Campus
Nachrichten und Berichte aus der Hochschule

Vorlesen
2 Kommentare

Sozialbericht: Studieren in Köln besonders teuer

Erstellt
Kölner Studenten müssen mehr für ihre Miete zahlen und dementsprechend auch mehr neben dem Studium arbeiten als Studenten im übrigen Deutschland. Foto: dpa
Büffeln, jobben, Wohnung suchen: In Köln zahlen Studenten die höchste Miete. Um ihre hohen Lebenskosten bezahlen zu können, müssen sie mehr arbeiten als ihre Kommilitonen in anderen Städten. Das sind Ergebnisse einer Befragung des Studentenwerks.  Von
Drucken per Mail

Stress im Studium, überfüllte Unis, Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche und kaum Zeit, um ein Semester im Ausland zu verbringen – das hört und liest man immer wieder über Deutschlands Studierende in Zeiten von Bachelor/Master und den doppelten Abiturjahrgängen. Aber stimmt das alles? Wie geht es den rund 2,5 Millionen Studenten in diesem Land wirklich? Um das herauszufinden, hat das Deutsche Studentenwerk mehr als 15 000 Studierende befragt. Ein Fazit des Vergleichs mit der letzten Sozialerhebung aus dem Jahr 2009: Der Stress ist nicht mehr ganz so groß. Doch an vielen anderen Missständen hat sich nichts geändert.

Die Reform der Reform

Vier Jahre ist es her, dass die Studenten auf die Straße gingen und Hörsäle besetzten. „Ich vermute, dass die durch die Studierendenproteste angestoßenen Nachbesserungen bei Bachelor und Master langsam greifen“, sagt Professor Dieter Timmermann. Einen Beleg dafür sieht der Präsident des Deutschen Studentenwerks darin, dass die Befragten heute zwei Stunden weniger in der Woche für ihr Studium aufwenden als noch 2009. Damals gaben sie auch noch häufiger an, dass sie ihre zeitliche Belastung als zu hoch empfinden. Von entspanntem Studieren kann trotzdem nicht die Rede sein: „Mit durchschnittlich 42 Stunden in der Woche – 35 Stunden für Lehrveranstaltungen und 7 Stunden für den Nebenjob – ist und bleibt Studieren ein Fulltime-Job“, so Timmermann.

Soziale Auslese

Schon in der Schule haben Kinder aus sozial schwachen Familien deutlich schlechtere Chancen als genauso begabte Mitschüler mit Eltern, die besser verdienen. Da ist es kein Wunder, dass sich dieser Trend an den Universitäten noch deutlich stärker abzeichnet: Von hundert Kindern aus Akademikerfamilien studieren 77. Von hundert Kindern aus Facharbeiterfamilien nur 23. „Die Hochschulen mögen einigen den Bildungsaufstieg ermöglichen. Noch stärker aber sichern sie den akademischen Status in der nachfolgenden Generation ab“, ist das ernüchternde Fazit von Studentenwerks-Präsident Timmermann.

Bafög-Erhöhung Steht aus

„Ohne Bafög könnte ich gar nicht studieren“ – das sagen 80 Prozent aller Geförderten. Bafög bekommt rund ein Viertel aller Studierenden, davon 38,4 Prozent den Höchstsatz von 670 Euro. Im Schnitt erhalten die Bafög-Empfänger 425 Euro monatlich. „Bereits im Januar 2012 hat der Bafög-Beirat der Bundesregierung einen Anpassungsbedarf formuliert. Bund und Länder waren aber vor der Bundestagswahl nicht zu einer Erhöhung zu bewegen“, beklagt Timmermann. Im März hatte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) eine Bafög-Reform angekündigt. „Doch es blieb bei leeren Worten. Offenbar hat die Ausbildungsförderung für die Politik keine Priorität“, kommentiert Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Auslandsstudium stagniert

Ganz unkompliziert sollte ein Semester an einer Universität im europäischen Ausland werden. Das zumindest versprach man sich von den Bachelor- und Masterstudiengängen. Bislang hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Um die 30 Prozent der Studierenden gehen ins Ausland – das sind etwa genauso viele wie im Jahr 2000. Außerdem verschiebt sich das Auslandssemester mehr und mehr in die Master-Phase. „Bachelor-Studierende gehen viel zu wenig ins Ausland. Bis zum achten Semester liegt die Mobilitätsquote bei nur 21 Prozent der Studierenden. Das konterkariert die Ziele von Bologna“, sagt der Präsident des Deutschen Studentenwerks, Dieter Timmermann. Im April dieses Jahres hatte die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern eine Strategie für die Internationalisierung der Hochschulen in Deutschland verabschiedet. Damit wird angestrebt, dass künftig jede zweite Hochschulabsolventin bzw. jeder zweite Hochschulabsolvent studienbezogene Auslandserfahrung sammeln soll.

Weniger Nebenjobs

Beim straff organisierten Bachelorstudium bleibt weniger Zeit zum Jobben. Diese Klage der Studierenden belegen die Zahlen der Sozialerhebung. Denn insgesamt haben die Studenten im Erststudium 2009 noch etwas häufiger gearbeitet als heute – die Zahlen sanken um fünf Prozentpunkte auf 61 Prozent. Trotzdem jobbt der Durchschnittsstudent noch 7,4 Stunden in der Woche. In Köln müssen mit 76 Prozent besonders viele Studenten nebenbei Geld verdienen – vermutlich auch, um ihre extrem hohen Mietkosten von 359 Euro pro Monat bezahlen zu können (Durchschnitt: 298 Euro).

Forderungen der Studenten

Als Reaktion auf die Daten aus der Sozialerhebung forderte die bundesweite Studentenvertretung „fzs“ unter anderem, die Beratung zu verschiedenen Bildungswegen zu verbessern: „Oft können Kinder aus nichtakademischen Haushalten die Rahmenbedingungen eines Studiums gar nicht so gut kennen und werden zusätzlich abgeschreckt. Das gilt ebenso für beruflich Qualifizierte.“ Außerdem müsse das Studium flexibler werden: „Die momentane Situation sieht Studierende vor, die Vollzeit studieren können. Die Realität sieht oft anders aus.“ Da finanzielle Gründe der häufigste Grund für Studienabbrüche seien, setzen die Studierenden sich darüber hinaus für den Ausbau der sozialen Infrastruktur und eine Bafög-Erweiterung ein.

Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks wird vom Bildungsministerium finanziert und vom HIS-Institut für Hochschulforschung durchgeführt. Die Daten wurden im Sommersemester 2012 erhoben. Mehr als 15 000 Studierende an 227 Hochschulen haben sich beteiligt.

Auch interessant
Service
Hörsaal-Knigge

Was nervt euch in einer Vorlesung am meisten?

Bildergalerien
alle Bildergalerien
Sonderveröffentlichung
Fortbildung
Mitarbeiter sollten in Ruhe darüber nachdenken, wie ernst es ihnen mit den guten Vorsätzen ist – so kann man vermeiden, unrealistischen Zielen nachzueifern.

Mehr Gehalt fordern oder sich für eine Fortbildung anmelden? So klappt´s im Job!

Kleinanzeigen