29.08.2016
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Chefs der Abtei Brauweiler unter Verdacht

Bild: Krasniqi

In der Abtei Brauweiler ging die Staatsanwalt gestern Hinweisen auf Veruntreuung nach.

Köln / Brauweiler - Leitende Mitarbeiter des Landschaftsverbands (LVR) sollen in großem Stil Besitz und Arbeitskräfte der Abtei Brauweiler für private Zwecke genutzt haben. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen sie wegen Untreue. Gestern wurden in der Außenstelle des LVR, in der das Rheinische Archiv- und Museumsamt sowie das Rheinische Amt für Denkmalpflege untergebracht sind, Unterlagen beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft geht anonymen Hinweisen, aber auch konkreten Vorwürfen eines Zeugen nach.

Sie reichen nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ von Kleinigkeiten wie der Nutzung von Abteibesitz für private Feste bis hin zu Wohnungsrenovierungen durch Mitarbeiter der LVR-Werkstätten. Ein ehemaliger Angestellter spricht von „Schwarzarbeit in großem Stil“. So sollen in der Schreinerei maßgeschneiderte Küchen gefertigt worden sein, um sie dann an Privatleute verkaufen zu können. Von den handwerklichen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter sollen auch die Amtsleiter in Brauweiler profitiert haben. So sollen Mitarbeiter die Wohnungen der Töchter des Verwaltungschefs renoviert haben, schreibt Rechtsanwalt Christoph Schepers, der zwei arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit dem LVR führt. In der Schreinerei sollen Gartenmöbel für den Chef gebaut worden sein, wie der ehemalige Personalvertreter Holger Ewald sagt. Auch Wartung und Reparaturen an den Privatwagen mehrerer Angestellter sollen in der hauseigenen Kfz-Werkstatt erfolgt sein. Laut eines internen Ermittlungsprotokolls des LVR bestätigt ein Handwerker des Amts, für den technischen Leiter der Abtei in seiner Dienstzeit eine Wendeltreppe gebaut zu haben. Außerdem soll Besitz der Abtei verkauft und verliehen worden sein. Anwalt Schepers spricht von einer „ausgeprägten Selbstbedienungsmentalität“ in der Außenstelle des Landschaftsverbands, dessen Kölner Zentrale seit langem von den Vorwürfen wisse, aber nichts dagegen unternehme.

Der LVR bestreitet das. Man habe die Vorwürfe geprüft, sagt Sprecher Christophe Göller. Es seien aber nur „geringfügige Dienstvergehen“ festgestellt worden. Der LVR habe drei Ermahnungen ausgesprochen. Die Vorwürfe gegen den Verwaltungsleiter hätten sich nicht erhärtet. Jetzt wolle man zunächst die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten. Mehr könne man zurzeit nicht sagen.

Die meisten Vorwürfe finden sich auch in einer ausführlichen Kündigungsschutzklage, mit der sich Udo Dreiling, ein ehemaliger Hausmeister der Abtei, mit Schepers Hilfe gegen den LVR wehrt. Er war rausgeflogen, weil er drei Küchenregale und eine Thermobox aus ehemaligen Küchenbeständen des Amts verkauft hatte. Seine Verteidigungsstrategie: Weil solche Dinge in der Abtei üblich waren, könne er nicht dafür entlassen werden. Das Gericht stellte sich in erster Instanz dagegen auf den Standpunkt: Untreue bleibt Untreue, auch wenn alle drumherum dasselbe tun.

Mobbing beklagt

Dreiling möchte genau wie Ex-Personalvertreter Ewald, der sich ebenfalls mit dem LVR vor Gericht auseinandersetzt, weiterkämpfen. Beide sehen sich als Opfer eines „von oben gesteuerten Mobbings“. Unbequeme Mitarbeiter würden gezielt rausgedrängt. Wenn Ewald und Dreiling ihre Sicht auf das Betriebsklima in der Abtei beschreiben, hört man wenig Schmeichelhaftes über den öffentlichen Arbeitgeber LVR. Auch das ist mittlerweile ein Fall für die Polizei, die Anzeigen wegen Verleumdung und übler Nachrede nachgehen muss. Göller weist für den LVR die Mobbing-Vorwürfe zurück. Man habe dafür keine Anhaltspunkte gefunden.


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