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Lea-Sofie: Polizeiversäumnis wird überprüft

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Lea-Sofie starb kurz vor Weihnachten, ihre Leiche wurde am Fühlinger See aufgefunden. Foto: Privat
Eine Mitteilung über die vermüllte Wohnung wurde nicht an das Jugendamt weitergeleitet. Unabhängig vom Mordvorwurf gegen die Mutter und deren Freund stellt sich daher die Frage, ob die Tat hätte verhindert werden können.  Von
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Köln

Der Vermerk, mit dem das Jugendamt über die verwahrloste Wohnung von Lea-Sofies Mutter informiert werden sollte, ist in den Blickpunkt der Staatsanwaltschaft gerückt. Das Papier war wochenlang nicht weitergeleitet worden und tauchte erst wieder auf, als das zweijährige Mädchen tot war. „Wir wissen derzeit zwar noch nicht, ob die Geschichte stimmt und falls ja, wie es zu den eventuellen Verzögerungen gekommen ist“, sagte Oberstaatsanwalt Alf Willwacher auf Anfrage. Die Angelegenheit werde überprüft. „Wenn wir die Fakten kennen, werden wir entscheiden, ob der Vorgang eine rechtliche Bedeutung hat.“

Bereits vor einigen Tagen wollte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ von der Polizei wissen, ob die Geschehnisse rund um den Vermerk zu personellen oder organisatorischen Konsequenzen geführt hätten. „Derzeit möchten wir uns auf Wunsch des Landgerichtes nicht zu dem Sachverhalt äußern“, sagte ein Sprecher der Behörde. Das Gericht habe momentan die „Pressehoheit in dem Fall“, weil der Prozess noch läuft. Letztlich könne und dürfe die Polizei natürlich selber entscheiden, ob sie sich äußert, sagte Gerichtssprecher Dirk Eßer auf Anfrage. „Um das Verfahren nicht zu beeinflussen, wäre es uns aber recht, wenn die Behörde bis zum Abschluss der Verhandlung keine Stellungnahme abgäbe.“

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In den bisherigen zehn des auf 16 Verhandlungstage angesetzten Gerichtsverfahrens gegen die Mutter und den Pflegevater von Lea-Sofie hat der Vermerk nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Was nachvollziehbar ist, weil dem Papier wohl kaum Bedeutung zukommt, um die Schuld der Angeklagten zu beurteilen. Unabhängig vom Mordvorwurf gegen die Mutter und deren Freund stellt sich aber die Frage, ob die Tat hätte verhindert werden können, wenn der etwa vier Wochen zuvor angefertigte Polizeivermerk rechtzeitig weitergeleitet worden wäre.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll das Papier auf dem Schreibtisch eines Beamten gelandet sein, der in Urlaub war. Als er danach zum Dienst zurückkehrte, soll Lea-Sofie bereits tot gewesen sein.

Sollte sich diese Darstellung bewahrheiten, könnte sich die Staatsanwaltschaft beispielsweise mit der Frage beschäftigen, ob eventuell der Straftatbestand der „unterlassenen Hilfeleistung“ vorliegt. Also ob einer der beteiligten Beamten es nicht besser hätte wissen müssen oder bei der Weiterleitung des Vermerks gegen Dienstvorschriften verstoßen wurde. Wenn alles vorschriftsgemäß gelaufen sein sollte, könnte geprüft werden, ob das „Weiterleitungs-Prozedere“ in derartigen Fällen womöglich grundsätzlich falsch organisiert ist, also ein sogenanntes Organisationsversagen vorliegt.

Auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ jedenfalls hat Klaus Röttgen, Abteilungsleiter der Kölner Bezirksjugendämter, betont, dass die Lebenssituation von Lea-Sofie noch an dem Tag überprüft worden wäre, an dem der Vermerk das Amt erreicht hätte. Dies wäre auch geschehen, obwohl in dem Papier lediglich von einer vermüllten Wohnung, nicht aber von Gewalttätigkeiten die Rede gewesen sein soll. „Bei Hinweisen zu Kleinkindern unter sechs Jahren fahren wir grundsätzlich noch am selben Tag raus und schauen uns die Situation vor Ort an“, so Röttgen.

Ob die Sozialarbeiter bei einem Besuch skeptisch geworden wären und die spätere Tat durch ein Einschreiten oder Hilfestellungen für die Familie verhindert worden wäre, kann niemand sagen. Aber nicht nur die Zustände in der Wohnung und die Verfassung des Kindes hätten die Experten womöglich misstrauisch werden lassen. Der Stiefvater war zuvor bereits gegen den Sohn einer Ex-Freundin handgreiflich geworden. Und diese Übergriffe sind nach Information des „Kölner Stadt-Anzeiger“ beim Jugendamt aktenkundig.

In den Wochen vor dem Tod der Zweijährigen, der vermutlich am 20. Dezember vergangenen Jahres eingetreten ist, hat es jedenfalls zahlreiche Polizeieinsätze in der Wohnung der Mutter gegeben. Mindestens dreimal sollen die Beamten wegen Lärmbelästigung gerufen worden sein. Am 12. November beispielsweise soll der Stiefvater des Mädchens gegen 20 Uhr besinnungslos und mit blutverschmierten Händen in der Wohnung gelegen haben. Wie bei anderen Einsätzen zuvor habe Lea-Sofies Mutter auch diesmal beteuert, es habe keinen Streit gegeben und ihr Partner sei nicht gewalttätig. Er sei lediglich unglücklich gefallen.

Als die Beamten vier Stunden später gegen Mitternacht noch einmal wegen Ruhestörung gerufen wurden, soll Lea-Sofie auf dem Sofa gesessen haben. „Morgen geht sie nicht in den Kindergarten“, habe der Stiefvater, der mittlerweile ärztlich behandelt worden war, auf Vorhaltungen der Polizei geantwortet, um die Beamten später als „Scheißbullen“ zu beschimpfen.

Das aggressive Verhalten und die seltsame Situation in der Wohnung waren es aber nicht, die den Verwahrlosungsvermerk für das Jugendamt nach sich zogen. Der wurde erst am 23. November geschrieben, nach einem erneuten Einsatz wegen Lärmbelästigung.

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