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Familienhebamme: Viele Angebote für junge Eltern

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Die Mütter in der Seeberger Babygruppe tauschen bei ihren wöchentlichen Treffen Erfahrungen aus. Foto: Philipp Haaser
Wenn der erste Nachwuchs da ist, müssen sich viele Eltern erst einmal auf ihre neue Rolle einstellen. Hier setzt Familienhebamme Sabine Lieder an, sie gibt verschiedene Kurse für junge Familien.  Von
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Chorweiler

Leon hat keine Geschwister. Der acht Monate alte Säugling robbt zu Mira hinüber und greift nach einem Auto, das seine Spielkameradin gerade in ihren kleinen Fingern hält. „Meine besten Freunde sind alle berufstätig und kinderlos“, erzählt Nadine Schumacher (23), Leons Mutter. Leon fremdelt zurzeit, er mag es nicht, wenn andere Kinder ihm zu nahe kommen. „Deshalb bin ich hier, damit er sich daran gewöhnt“, sagt Schumacher. Leon bekommt das Auto nicht, verzieht das Gesicht und fängt an zu weinen.

Schumacher sitzt mit sechs anderen Müttern im ersten Stock des evangelischen Familienzentrums in Seeberg am Paul-Löbe-Weg. Die Frauen trinken Kaffee, spielen mit den Kleinen, singen und plaudern. Eine von ihnen hat Möhrenkuchen mitgebracht. Sabine Lieder lädt einmal pro Woche hierher zur Babygruppe ein. Die Familienhebamme arbeitet für den Verein Kindernöte und übernimmt im Bezirk Chorweiler die Hausbesuche bei Familien, die gerade ein Kind bekommen haben.

Kiwi, „Kinder willkommen“, heißt das städtische Programm, in dessen Rahmen diese Hausbesuche stattfinden. Bis die Kinder ein Jahr alt sind, kümmert sich Lieder um Familien, die das wünschen und kümmert sich um Familien, die gerade Nachwuchs bekommen haben. Die Babygruppe in Seeberg gehört zum Netzwerk „Kleine Schritte“. Mit elf Angeboten möchte der Verein frischgebackene Eltern erreichen.

Drei Mutter-Kind-Gruppen, eine Vater-Kind-Gruppe, Baby-Schwimmen, Musikalische Früherziehung, Gymnastik für Mütter, Babymassage und eine Hebammensprechstunde gehören zum Projekt. Für die Eltern ist die Teilnahme fast immer kostenlos. Bis Ende Januar hat die Stiftung Wohlfahrtspflege das Netzwerk finanziert. Im Moment ist unklar, ob alle Kurse weiter angeboten werden können. „Kleine Schritte“ wurde als Modellprojekt drei Jahre lang mit 90 000 Euro im Jahr von der Stiftung gefördert, 10 000 steuerte das Bezirksjugendamt bei. Personalkosten für die Hebamme, eine Erzieherstelle und einige Stunden für die Koordination wurden damit finanziert. Die Förderung endete planmäßig zum 31. Januar dieses Jahres. Sabine Lieder arbeitet erst einmal weiter, bezahlt aus den Rücklagen des Vereins. Jugendamt und Verein bemühen sich jetzt um eine Finanzierung über das Bundesprogramm „Frühe Hilfen“.

Zurzeit 17 Kurse im Angebot

„In Chorweiler gibt es eine große Anzahl von jungen, oft alleinerziehenden Müttern. Da ist dieses Angebot besonders sinnvoll“, betont Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge (Grüne). Mit einer Anfrage wollte die Grünen-Fraktion in der vergangenen Bezirksvertretungssitzung von der Stadt erfahren, was sie zu tun gedenke. Auch die Familienhebamme kann der Verein derzeit nur mit einer halben Stelle beschäftigen. Wittsack-Junge fürchtet, dass das aufgebaute Vertrauen verloren gehen könnte.

