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Kita-Mangel: Schwierige Kindergarten-Gründung

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Pina Gliozzo (li.) und Vanda Perez wollen die Gebäude des ehemaligen Betriebshofs in eine Kita verwandeln. Die Hürden sind hoch. Foto: Philipp Haaser
In Köln werden dringend zusätzliche Kita-Plätze benötigt. Um diese Plätze zu schaffen, müssen jedoch viele Hindernisse überwunden werden. Wie schwer es ist, eine Kita privat zu finanzieren, zeigt ein Beispiel aus Fühlingen.  Von
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Fühlingen

Mit der Ruhe auf dem Nachbargelände könnte es für die Pferde auf dem Oranjehof bald vorbei sein. Vanda Perez und Pina Gliozzo wollen mit ihrem Verein Amares in den leerstehenden Gebäuden des ehemaligen Betriebshofs eine Kindertagesstätte eröffnen. Die Pädagoginnen haben sich in das von Wald umgebene Gelände zwischen Neusser Landstraße und Fühlinger See verliebt. So stellen sie sich den idealen Ort für Kinder vor. „Wir wollen besondere Plätze schaffen, nah am Wald. Das soll keine Schaufenster-Kita ohne Außengelände werden“, erläutert Gliozzo. Weil sie auf Qualität achten wollen, würden sie gerne alle Fäden in der Hand behalten. Mit ihrem Verein treten sie als Investor und Betreiber zugleich auf – eine Konstellation, die Probleme mit sich bringt.

Zwar werden zusätzliche Kita-Plätze nach wie vor dringend benötigt, damit die Stadt den seit dem 1. August geltenden Rechtsanspruch von Eltern mit Kindern unter drei Jahren erfüllen kann. Gerade im Stadtteil Chorweiler, unmittelbar an Fühlingen angrenzend, fehlen noch viele Plätze. Doch im System der Förderinstrumente, mit denen der Ausbau der Kitaplätze forciert wurde, ist das Modell von Perez und Gliozzo nicht vorgesehen.

Enttäuschende Bürokratie

Sie bleiben bei ihrem Plan, nur drei Gruppen einzurichten. Man hatte ihnen zu mehr Gruppen geraten, weil sich der Betrieb einer größeren Einrichtung eher rentiere. Eine Bank, die mit einem Kredit den Um- und Ausbau der vorhandenen Gebäude finanziert, haben sie erst nach etlichen Absagen gefunden. Andere Träger erhalten Geld von der Stadt in Höhe von bis zu 96 Prozent der Miete. Gliozzo und Perez erhalten diesen Betriebskostenzuschuss ebenfalls und wollen damit den Kredit zurückzahlen. Jetzt haben sie jedoch erfahren, dass ein fest eingeplanter städtischer Zuschuss zum Umbau später mit dem Betriebskostenzuschuss verrechnet wird, also lediglich ein Vorschuss ist. Die Stadt darf nicht Investitionen und Miete fördern, wenn beides an denselben Empfänger geht. „Wir haben inzwischen das Gefühl, dass wir uns dafür entschuldigen müssen, dass wir ein enormes Risiko auf uns nehmen“, sagt Perez.

Vor allem die Bürokratie und die Struktur der Förderung sorgen für Enttäuschungen bei den Frauen, die bereits eine Kita im Lindenthaler Stadtwald betreiben. An mangelndem Willen der beteiligten Stellen liege es nicht. „Wir erfahren viel Unterstützung, Zuspruch und Sympathie“, sagt Gliozzo. Holger Dehnert berät für den Paritätischen Wohlfahrtsverband Träger von Kindertagesstätten in Bonn, Düsseldorf und Köln. Die meisten Kommunen hätten den Kita-Ausbau über Investorenmodelle geregelt, erläutert er. Das heißt, dass nicht die Träger den Aus-, Um- oder Neubau ihrer Einrichtungen finanzieren, sondern Investoren, von denen die Träger die Gebäude dann mieten. „Für die Träger ist das angenehmer, weil sie sich keine Gedanken über Risiken bei den Baukosten oder Probleme mit den Banken machen müssen“, sagt Dehnert.

Eltern sollen bürgen

Die politischen Gremien haben den Weg für den Verkauf des städtischen Grundstücks in Fühlingen geebnet. Einige Mitglieder des Betriebsausschuss der Gebäudewirtschaft waren skeptisch. Sie argwöhnten, ob sich die Kita-Betreiber nicht einfach ein lukratives Grundstück unter den Nagel reißen wollten. Um jeden Preis soll verhindert werden, dass im Erholungsgebiet Fühlinger See exklusive Wohnhäuser entstehen. Der Einsatz der Bezirksvertretung Chorweiler konnte die Zweifel zwar zerstreuen. Im Entwurf des Kaufvertrags wird die Nutzung als Kita-Standort festgeschrieben. Damit wird es für den Verein jedoch wieder schwerer, an einen bezahlbaren Kredit zu kommen.

Den meisten Banken, die Perez und Gliozzo gefragt haben, ob sie den Kauf finanzieren, reichte das Grundstück nicht als Sicherheit. Weil es sich mit der Nutzungsbeschränkung nur schwer auf dem freien Markt verkaufen ließe, erzählen die beiden. Andere Sicherheiten hat der Verein nicht zu bieten. In Düsseldorf hilft die Stadt laut Dehnert kleineren Trägern und Elterninitiativen mit Bürgschaften. In Köln wie in den meisten anderen Kommunen habe man sich dagegen entschieden. „Wir sind zu klein, um wachsen zu dürfen“, so Perez’ Schlussfolgerung.

Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS) will nun die Frauen unterstützen. Die fehlenden Sicherheiten in Höhe von 150 000 Euro sollen nach den Vereinbarungen mit der genossenschaftlich organisierten Bank die Eltern übernehmen. Wer einen Kita-Platz annimmt, muss eine 3000-Euro-Bürgschaft beisteuern. „Die Bank braucht einen Beweis des Vertrauens“, sagt Perez. Wie teuer die Plätze werden, kann sie noch nicht abschätzen. Er wird deutlich über dem Satz für Plätze in städtischen Kitas liegen.

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