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Sozialbericht: Kölns Studierende haben es schwer

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Nicht mal ein Viertel aller Arbeiterviertel studieren. Foto: dpa
Die wirtschaftliche Situation für Studierende in Köln hat sich deutlich verschlechtert. 76 Prozent müssen während des Studiums arbeiten. Kinder aus Arbeiterfamilien sind an den Hochschulen stark unterrepräsentiert. Nicht einmal jeder Vierte studiert.
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Berlin/Köln

Cornelia Gerecke ist bestürzt über die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, denen Studierende in Köln ausgesetzt sind: „Wir sind sehr betroffen, da die Belastungen für die Kölner Studierenden sehr hoch sind", sagte die Pressesprecherin des Kölner Studentenwerks in einem ersten Statement zur 20. Sozialerhebung des Dachverbandes. „Sie zahlen die höchsten Mieten und stehen auf Rang zwei der Erwerbstätigenquote. Die durchschnittliche Miete beträgt 359 Euro pro Monat, bundesweit sind es 298 Euro. Die Durchschnittsmiete liegt somit 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und stieg in Köln im Vergleich zur 19. Sozialerhebung von 2009 um sieben Prozent an.”

Da passt auch ins Bild, dass 76 Prozent der Kölner Studierenden während des Studiums arbeiten müssen. Hier liegt der Bundesdurchschnitt bei 61 Prozent.

Akademikerkinder dominieren die Universitäten

Neben dem wirtschaftlichen Faktor untersuchte der 20. Sozialbericht des Deutschen Studentenwerks auch den Bildungshintergrund der bundesweit 2,5 Millionen Studierenden an Deutschlands Hochschulen. Auch diese Ergebnisse, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurden, stimmen nachdenklich: Trotz der Rekordzahl an eingeschriebenen Studentinnen und Studenten schaffen es Arbeiterkinder nach wie vor nur selten an die Hochschule. Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studieren 77. Von 100 Kindern aus Facharbeiterfamilien sind es hingegen nur 23.

Studentenwerks-Präsident Dieter Timmermann sagte: „Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem ist sozial nach wie vor selektiv - auch wenn das Bildungsniveau der Gesellschaft insgesamt gestiegen ist.“ Auch die neue Studienstruktur mit dem schnelleren Bachelor-Abschluss habe die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft nicht verändert.

„Die hochschulpolitischen Schlüsselbegriffe unserer Zeit sind Exzellenz, Elite, Autonomie. Von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit ist kaum die Rede“, sagte der DSW-Präsident, der früher Rektor der Universität Bielefeld und Bildungsforscher war.

Forderung nach Bafög-Reform

Timmermann forderte Bund und Länder auf, sich jetzt ohne weitere Verzögerungen über eine Bafög-Reform zu verständigen. Die Anhebung der studentischen Ausbildungsförderung steht nun schon im zweiten Jahr aus. Bereits im Januar 2012 hatte der Bafög-Beirat der Bundesregierung eine Erhöhung der Fördersätze um fünf Prozent sowie der Elternfreibeträge um sechs Prozent verlangt. Diese Forderung hatte sich die Regierung allerdings nicht zu eigen gemacht.

Laut Sozialerhebung wird derzeit ein Viertel der Studierenden voll oder teilweise mit Bafög gefördert. Stipendien bekommen nur vier Prozent. Sechs Prozent haben Kredite aufgenommen, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Dies sind den Ergebnissen zufolge vor allem Kinder aus ärmeren Elternhäusern.

Wie die repräsentative Umfrage ergab, haben die Klagen der Studierenden über die hohe Arbeitsbelastung im Bachelor-Studium inzwischen Wirkung gezeigt und an den Unis zu einer Entzerrung der Lehrveranstaltungen geführt. Durchschnittlich 35 Stunden in der Woche wendet ein Student für Vorlesungen, Seminare und Selbststudium auf. Dies sind zwei Stunden weniger als noch bei der Umfrage 2009.

61 Prozent gaben an, neben dem Studium noch zu jobben - im Schnitt 7,4 Stunden die Woche. Insgesamt ist die Erwerbstätigenquote unter den Studierenden allerdings leicht zurückgegangen. Als eine mögliche Ursache gilt laut Sozialerhebung der Verzicht auf Studiengebühren. Besonders Studenten aus ärmeren Familien hatten zuvor darüber geklagt, für die Gebühren nebenbei arbeiten zu müssen. Aus Sicht von Hochschulforschern lässt aber auch das straffer organisierte Bachelorstudium mit seiner dichten Abfolge von Lehrveranstaltungen heute weniger Zeit für Nebenjobs.

(ble mit dpa)

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