Zum Abschluss der Gedenkfeier spielen zwei Schülerinnen des Humboldt-Gymnasiums „Guter Mond, du gehst so stille“. Es war das Lieblingsschlaflied der getöteten Lea-Sofie. Mehr als 400 Menschen im abgedunkelten Saal des Bezirksrathauses Chorweiler starren auf das kleine Foto des blond gelockten Mädchens auf der Bühne. Vor allem Eltern mit Kindern sind gekommen. Niemand sagt ein Wort. Viele weinen.
Am Samstag haben Hunderte auf dem Pariser Platz in Chorweiler um die kleine Lea Sofie getrauert.
Foto: Grönert„Was ist das für ein Leben, das solche Schicksalsschläge zulässt“, fragt der evangelische Pfarrer Bernhard Ottinger-Kasper. „Aber einen Gott, der alles Böse und Dunkle wegzaubert, gibt es nicht – auch wenn wir ihn uns wünschen.“ Ottinger-Kasper fordert die Kommune auf, durch „gute Sozialarbeit“ zu helfen, Verbrechen wie diesen vorzubeugen. „Sparen ist der falsche Weg.“ Der katholische Dechant Stephan Weißkopf drückt aus, was viele im Saal denken dürften: „Wir fühlen uns plötzlich alle so, als hätten wir Lea-Sofie persönlich gekannt.“
„Auch wenn die meisten von uns Lea Sophie nicht kannten, berührt uns ihr Schicksal unmittelbar. Mit diesem gemeinsamen Empfinden des Mitgefühls nehmen wir heute Abschied von Lea Sophie. Sie war lebensfroh, aufgeschlossen gegenüber der Welt, neugierig, bereit, diese Welt zu erfahren und zu lieben. Sie war eine Zweijährige, die gerade anfing, sprechen zu lernen und die gerne mit ihren Nachbarskindern spielte. Zu ihren Lieblingsspielzeugen gehörten ein Bobby-Car und ihr Puppenwagen. Ein fröhliches kleines Mädchen – so sollten wir Lea Sophie in Erinnerung behalten.“
Foto: Grönert
Zu Beginn der Feier hatten die Teilnehmer Kerzen und Plüschtiere, die vor dem Bezirksrathaus abgestellt worden waren, in den Saal gebracht. Die Tiere sollen gewaschen und an Kinder in Not gegeben werden. Nach dem Schlusslied ließen die Menschen Luftballons in den Himmel mit Kärtchen, auf die sie ihren letzten Gruß an Lea Sofie notiert hatten.
Das Mädchen wurde nur zwei Jahre alt. Es starb durch Schläge, die der Lebensgefährte seiner Mutter ihm vor Weihnachten zugefügt haben soll. Fast zwei Tage lag Lea-Sofie schwer verletzt in der Wohnung. Weder der Lebensgefährte noch die Mutter hatten Hilfe geholt.
Im Internet haben Trauernde eine Gedenkseite eingerichtet. Fast 60.000 Menschen haben sie in den vergangenen drei Wochen aufgerufen. Im virtuellen Kondolenzbuch finden sich mehr als 200 Einträge. „Es tut so weh, Lea-Sofie“, schreibt jemand, „aber jetzt bist Du befreit.“


