt es keine. Entweder man kommt oder man lässt es eben. Ist eigentlich ein bisschen egal. Der Dozent kennt dich nicht und die Folien für die Vorlesungen kannst du dir genauso gut im Internet herunterladen.

In einem so großen Studiengang wie Pädagogik kommt es kaum vor, dass man mit der selben Person mehr als nur ein Seminar besucht. Dadurch wird der Raum für gemeinsames Erleben und Lernen denkbar klein.

Eigeninitiative ergreifen

Mit ein wenig Eigeninitiative ist es trotzdem nicht unmöglich, sich einen gewissen Rahmen zu schaffen, in dem man sich nicht verliert.

Die sozialen Kontakte, die ich geknüpft habe und die eine gewisse Dauer versprechen, sind in Tanz- und Theaterkursen entstanden. Hier war es möglich, sich auf einer anderen Ebene kennenzulernen: Wir sind zusammen durch intensive Prozesse hindurchgegangen und es war praktisch unmöglich, nichts von sich preiszugeben. Diese Kurse waren für mich ein Aufatmen, ein Ausbruch aus der bedrückenden Anonymität.

Obwohl sich meine Strukturen langsam zu festigen scheinen, ist die Verlockung an eine kleine, familiäre Uni zu wechseln groß und ich spüre, dass die Uni zu Köln auch nur eine Durchgangsstation sein wird. Ich bin eben auch Teil der flüchtigen Moderne.

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