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Fahrgastunterstände: Weg mit den Wartehäuschen

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Auch die beiden Wartehäuschen an der Ecke von Zypressenstraße und Stallagsweg sollen laut KVB abgebaut werden. Foto: Wischgoll
Im Kölner Norden sind Bezirksvertreter verärgert über die stiefmütterliche Behandlung durch die Stadt. Streitpunkt ist der Abbau von Wartehäuschen an Bushaltestellen, dabei sollen eigentlich mehr Häuschen entstehen.  Von
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Chorweiler

Des öfteren klagen die Bezirksvertreter von Chorweiler über eine stiefmütterliche Behandlung seitens der Stadt. Nun gibt es erneut Ärger, der sich in einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung entlud. Im Stadtbezirk wird es künftig an 89 Bus- und Bahnhaltestellen einen so genannten Fahrgastunterstand geben – ein Schutz, damit wartende Passagiere nicht im Regen stehen müssen. Das sind 37 mehr als zuvor, eigentlich eine gute Nachricht also – wenn nicht parallel 23 Bushaltestellen ihr Häuschen verlieren würden. An den Bahnstationen ändert sich dagegen nichts.

Der Hintergrund: Stadt und Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) stocken ihre Fahrgastunterstände auf, von derzeit 1290 auf 1500. In diesem Zusammenhang wurden alle Standorte geprüft und anschließend festgelegt, dass nur solche Bus-Stopps einen Schutz bekommen können, an denen mindestens 40 Fahrgäste pro Tag einsteigen. Das Problem: Haltestellen, die über ein Häuschen verfügen, aber unter die Mindestgrenze fallen, müssen es abgeben. So kann es passieren, dass eine Station ihr Dach verliert, die gegenüberliegende Haltestelle in die andere Fahrtrichtung ihres aber behält – weil dort eben mehr Leute stehen.

Es fehlt an Unterständen

Im Bezirk Chorweiler sind Stationen in Auweiler, Esch, Chorweiler, Fühlingen, Langel, Heimersdorf, Seeberg, Rheinkassel und Worringen betroffen.
Als Stadt und KVB nun eine entsprechende Liste vorlegten, war die Empörung in der Bezirksvertretung fraktionsübergreifend groß. Die Liste sei „ohne Sinn und Verstand“ abgefasst, in einem ländlichen Gebiet wie Chorweiler könne das Fahrgastaufkommen als Kriterium nicht gelten.

Generell fehle es an Unterständen, und nun würden sogar bestehende abmontiert, lautete der allgemeine Vorwurf. Einige Bezirksvertreter bezweifelten, dass die Passagierzahlen überhaupt der Realität entsprächen. Die stammten nämlich aus dem Jahr 2009 und seien womöglich veraltet. „Gerade in Chorweiler, wo es nichts gibt, brauchen wir Unterstände“, klagte Ira Sommer von der CDU. Im Gegensatz zur Innenstadt gebe es dort oft keine Möglichkeit, sich vor Regen beispielsweise in einem Hauseingang zu schützen. „Die Fahrgäste und gerade viele Schulkinder warten im Regen.“

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„Damit setzen Sie ein Signal“, warnte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Wolfgang Kleinjans. „Wenn ich möchte, dass die Leute öffentliche Verkehrsmittel nutzen, muss ich einen Unterstand bereitstellen.“

„Es kann nicht ein, dass einer der ländlichsten Bezirke Kölns die schlechteste Anbindung und die schlechteste Taktung im öffentlichen Nahverkehr hat“, polterte Jürgen Kircher von der SPD. „Es kann nicht sein, dass wir bestraft werden, nur weil wir ländlich wohnen. Wir wollen nichts geschenkt bekommen, aber wir brauchen diese Häuschen, weil der Bus bei uns eben nicht im Zehn-Minuten-Takt kommt.“ Michael Birkholz von der FDP fügte hinzu: „Ich kenne drei Haltestellen, an denen das Dach entfernt werden soll. Dort auf den Bus zu warten, wird in Zukunft eine Zumutung sein. Vor allem, wenn man ihn gerade eben verpasst.“

1376 Kölner Bushaltestellen haben keinen Wetterschutz

1290 Fahrgastunterstände stehen derzeit an Kölner Haltestellen, 1260 davon hat das Außenwerbungsunternehmen JC Decaux installiert. Etwa 520 davon stehen an Stadtbahn-Stationen, der Rest an Bushaltestellen. Während Bahnstopps grundsätzlich über mindestens ein Dach verfügen, müssen 1376 Bushaltestellen ohne Schutz auskommen.

Dank der Ausschreibung des Vertrages zur Werbenutzung, den die Stadt 2013 ausgeschrieben hat, kann die Anzahl der Unterstände auf 1500 aufgestockt werden. Alle alten Exemplare werden durch JC Decaux abgebaut. Für die Aufstellung der neuen wird der künftige Konzessionär zuständig sein.

An Stadtbahnhaltestellen sind bei einer Zahl von 200 Ein- und Aussteigern pro Tag zwei Unterstände vorgesehen, ab 5000 Einsteigern vier und ab 10 000 sechs. Bei den Bushaltestellen liegt die Mindestzahl für ein Wartehäuschen bei 40 Personen, ab 500 Einsteigern gibt es zwei und ab 5000 drei Unterstände.

Im Bezirk Chorweiler sollen die Häuschen an folgenden Bushaltestellen in beide Richtungen abgebaut werden: Hermann-Löns-Straße, Donatusstraße, Chorweiler, Zypressenstraße, Merianstraße, Langel Kuhlenweg, Blockstraße, Oranjehofstraße, Rheinlandstraße.

In nur eine Richtung werden folgende Häuschen abgebaut: Auweiler, Johannes-Prassel-Straße, Stallagsweg, Friedhof Chorweiler, Fühlingen, Robert-Bosch-Straße, Walter-Dodde-Weg. (süs/pew)

Vertretrer von KVB und Stadt versuchten, die verärgerten Kommunalpolitiker zu besänftigen. „Ihre Kritik ist angekommen“, sagte Christian Dörkes vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik. „Aber das ist jetzt auch eine Chance, den Fahrgästen, die tatsächlich öffentliche Verkehrsmittel nutzen, etwas Gutes zu tun.“ Dörkes verwies auf 50 Dächer, der der Stadt optional zur Verfügung stehen – zusätzlich zu den 1500 geplanten Bushäuschen. „Damit können wir auf Veränderungen reagieren.“

1500 neue Fahrgastunterstände sollen im gesamten Kölner Stadtgebiet aufgestellt werden. Foto: Wischgoll

Der Zeitplan ist straff

Gunther Höhne von der KVB ist überzeugt: „Es ist eine Illusion anzunehmen, dass Fahrgäste kommen, sobald ein Unterstand da ist.“ Stattdessen schlug er den Bezirksvertretern vor: „Wenn Sie Verschiebungen innerhalb ihres Bezirks wollen, ist das möglich. Wir beraten Sie gerne.“ Mehr Unterstände gebe es aber nicht. „Die Zahl ist und bleibt begrenzt.“

Zudem machte Höhn Druck. „Am 2. Juli wird der Verkehrsausschuss über die Liste entscheiden. Der Zeitplan ist straff, da wir die Dächer an den jeweiligen Haltestellen innerhalb eines Tages auswechseln oder neu montieren möchten.“ Bei einer Sondersitzung mit Stadt und KVB vor dem 2. Juli soll nun geklärt werden, welche Stationen mit einem Häuschen ausgestattet werden.

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