Campus
Nachrichten und Berichte aus der Hochschule

Vorlesen
0 Kommentare

Ungewöhnlich Wohnen: Platz für drei plus Hund

Erstellt
Yannick Pechtloff hat über die "Mein Zuhause in Köln"-Initiative ein WG-Zimmer gefunden, in dem sich auch Finnson, der Hund seiner Mitbewohner, schon wohlfühlt. Foto: michael bause
Die Initiative „Mein Zuhause in Köln“ ruft Privatleute auf, Zimmer in ihren Wohnungen zur Untermiete an Studenten zu vermieten. Das Projekt des Studentenwerks stößt auf Zuspruch: Knapp 320 Angebote standen bereits online.  Von
Drucken per Mail
Köln

Finnson ist verwirrt. Plötzlich lebt in der Drei-Zimmer-Wohnung ein weiterer Mitbewohner. Etwas unsicher streunt der große Golden Retriever mit seinem Stofftier durch die Wohnung und sucht nach einem Schlafplatz. Dabei hat das Gassigehen mit dem neuen Mitbewohner heute Morgen doch schon gut geklappt. "Ich bin mit Finnson Brötchen für alle holen gegangen und habe ihn vor dem Bäcker sitzen lassen. Dort hat er gewartet, bis ich wieder draußen war", erzählt Yannick Pechtloff (23) stolz. An Gründonnerstag ist der Student zu Vera Dreßen (43) und ihrem 15-jährigen Sohn Luca gezogen. Über die Initiative "Mein Zuhause in Köln" des Kölner Studentenwerks (KSTW) ist ihre etwas ungewöhnliche Wohngemeinschaft entstanden.

Lust auf eine WG

Vor drei Jahren bezog Vera Dreßen mit ihrem Sohn die Wohnung im Agnesviertel. Schon damals hatte sie eigentlich Lust auf eine WG, fand aber nichts Geeignetes. "Ich bin seit über zehn Jahren alleinerziehend, Luca ist Einzelkind, er hat viele Freiheiten. Ich wollte, dass er noch eine andere Wohnform kennenlernt." Dreßen arbeitet als Hauptschullehrerin in Düsseldorf und hat einen Lehrauftrag im Kunst-Institut der Uni Köln. Dort entdeckte sie vor einigen Wochen die Plakate von "Mein Zuhause in Köln".

"Ich hatte Mitleid mit den Studenten, die keine Wohnung finden, und habe es für mich als neue Möglichkeit gesehen, eine WG zu gründen", sagt Dreßen. Gleich am nächsten Tag inserierte sie ein Zimmer ihrer Wohnung auf der Plattform. "Der Raum ist mein altes Arbeitszimmer, das immer mehr zur Abstellkammer wurde. Gearbeitet habe ich dort nicht mehr."

Jetzt lebt Student Yannick in dem Zimmer - darin stehen ein großes Bett, ein Schreibtisch, ein Röhrenfernseher, ein Schrank. Auf dem flauschigen grünen Teppich fühlt auch Finnson sich schon wohl. "Toll, dass ich jetzt mit einem Hund zusammenwohne", findet Yannick Pechtloff. An der Kölner Uni studiert er im zweiten Semester Deutsch und Geschichte auf Lehramt.

Im Wintersemester ist er von seiner Wohnung in Aachen, wo er zuvor studiert hatte, gependelt. "Das war nervig, vor allem auf dem Rückweg hat die Bahn häufig viel länger gebraucht als die angegebenen 45 Minuten", erzählt Pechtloff. Eine Wohnung in Köln musste her. Über die Seite des Studentenwerks entdeckte er nach wenigen Klicks die Initiative "Mein Zuhause in Köln" und schrieb mehrere Vermieter an.

An Aschermittwoch ist die Initiative des KSTW mit dem Flashmob "Ab in den Karton" auf dem Albertus-Magnus-Platz an den Start gegangen. Aufgrund der akuten Wohnungsnot Kölner Studenten hatte die Initiative Privatleute in Köln und Umgebung dazu aufgerufen, Zimmer oder Appartements zur Untermiete anzubieten. Zwar bietet das Kölner Studentenwerk schon immer eine Privatzimmervermittlung an, mit "Mein Zuhause in Köln" wurde dieser Bereich jedoch stark ausgebaut.

319 Angebote waren seit Aschermittwoch bereits online, knapp 90 davon sind vermittelt, auf die anderen können Studenten sich weiterhin bewerben. "Einige Zimmer befinden sich im Kölner Umland, die sind nicht so begehrt", weiß Sofia Emexidis, stellvertretende Abteilungsleiterin Studentisches Wohnen beim KSTW. Dennoch: Gibt man in der Suchmaske des Portals als Einzugsbereich Köln und als Wohnungsart Zimmer ein, öffnen sich 75 noch nicht vermietete Angebote.

Bad und Küche teilen

Yannick Pechtloff war der vierte Interessent für Vera Dreßens ehemaliges Arbeitszimmer, die ersten drei hatten die Besichtigungstermine abgesagt. "Luca hat Yannick getroffen, ihm die Wohnung gezeigt und fand ihn nett - deswegen haben wir ihm gleich das Zimmer angeboten", sagt Dreßen. Zuvor hatte Pechtloff schon auf anderen Portalen wie "wg-gesucht" geschaut, "aber dort sind die meisten inserierten Zimmer ja schon längst vergeben".

Jetzt teilen Pechtloff und die beiden Dreßens sich Bad und Küche, außerdem hat jeder ein eigenes Zimmer. "Für mich bedeutet das platzmäßig natürlich eine Einschränkung. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in einem Raum gelebt, geschlafen und gearbeitet habe", sagt Vera Dreßen und lacht. "Aber ich freue mich über die Veränderung." Auch Pechtloff sieht die WG nicht als Übergangslösung, er will länger bleiben. Einen Haushaltsplan wollen die drei beim gemeinsamen Raclette-Essen am Wochenende ausarbeiten.
www.mein-zuhause-in-koeln.de

Ungewöhnlich Wohnen

Wohnt ihr auch ungewöhnlich? Vielleicht auf einem Bauwagenplatz, Schiff, Bauernhof oder Hostel? Wohnt ihr mit vielen Mitbewohnern zusammen, mit vielen Haustieren oder ist der Altersunterschied in eurer WG besonders groß?

Wir suchen für KSTA Campus Studenten, die ungewöhnlich wohnen und uns einen Einblick in ihr Zuhause geben wollen. Meldet euch unter: campus@ksta.de

Auch interessant
Service
Hörsaal-Knigge

Was nervt euch in einer Vorlesung am meisten?

Bildergalerien
alle Bildergalerien
Sonderveröffentlichung
Fortbildung
Mitarbeiter sollten in Ruhe darüber nachdenken, wie ernst es ihnen mit den guten Vorsätzen ist – so kann man vermeiden, unrealistischen Zielen nachzueifern.

Mehr Gehalt fordern oder sich für eine Fortbildung anmelden? So klappt´s im Job!

Kleinanzeigen