Campus
Nachrichten und Berichte aus der Hochschule

Vorlesen
0 Kommentare

Initiative Arbeiterkind: „Bafög-Sätze sind knapp kalkuliert“

Erstellt
Studenten aus nichtakademischen Familien sind häufig auf Bafög angewiesen.  Foto: dpa
Cara Küffner von der Initiative Arbeiterkind spricht im Interview über Nachteile von Studierenden aus nichtakademischen Familien. Da diese Studenten mehr arbeiten müssen, sind sie besonders belastet. Das kann zu psychischen Erkrankungen führen.
Drucken per Mail

Die FU Berlin hat Schlagzeilen gemacht mit ihren Leitlinien für Dozenten im Umgang mit Studenten aus nichtakademischen Familien. Was halten Sie davon?
Cara Küffner: Das Papier ist gut gemeint, aber missverständlich. Generell sagt der Leitfaden ja nicht: Behandelt diese Studierenden anders. Das Papier sagt nur: Es gibt unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen bedingen, dass es manche Studierende manchmal schwerer haben.

Mutter Friseurin, Vater Mechaniker, der Sohn Doktorand – die Kombination ist immer noch selten. Warum?
Küffner: Die gerade erschienene 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks macht das an Zahlen deutlich. Von 100 Akademiker-Kindern gehen 79 auf ein Gymnasium. Bei Kindern aus einem nichtakademischen Haushalt sind es nur 43. Und die Wahrscheinlichkeit vom Gymnasium an die Hochschule zu wechseln, ist doppelt so hoch wie der Wechsel von Berufsschule an die Hochschule.

Das Studentenwerk sieht darin eine soziale Selektion. Sie auch?
Küffner: Man kann darin eine Selektion nach dem Bildungsstand der Eltern sehen. Wenn die Eltern über eine gute Bildung verfügen, ist es wahrscheinlicher, dass die Kinder auch eine gute Bildung haben werden. Für Eltern mit hoher Bildung stellt Bildung einen hohen Wert dar.

Können sich Eltern mit kleinem Einkommen, das Studium ihrer Kinder nicht leisten?
Küffner: Zumindest fehlt eine konkrete Vorstellung davon, wie man das Studium finanziell stemmen kann. Gerade beim Thema „Schulden“ sind Ängste vorhanden. Die Eltern denken daran, dass die Kinder kein Geld verdienen, dass das Studium aber viel kosten wird – und sind vorsichtig. Es fehlen ihnen auch Informationen darüber, welche Möglichkeiten es gibt, Stipendien und Bafög in Anspruch zu nehmen. Der Bafög-Antrag ist für viele eine Hürde. Der ist mit seinem Amtsdeutsch so kompliziert wie eine Steuererklärung. Die Bafög-Hotline, bei der man kostenlose Hilfe bekommt, ist dagegen nicht so bekannt.

Die Initiative
Treffen

Die Initiative Arbeiterkind hat vor fünf Jahren ein Mentoren-Projekt gestartet. Mittlerweile gibt es in 70 deutschen Städten 5000 Mentoren. Viele von ihnen sind Studierende und Berufstätige, die als Erste aus ihrer Familie an die Hochschule gegangen sind. Die Mentoren informieren in Schulen über das Studium, führen Ortsgruppentreffen durch und betreuen Studierende persönlich. Cara Küffner (36) ist die Koordinatorin für NRW.

Nächster Treffpunkt ist am Dienstag, 6. August, um 19 Uhr Im Zollhafen 15/17 (5. Etage).

Studenten aus nichtakademischen Familien müssen mehr arbeiten. Sind sie dadurch im Studium benachteiligt?
Küffner: Studenten, die viel arbeiten, sind doppelt belastet. Ich hab Studierende kennengelernt, die zwei Nebenjobs machen müssen, weil sie aus verschiedenen Gründen kein Bafög bekommen. Die schreiben uns: Mein Studium leidet total darunter. Die Arbeitsbelastung ist bei vielen Studierenden so hoch, dass sie eine psychische Belastung wie Depressionen nach sich zieht. Manche Studierenden sind schließlich so verzweifelt, dass sie abbrechen.

Sind die Bafög-Sätze angemessen?
Küffner: Die Bafög-Sätze sind knapp kalkuliert. Manchmal kommt es auch zu merkwürdigen Berechnungen: In einem Fall hatte die Großmutter eines Studierenden ein Sparkonto geführt und ihm mit dem 18. Lebensjahr das Geldüberschrieben. Das Geld war fest angelegt, der Studierende kam nicht daran, erhielt aber auch kein Bafög.
Das Gespräch führte Dirk Riße

Auch interessant
Service
Hörsaal-Knigge

Was nervt euch in einer Vorlesung am meisten?

Bildergalerien
alle Bildergalerien
Sonderveröffentlichung
Fortbildung
Mitarbeiter sollten in Ruhe darüber nachdenken, wie ernst es ihnen mit den guten Vorsätzen ist – so kann man vermeiden, unrealistischen Zielen nachzueifern.

Mehr Gehalt fordern oder sich für eine Fortbildung anmelden? So klappt´s im Job!

Kleinanzeigen