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Mutter von Lea-Sofie: Verteidiger fordert Jugendstrafe

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Lea-Sofie starb kurz vor Weihnachten, ihre Leiche wurde am Fühlinger See aufgefunden. Foto: Privat
Im Prozess um den Tod von Lea-Sofie hat der Verteidiger der Mutter eine Jugendstrafe von nicht mehr als fünf Jahren Haft für seine Mandantin gefordert. Franziska M. habe eine schwere Kindheit in einem gewalttätigen Elternhaus gehabt.  Von
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Chorweiler

Im Mordprozess um die im Dezember 2012 in Chorweiler  getötete Lea-Sofie (2) hat der Verteidiger von Franziska M. (20), Lukas Pieplow,  für seine Mandantin  eine Jugendstrafe  „von nicht mehr als fünf Jahren“ gefordert, um dem erzieherischen Gedanken des Jugendstrafrechts Rechnung zu tragen. Franziska M. (20) muss sich wegen Totschlags durch Unterlassen verantworten, weil sie die Tochter qualvoll sterben ließ, statt einen Arzt zu rufen. Die Staatsanwältin hatte für M. am Montag siebeneinhalb Jahre gefordert.

Das Gericht hatte im Prozess für die Mutter auch  eine Verurteilung wegen Mordes zur Verdeckung einer Straftat angesprochen – weil Franziska M. möglicherweise ihren  23 Jahre alten Freund Patrik habe schützen wollen. Der Mann hatte  Lea-Sofie so furchtbar misshandelt,  dass sie drei Tage später starb. Zu einer solchen Überlegung sei seine Mandantin aufgrund  „kognitiver Defizite“ gar nicht in der Lage, bestritt Pieplow jegliche Mordmerkmale und bezog sich auf ein psychiatrisches Gutachten, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit erörtert wurde. „Wie soll man etwas erklären, das nicht erklärbar ist?“ gab sich der Verteidiger zu Beginn seines Plädoyers ratlos.

Hochproblematische Lebensgeschichte

 Ein  Gutachter hatte der  Angeklagten  neben einer deutlichen Reifeverzögerung, extremen Bindungssüchten und erheblicher  Hinnahmebereitschaft auch eine dissoziative Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Franziska M. sei ein Mensch, der sich in bestimmten Situationen aus der Realität  in eine Scheinwelt katapultiere und zu  Abhängigkeits-Tendenzen neige. Ausdrücklich hatte der Psychiater eine verminderte Schuldfähigkeit der Mutter verneint, aber deutlich auf ihre hochproblematische Lebensgeschichte hingewiesen.

Aufgewachsen bei einer alkoholabhängigen, inkontinenten Mutter und einem gewaltbereiten Vater habe sie immer nur  eine „desolate Familiensituation“ erlebt. Den Vater hatte sie als Minderjährige wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt, im daraus resultierenden Prozess  allerdings die Aussage verweigert, so dass es zu keiner Verurteilung des Mannes  kam. Franziska M. habe stets „die Defizite ihrer Eltern aushalten müssen“; ihr Handeln sei von der Erfahrung bestimmt:  „Wenn ich was mache, geht das sowieso schief“, erläuterte Pieplow den Lebensweg seiner Mandantin.

Heftige Kritik an der Polizei

In seinem knapp zweistündigen Plädoyer übte Pieplow  deutliche  Kritik an der Polizei. So habe der Prozess ans Tageslicht gebracht, dass auf der Polizeiwache „Akten geschreddert“ worden seien, seine Mandantin sei viel zu spät als Beschuldigte belehrt worden sei, so dass ihr zu spät ein Anwalt zur Seite gestellt worden wäre. „Nicht nachvollziehbar“ nannte der Verteidiger auch das Verhalten jener Polizisten, die wenige Wochen vor Lea-Sofies Tod in die Wohnung gerufen worden waren und sich im Prozess erinnerten: „Spuren von Gewalt sind uns nicht aufgefallen.“ „Dabei lag das Schlafzimmer in Trümmern, eine zersplitterte Tür hing in den Angeln, Blutspritzer klebten an der Wand“, ereiferte sich Pieplow über das unsensible Verhalten der Beamten: „Das entspricht nicht einer Dienstpflichterfüllung in einem Rechtsstaat.“

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„Es tut mir sehr leid, was passiert ist. Die Fehler, die ich gemacht habe, bereue ich sehr“, sagte Franziska M. mit kaum vernehmbarer Stimme in ihrem letzten Wort. Worte der Reue kamen auch von Patrik L., dem wegen Mordes lebenslange Haft droht: „Es gibt keine Entschuldigung für das, was ich getan habe. Ich würde die Tat gerne ungeschehen machen, aber das geht leider nicht.“

Das Urteil wird am 24. Mai um 13.30 Uhr auf Saal 210 verkündet.

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