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Jugendförderung: Richtiges Training für Hauptschüler

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Zu den Schülern, die von Coach Nuran Ertem (3.v.r.) bei der Feier Urkunden überreicht bekamen, gehörte beispielsweise Hanife (17, r.). Foto: Waldschmidt
Der Gymnasial- und Stiftungsfonds fördert unter dem Titel „Einsteigen - Aufsteigen“ seit fünf Jahre auch Hauptschüler an der Ursula-Kuhr-Schule - und das mit viel Erfolg. Auch im neuen Schuljahr wird das Programm fortgesetzt.  Von
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Heimersdorf

Wortkarg, unbewegte Miene, sparsame Gestik – so kommen männliche Trainer im Sport oft daher. Die Diplom-Pädagogin Nuran Ertem ist das genaue Gegenteil: eine zierliche Frau mit ausdrucksstarken Augen und einem quecksilbrigen Temperament. Wenn sie aber mit ihrer rauen, leicht kratzigen Stimme zu sprechen beginnt, energisch und klar im Ausdruck, spürt man: Diese Frau ist durchsetzungsstark. Und deshalb genau die Richtige für ihren Job: Seit fünf Jahren trainiert sie Hauptschüler. Indem sie eine regelmäßige Sprechstunde anbietet, aufmerksam zuhört, zum Lernen ermutigt, in Streitfällen interveniert.

Das Coaching-Programm heißt „Einsteigen – Aufsteigen“, für die Schüler ist die Teilnahme freiwillig. Zuerst war es an der Hauptschule Brehmstraße in Riehl verankert, danach an der Paul-Humburg-Hauptschule in Longerich. Weil aber beide geschlossen wurden, kam Nuran Ertem mit einigen ihrer Schüler 2012 an die Ursula-Kuhr-Schule. Sie ist ein Wirbelwind, heute Abend scheint sie überall und nirgends zu sein, beim Festakt in der Aula ist sie die Hauptperson. Zuerst überreicht sie mit Cornelie Wittsack-Junge, der Bezirksbürgermeisterin von Chorweiler, Belobigungsurkunden an die rund 40 Schüler, die an dem Coaching-Programm teilgenommen haben. Später begrüßt sie im Hof freudig gestikulierend Mütter und Väter, die ihre Kinder begleiten, darunter viele türkischstämmige. Ertem arbeitet als Externe an der Heimersdorfer Hauptschule, ihr Gehalt bezahlt die Helene-und-Paul-Plum-Stiftung. Die hat der zweifach promovierte Aachener Neurologe Gerd Kleu im Gedenken an seinen Onkel und seine Tante ins Leben gerufen.

90 Prozent haben einen Ausbildungsvertrag

Gemanagt wird sie ebenso wie aktuell 279 weitere private Bildungsstiftungen vom Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds, der seinen Sitz in Lindenthal hat. Bei der Feier blickt Tanja Ahrendt vom Stiftungsfonds zurück: „2007 kam ein netter, älterer Herr auf mich zu, das war Dr. Dr. Kleu, und sagte, er würde gern eine eigene Stiftung gründen zur Förderung von Hauptschülern.“ Was Ahrendt zunächst in Schwierigkeiten brachte, denn von diesem Schultyp hatte sie nicht die leiseste Ahnung. Bis dato hatte der Fonds ausnahmslos Studierende und Gymnasiasten unterstützt. Das Ergebnis ihrer Recherchen in Hauptschulen war dann: Den Schülern fehlt eine Vertrauensperson, die Zeit hat zuzuhören und sich um sie zu kümmern. An der Ursula-Kuhr-Schule mit derzeit 540 Schülern ist zwar eine Sozialarbeiterin tätig, doch ist sie mehr mit denjenigen Problemfällen befasst, „bei denen es wirklich brennt“, sagt Schulleiter Thomas Rellecke. „Frau Ertem dagegen verschenkt Zeit an Schüler, die aus eigenem Antrieb zu ihr kommen. Der persönliche Kontakt ist das Entscheidende.“ Und führt zum Erfolg: Drei Zehntklässlerinnen gehen ab Herbst aufs Gymnasium, 40 Prozent haben den Realschulabschluss geschafft und 90 Prozent einen Ausbildungsvertrag in der Tasche, beziffert Rellecke. Zugute kommt den Jugendlichen freilich auch, dass sich wegen des demografischen Wandels der Fachkräftemangel abzuzeichnen beginnt und viele Betriebe schon jetzt händeringend geeignete Bewerber suchen.

Ermutigt vom Erfolg hat der Stiftungsfonds Ende 2012 die Gemeinschaftsstiftung „Chancen stiften“ aufgelegt, die ebenfalls bildungsbenachteiligte Jugendliche im Blick hat. Überdies gibt es ein zweites Förderprogramm für Schulverweigerer, es heißt „Kooperation Betrieb-Schule“, 68 junge Erwachsene haben es bereits absolviert. Das Coaching-Programm „Einsteigen-Aufsteigen!“ an der Ursula-Kuhr-Schule wiederum wird fortgesetzt und soll im neuen Schuljahr auch an der Höhenhauser Gesamtschule eingeführt werden.

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