Insgesamt werden im Bezirk Chorweiler 17 Kurse angeboten. Für sechs der elf Kurse von Kindernöte haben sich mittlerweile andere Träger oder Sponsoren gefunden. „Wir würden ja nichts weiterführen, was nicht gut angenommen wurde“, sagt Anna Knauer von der Geschäftsleitung des Vereins, doch die Nachfrage sei groß. „Normalerweise kosten beispielsweise Kurse zur Babymassage Gebühren, und das kann sich nicht jeder leisten“, so Knauer.

Junge Mütter wünschen sich Unterstützung

Den Müttern ist Gelegenheit zum Austausch höchst willkommen – das gilt auch für die Seeberger Gruppe. „Das Zähneputzen ist eine Katastrophe“, sagt eine von ihnen; „er kann jetzt gehen, drei Meter schafft er schon“, verkündet eine andere. Mira bekommt gerade vier Zähne. „Diese Nacht war schlimm“, berichtet ihre Mutter Sandra Herzberg. Die 30 Jahre alte Angestellte einer Versicherung besucht dreimal in der Woche Angebote von Kindernöte. Auch ihre Freunde haben fast alle keine Kinder. „Die können nur abends, ich kann tagsüber, da musste ich mir etwas suchen. Ich brauchte Programm“, sagt sie. Auch Mira tut die Begegnung mit anderen Kindern gut. „Sie lernt viel hier, streiten, Spielzeug teilen. Und sie sieht, wie die anderen krabbeln.“ Sabine Lieder fragt in die Runde, ob jemand Interesse am Kursus „Babybrei kochen“ hat. Die Frauen sprechen kurz über die richtige Ernährung der Kinder.

Auch Hans-Joachim Havekost weiß, dass sich gerade junge Frauen solche Angebote und Unterstützung wünschen. „Vor allem die Familienhebamme findet große Anerkennung“, sagt der Leiter des Bezirksjugendamtes Chorweiler. Mit dem Verein sucht er nach einer Lösung. Mit dem Wunsch, das Programm weiterzuführen, renne Kindernöte „offene Türen“ ein, so Havekost. Seit 2012 stellt der Bund jährlich Geld für sogenannte Frühe Hilfen zur Verfügung. Damit werden Projekte finanziert, mit denen Kinder frühzeitig gefördert werden. Zudem war es Intention, rechtzeitig zu erkennen, wenn Familien überfordert sind und Unterstützung brauchen. Über die Verteilung der Mittel entscheidet die Kommune, für 2013 steht das noch aus.

592 000 Euro stehen 2013 für die neun Kölner Bezirke zur Verfügung, ungefähr genauso viel wie 2012. Havekost stellt in Aussicht, dass zumindest die Familienhebamme mit dem Geld finanziert werden kann. „Spezielle Angebote wie etwa das Babyschwimmen haben wir bislang auch bei anderen Trägern nicht finanziert. Mag es auch sinnvoll sein, wir werden einfach nicht alles hinkriegen“, dämpft er weitergehende Erwartungen.

Hilfsprojekte setzen schon vor der Geburt ein

Das Programm „Frühe Hilfen“ ist eine Initiative des Bundes. Grundlage ist das Anfang 2012 in Kraft getretene Kinderschutzgesetz.

Bis 2015 stehen 177 Millionen Euro bereit. Die Kommunen sollen das Geld nutzen, um ein Netzwerk aus Angeboten für Familien mit Kindern unter einem Jahr und werdende Eltern zu schaffen.

In Köln gehören auch die Kinder-Willkommensbesuche (Kiwi) dazu: Ehrenamtliche schauen zu Hause bei den Familien vorbei und informieren über Anlaufstellen und Unterstützungsangebote.

Die Familienhebammen sollen ebenfalls über die Initiative finanziert werden. Auch sie beraten und fördern Familien mit Kindern unter einem Jahr. (phh)

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