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Bauprojekt : Engländer will alten Gasthof retten

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Eine historische Lithografie zeigt die „Gartenwirthschaft“ und den früheren Gasthof. Foto: Philipp Haaser
Ein englischer Investor plant die Sanierung des Worringer Gasthofs an der Alten Neusser Landstraße. Doch Bürger, Vereine und Politiker sorgen sich weiter um Zukunft des historischen Gemäuers. Viele Fragen sind noch offen.  Von
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Worringen

Früher, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, haben die Landwirte hier ihr Bier in der Abendsonne genossen. Und viele Worringer schätzten seither Speis und Trank im Worringer Gasthof an der Alten Neusser Landstraße. Seit einigen Jahren nun steht das denkmalgeschützte Gebäude leer, verfiel bislang zusehends. Inzwischen trennt allerdings ein Bauzaun das Grundstück von der Landstraße; Arbeiter haben damit begonnen, auf dem Gelände aufzuräumen, Müll wegzuschaffen. Und ein Plakat verkündet mittlerweile, dass sieben neue Einfamilienhäuser auf dem Grundstück entstehen sollen. Die Worringer schöpfen vorsichtig Hoffnung, dass der Gasthof bald wieder bewohnt wird.

„Hier im Ort stehen so tolle Denkmäler“, sagt Hans-Josef Heinz vom Worringer Heimatarchiv. Er und seine Vereinskollegen setzen sich seit Jahren für das Gebäude ein. In der Vergangenheit hat er sich schon mehrfach an das Amt für Denkmalschutz gewandt, um zu erfahren, wie der Verfall aufgehalten werden soll. Eine Reaktion habe er nie erhalten, sagt Heinz.

Unfertige Baustelle befürchtet

Der Brite Michael Kirkbride hat das Grundstück, auf dem das alte Haus steht, bei einer Zwangsversteigerung Anfang 2012 erworben. Er würde gerne hier bauen. Doch die Erfolgsaussichten sind umstritten. Bezirksvertreter Jürgen Kircher (SPD) etwa ist skeptisch. Der Worringer verfolgt ebenfalls genau, was mit dem Gebäude passiert, seit der vorige Betreiber 2010 Insolvenz angemeldet hat. „Wir als Fraktion würden es sehr begrüßen, wenn das Denkmal instand gesetzt wird, haben aber die Sorge, dass da eine weitere unfertige Baustelle entsteht“, sagt er und verweist auf eine zweite Baustelle an der Ecke Alte Neusser Landstraße und Kurzer Damm.

An dem Vorhaben dort ist Kirkbride als Mitgeschäftsführer und Mitgesellschafter der Firma Wohnen am Strom MKPS GmbH beteiligt. Auf diesem Eckgrundstück, 300 Meter vom Gasthof entfernt, steht ein fast fertiges Mehrfamilienhaus. Seit mehr als einem Jahr ruhen die Arbeiten jedoch. Mehrere Handwerker wurden von der Firma nicht vollständig bezahlt, Kirkbride verhandelt als Mitgeschäftsführer nach eigenen Angaben für das Unternehmen mit der Kreissparkasse, ob das Gebäude zu Ende gebaut werden darf. Er setzt sich dafür ein und ist sicher, dass der Verkauf der fertig gestellten Eigentumswohnungen genügend Geld einbringen würde, um alle offenen Rechnungen zu begleichen.

Wohnungen im Gasthof geplant

Das Grundstück mit dem fast vollendeten Mehrfamilienhaus steht jedoch seit Anfang des Jahres unter Zwangsverwaltung – auf Antrag der Bank. Die Kreissparkasse betreibt als Hauptgläubiger zudem ein Verfahren zur Zwangsversteigerung. Laut Kirkbrides Anwalt liege „die Fertigstellung der Objekte nunmehr ausschließlich in der Hand der Kreissparkasse Köln“. Ein Sprecher der Bank lehnt auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ eine Stellungnahme ab, beruft sich aufs Bankgeheimnis.

Kirkbride ist dennoch fest entschlossen, die Renovierung des alten Gasthofs und die geplanten Neubauten ringsum in Angriff zu nehmen. Ihm zufolge seien die beiden Worringer Vorhaben unabhängig voneinander zu betrachten. Den Gasthof samt Grundstück hat er als Privatperson erworben, unabhängig von der GmbH. Die Schulden des Vorbesitzers sind bereits beglichen. Von einem Freund habe er sich das nötige Geld für die Um- und Neubauten besorgt, so Kirkbride. Erste Pläne habe er schon ausarbeiten lassen. Auf dem Grundstück des alten Gasthofes, 1200 Quadratmeter groß, plant der Brite sieben Reihenhäuser mit einer Wohnfläche zwischen 90 und 135 Quadratmetern. Den Gasthof würde er gern möglichst denkmalgerecht – er benutzt das englische Wort „sympathetic“ – umbauen. Vier Wohnungen sollen in dem Gemäuer entstehen. Mit dem Amt für Denkmalschutz habe er Kontakt aufgenommen; das Bauaufsichtsamt habe eine Voranfrage für einen Bauantrag positiv beschieden, so Arthur Böhm, ein befreundeter Bankkaufmann, der Kirkbride nach eigenen Angaben bei diesen Angelegenheiten „hilft“.

Ein Stück Heimatgeschichte

SPD-Bezirksvertreter Kircher würde sich freuen, wenn das Projekt gelänge. „Uns geht es darum, das Alte zu erhalten“, sagt er, „und wir haben auch nichts dagegen, Altes und Neues zu verbinden.“ Das würde, ebenso wie die Wohnungen im Neubau Kurzer Damm 1c, den Ort aufwerten. Vor allem aber sei der Gasthof ein Stück Heimatgeschichte.

Das Gelände gehörte bis 1848 zum angrenzenden Frohnhof, schreibt Dagmar Hötzel in ihrem Buch über die Siedlungsgeschichte Worringens. Ein Hof mit Schweinen, Kühen und Pferden entstand im 17. Jahrhundert, 1875 kam eine Gastwirtschaft mit Terrasse hinzu. 1906 schließlich wurde unmittelbar an der Straße das heute noch erhaltene Wohnhaus gebaut. Auf einer Lithografie vom Beginn des 19. Jahrhunderts ist eine Kutsche zu sehen, die vor der Terrasse steht. Zwei Kinder auf Fahrrädern halten auf die gut besuchte „Gartenwirthschaft“ zu.

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