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Bauwagenprojekt: Und plötzlich taucht ein Retter auf

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Für den Bauwagen engagieren sich Markus Meller (SKM-Familienzentrum Fortuinweg), Sylke Born (Stiftung „Ein Herz lacht“), Sozialarbeiter Florian Springwald, Kamil Sarisen und Margret Hees. Foto: Waldschmidt
Der Sozialdienst Katholischer Männer kämpft seit Jahren darum, den Bauwagen als Anlaufstelle für Jugendliche zu erhalten. Weil das Projekt finanziell vor dem Aus stand, sprang ein Sponsor in die Bresche.  Von
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Roggendorf/Thenhoven.

Kamil Sarisen ist erst seit einem halben Jahr als Stifter tätig, aber die wichtigste Lektion hat er schon verinnerlicht: Lass dich nicht zum Dukatenesel machen – wenn du Geld gibst, stelle Bedingungen. Da er in seinem früheren Leben ein erfolgreicher Unternehmer war und deshalb Vertragsverhandlungen zu führen gewöhnt ist, fällt dem 60-Jährigen das nicht schwer. Im Bauwagen am Mönchsfeld erklärte er also: „Ich wäre bereit, die Summe, die die Stadt Köln jetzt gibt, um 20 Prozent aufzustocken – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die bisherigen Öffnungszeiten in vollem Umfang aufrechterhalten werden.“ Margret Hees, die Sarisen gegenüber auf der Holzbank sitzt, strahlte vor Freude: „Das ist ja mal ein Wort!“

Die Fachbereichsleiterin beim Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) kämpft seit Jahren darum, dass der Bauwagen in Betrieb bleiben kann. Der steht auf einem Parkplatz mitten in der Gagfah-Siedlung und ist ein mobiler Jugendtreff in Trägerschaft des SKM. Aufgestellt wurde das Gefährt im April 2010. Derweil hat es Patina bekommen: Die Graffiti außen, die damals die Mittwochsmaler aus Lucky’s Haus aufgesprüht hatten, blättern ab. Innen ist der Zustand nach wie vor tipptopp: blassgelb gestrichene Wände, gemütliche Sitzecke, eine Kochnische mit fließendem Wasser und Elektroanschluss. Am hinteren Ende des Bauwagens gibt es sogar eine Toilette.

Alternative zum Abhängen

Tulli (11, links) und Donja  (8) spielen „Kaffee trinken wie die Großen“ – im Bauwagen ist den Kindern Kaffee nämlich nicht erlaubt.
Tulli (11, links) und Donja (8) spielen „Kaffee trinken wie die Großen“ – im Bauwagen ist den Kindern Kaffee nämlich nicht erlaubt.
Foto: Waldschmidt

In der Gagfah-Siedlung, die mit ihren Wohnblocks in grauer Waschbeton-Architektur einen nicht gerade anheimelnden Eindruck macht, leben rund 200 Kinder und Jugendliche. Den Kleineren bietet der Chorweiler Verein Kindernöte seit längerem in einer Wohnung Nachmittagsbetreuung. Für die Größeren aber gab es bis 2010 im Veedel kein einziges Freizeitangebot. Also machten sie die Gegend unsicher, lungerten vor allem am nahen S-Bahnhof herum. Pendler fühlten sich belästigt, Anwohner beklagten Beschädigungen und Pöbeleien.

Die Lage hat sich beruhigt, seit die Jugendlichen im Bauwagen eine Alternative haben, dienstags bis freitags von 17 bis 20 Uhr steht die Tür offen. Sie kommen einfach nur zum Abhängen, aber auch zum Ball- oder Kartenspielen. Freitags wird Rapmusik gemacht im improvisierten Tonstudio, darüber hinaus erhält, wer will, Hilfe bei Bewerbungen oder in Streitfällen. Vor allem jetzt im Sommer sei viel los, wenn die Biertische, die zum Inventar gehören, vor dem Wagen stehen; dann hätten viele Jugendliche auch ihre kleineren Geschwister im Schlepptau, erzählte Florian Springwald, einer von derzeit zwei Betreuern.

Der 24-Jährige studiert an der FH Soziale Arbeit. Der Halbtagsjob im Bauwagen sichert seinen Lebensunterhalt, ist zudem berufsqualifizierend. Vor allem die Personalkosten schlagen bei den Betriebskosten zu Buche, sagte Margret Hees. Pro Monat fallen 3000 Euro an, jährlich sind rund 39 000 Euro notwendig, um etwa die zwei Halbtagsstellen zu finanzieren. Die ersten zwei Jahre brachte die Hit-Stiftung die Summe auf. Die Stadt Köln habe in Aussicht gestellt, von April 2013 an die Finanzierung zu übernehmen, doch als es so weit war, habe bei der Stadtverwaltung niemand mehr etwas von der Zusage wissen wollen, heißt es beim SKM.

Förderer halfen bei der Finanzierung

Das vielgelobte Bauwagenprojekt stand vor dem Aus. In ihrer Not mobilisierte Hees Anfang März die Medien. Die berichteten über das akute Finanzloch. Und das kaum erhoffte Wunder geschah: Ein Mäzen tauchte auf, wie aus dem Nichts. Kamil Sarisen nämlich las den Artikel im „Kölner Stadt-Anzeiger“ und meldete sich beim SKM. Mit 6000 Euro half er dem Bauwagenprojekt aus der Patsche, finanzierte den Betrieb zwei Monate lang, im April und Mai. Seine im Dezember 2012 frisch gegründete Stiftung „Ein Herz lacht“ fördert Einrichtungen für Kinder und Jugendliche.

Im Juni sprangen die Bezirksjugendpflege und die Katholische Pfarrgemeinde in Worringen ein und sponserten gemeinsam ebenfalls den Bauwagen. Im Juli kam dann die erlösende Nachricht: Der Jugendhilfeausschuss der Stadt bewilligte 20 000 Euro für 2013. Was ab Januar 2014 wird, steht allerdings in den Sternen. „Es ist so aufreibend, auch für die Bauwagen-Mitarbeiter, ständig neu Anträge schreiben und bangen zu müssen“, seufzte Margret Hees. Gleichzeitig hat sie neuen Mut gefunden, denn einen Gewährsmann mehr weiß sie jetzt an ihrer Seite: Kamil Sarisen.

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