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Hildebrandt in Köln: Es kratzt da, wo es juckt

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Dieter Hildebrandt im Bürgerzentrum Chorweiler. Foto: michael bause
Dieter Hildebrandt war im Mai 2013 zu Gast im ausverkauften Bürgerzentrum Chorweiler. Das Urgestein des deutschen Kabaretts bewies wieder einmal, dass er nicht viel auf der Bühne braucht.  Von
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„Wenn man das schon so lange macht wie ich, dann kommt zwangsläufig einmal der Tag, an dem man auch nach Chorweiler kommt.“ Ein Satz, ein Treffer – und Dieter Hildebrandt hat das Publikum im Sack. Im ausverkauften Bürgerzentrum Chorweiler war das Urgestein des deutschen Kabaretts im Rahmenprogramm des DGB-Politkabarett-Festivals zu Gast.

Hildebrandt, der in diesen Tagen 86 Jahre alt wird, braucht nicht viel auf der Bühne: einen Tisch, einen Stuhl, ein Ansteckmikro – das war’s dann auch schon, und der Meister legt los, wie ein junger Spund, vermeintlich unsicher, so als täte er es zum ersten Mal.

Er haspelt die Worte ins Publikum, überholt sich dabei sprachlich selbst, geht in die verbale Kurve, kommt in irrsinnigen Schwenks vom Hölzchen aufs Stöckchen – und irgendwann dämmert es dem Publikum, dass das keine Konfusion ist sondern genau jenes Stilmittel, mit dem Hildebrandt seit Mitte der 1950er Jahre die Münchner Lach- und Schießgesellschaft zu kabarettistischen Höhenflügen führte und Fernsehsendungen wie den Scheibenwischer und die Notizen aus der Provinz zu Dauerbrennern machte.

Hildebrandt war mit seinem Programm „Ich kann doch auch nichts dafür“ nach Chorweiler gekommen. Aber was heißt schon Programm bei solch einem Kabarettisten? Kabarett lebt von der Aktualität und Spontaneität, und so macht sich Hildebrandt im schnellen Galopp über die Schlagzeilen von heute und vom Vortag her. Er mokiert sich über die „ganz kleinen Gerichtssäle“ in Bayern, merkt an, dass die Bayern besser lesen und schreiben als Restdeutschland – aber eben nur, wenn sie ganz klein sind. Hoeneß, der sei doch „ein Fall für den Eurologen“, und Hildebrandt sinniert, ob denn nun der Kachelmann die Schwarzer vergewaltigt habe, oder ob es nicht doch umgekehrt war?

Bitterböse wird es, als Hildebrandt mutmaßt, Gunter Sachs habe sich erschossen, weil er sich nicht mehr an den Namen der Insel erinnern konnte, auf der er sein Schwarzgeld geparkt hatte. Und zwischendurch dann immer wieder der Einwurf „Das musste noch raus, bevor das Programm anfängt!“
Es gibt kaum ein deutsches Thema, das vor Hildebrandt sicher ist – immer frei nach dem Motto „Glück ist, wenn man sich da kratzen kann, wo’s juckt.“ Ihn jucken gedruckte Lebenserinnerungen von jungen Menschen im Stimmbruch, natürlich, aber nicht nur, bayerische Politiker („Der Seehofer – man ertappt ihn nie bei einer Meinung“). Und er macht Mut: „Optimismus – das ist, wenn ein 95-Jähriger zur Vorsorge geht“ und wenn man „das Thema Inkontinenz umschifft“.

Nach 80 prallvollen, kurzweiligen und packenden Minuten – zu einer Zeit, als man denkt, jetzt noch ne Zugabe und er hat sich seinen Feierabend redlich verdient – kündigt Hildebrandt nur eine Pause an. Und legt kurz darauf noch eine weitere Stunde drauf – genau so spannend, genau so atemlos, genau so fit. Er scheint wirklich ungebrochenen Spaß und diebische Freude an dem zu haben, was er da auf der Bühne vom Stapel lässt.

Dass das Publikum in Chorweiler zum Schluss wie ein Mann respektive wie eine Frau aufspringt und dem Doyen des deutschen Kabaretts seine Reverenz erweist – eine Selbstverständlichkeit an diesem herausragenden Abend.

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