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Großprojekt: Aachener streiten über Campusbahn

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Die Campusbahn bleibt eine Computersimulation – was die Alternativen kosten, weiß zurzeit aber noch niemand. Foto: Stadt Aachen
Für 230 Millionen Euro will die Stadt Aachen eine Campusbahn, die zwischen dem Erweiterungscampus der Universität im Stadtteil Brand und der Uniklinik verkehrt, bauen. Vor dem Bürgerentscheid brodelt es in der Bevölkerung.  Von
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Aachen

Eine repräsentative Telefonbefragung der Aachener Bürger sollte Klarheit schaffen, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Frage, ob die Stadt mehr als 230 Millionen Euro für eine zwölf Kilometer lange Stadtbahntrasse ausgeben soll, entzweit die Bürgerschaft.

41 Prozent sprachen sich für die Stadtbahn aus, 30 Prozent sind dagegen, ein Drittel ist unentschlossen. Der Trend: Die jungen Bürger sind zu 56 Prozent für die Campusbahn, die Älteren eher dagegen. Die Züge sollen zwischen dem Erweiterungscampus der Universität im Stadtteil Brand und der Uniklinik verkehren. Am 10. März sollen die Bürger entscheiden, ob Aachen 38 Jahre nach der Stilllegung der letzten Straßenbahn wieder auf die Schiene setzt.

Die geplante Campusbahn
Die geplante Campusbahn

"Das wird eine ganze enge Geschichte", sagt Maximilian Slawinski. Der 27-Jährige arbeitet als Elektroingenieur der Technischen Hochschule im Erweiterungsgebiet. "Ich gehöre exakt zu der Zielgruppe, die mit der neuen Bahn angesprochen werden soll. Und trotzdem bin ich dagegen." Der Sprecher der Initiative "Campusbahn gleich Größenwahn" glaubt, dass der Haushalt der Stadt Aachen durch das Projekt "hoffnungslos überfordert wird, ohne dass brennende Probleme in unserer Stadt wirklich gelöst werden".

Der Eigenanteil der Stadt von 130 Millionen Euro werde die Bürger auf Jahre hinaus belasten. Verkehrspolitisch fahre die Campusbahn in die falsche Richtung. "Wir reden hier ja nicht über ein Straßenbahnnetz, sondern über eine Linie, die zwei Stadtteile miteinander verbindet." Die zweite Ausbaustufe von der niederländischen Grenze bei Vaals bis Würselen stehe nur auf dem Papier. "Wenn man weiß, wie lange Verkehrsprojekte dauern und wie teuer sie sind, halte ich das für unrealistisch", sagt Slawinski. Aachen bestehe aber aus zwölf Stadtteilen, die bisher durch das Busnetz "recht gut miteinander verknüpft sind". Das Bahn-Konzept sehe vor, dass sich alle Buslinien an der neuen Trasse ausrichten und im Busnetz Streckenkürzungen vorgenommen werden.

Ob der neue Hochschulcampus Melaten der große Erfolg werde, den sich die Stadtväter von ihm versprechen, sei fraglich. "Es ist durchaus möglich, dass wir eine Geisterbahn bauen. Die Studentenzahlen werden in den nächsten Jahren sinken. Außerdem glauben wir nicht, dass sich die Zahl der Neuansiedlungen von Unternehmen, die die Stadt vorgibt, verwirklichen lässt." Derzeit fahren 32 000 Menschen täglich mit Bussen auf der Strecke zwischen der Uniklinik und dem neuen Campus. Die Auslastung ist hoch, die Busse haben das Limit erreicht.

Volkes Stimme

92 Prozent der Aachener Bürger haben schon mal etwas von der Campusbahn gehört.

90 Prozent begrüßen den Bürgerentscheid.

75 Prozent fürchten, dass der Bau zu erheblichen Störungen des Verkehrs führen wird.

56 Prozent sagen, dass durch die Bahn mehr Fahrgäste für den öffentlichen Nahverkehr gewonnen werden, was gut sei.

54 Prozent halten das finanzielle Risiko für unkalkulierbar.

52 Prozent halten die Campusbahn für eine langfristige Investition und Verbesserung der Infrastruktur.

51 Prozent glauben, die Bahn verbessere das Image Aachens als Technologiestandort.

43 Prozent halten die prognostizierten Baukosten für zu hoch. (pb)

"Wir planen einen Verbund, zu dem Regionalverkehr der Deutschen Bahn, Busse mit Elektroantrieb, Miet- und Ladestationen für Elektroautos und Fahrräder gehören", sagt Costard. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts stehe außer Frage. Die Trasse biete an zwei Bahnhöfen Umsteigepunkte zum Regionalverkehr. Costard: "Ich gehe davon aus, dass sich deutlich mehr als 30 000 Aachener am Bürgerentscheid beteiligen müssen, damit das Quorum von zehn Prozent erfüllt ist. "Es dürfte knapp werden."

Der Streit über die Campusbahn wird weitergehen. An der CDU-Basis regt sich Widerstand. Für Jakob von Thenen, Vorsitzender des Ortsverbands Kornelimünster, kritisiert, dass es nach Inbetriebnahme der Campusbahn aus mehreren Vierteln keine direkte Busverbindungen in die City geben wird. Die CDU-Ratsfraktion habe sich in Sachen Campusbahn dem grünen Partner im Rat anschließen müssen, glaubt von Thenen. Andere Ortsverbände der CDU wollen sich bis zum Bürgerentscheid trotz ihrer Skepsis zumindest neutral verhalten.

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