Chorweiler
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Projekt: Visionen für eine Hochhaussiedlung

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So könnten die Häuser an der Stockholmer Allee aussehen. Foto: Archicraft
Chorweiler ist nur ein Beispiel: Kölner Architekten haben einen Masterplan für die Weiterentwicklung des Stadtteils erdacht. Mit Bäumen, Plätzchen und einigen weiteren Umbauten wollen sie so eine ganze Gegend retten.  Von
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Köln

Grüne Hochhäuser, Gärten in 75 Metern Höhe, Plätze, auf denen man sich trifft, Adressen, wo man gerne wohnt – aus Chorweiler lässt sich etwas machen, finden die Kölner Architekten Carolin Riedel und Hans-Peter Höhn von „Archicraft“. „Chorweiler atmet auf“ haben sie über ihr Konzept geschrieben, das als Masterarbeit des Studiengangs „Architektur und Umwelt“ in Wismar mit der Note „1“ belohnt wurde. Das Fazit der Fleißarbeit: Vieles wäre möglich in Kölns Hochhaussiedlung – tatkräftige Investoren und Politiker vorausgesetzt.

Was Riedel und Höhn entwickelt haben, macht aus dem Chorweiler Zentrum ein attraktives Wohngebiet, das nicht nur zahlungsschwache Bewohner hält und lockt. Ein städtebauliches Pilotprojekt sollte es werden, finden die beiden: Die Hochhaussiedlung bekommt eine Zukunft. Mehr noch: Sie könnte für Stadt und Land zum ökologischen Vorzeigeprojekt werden.

Ohne Abriss einzelner Gebäudeteile oder das Abtragen von Geschossen wird es nicht gehen. Doch unterm Strich würden nach dem Plan der Architekten durch eine Verdichtung an anderen Stellen des Stadtteils sogar mehr Wohnungen entstehen. Der riesige zwangsverwaltete Häuserriegel entlang der Stockholmer Allee, über dessen Zwangsversteigerung seit Monaten diskutiert wird, könnte zum Referenzobjekt für eine ökologische und bewohnerfreundliche Sanierung werden.

Erdrückende Wirkung auflösen

Riedel und Höhn schlagen vor, aus dem Riegel etwa 30 000 Kubikmeter „herauszuschneiden“. Das entspricht etwa 150 Wohnungen. So verliert der Gebäudekomplex seine den ganzen Stadtteil erdrückende Wirkung. „Wir schaffen Wege für Bewohner, Licht und Belüftung“, sagt Riedel. Chorweiler öffnet sich zu den Grünanlagen und dem Fühlinger See im Norden. Die Häuser erhalten neue und unterschiedliche Fassaden und verlieren so ihre Anonymität. Die Eingänge werden großzügig, hell und freundlich. Flächen für Büros, Arztpraxen, Cafés oder Kleingewerbe im Erdgeschoss sollen dafür sorgen, dass Bewegung in die Straße und die Häuser kommt.
In den Gebäuden können durch „kleine Eingriffe“ die Grundrisse so verändert werden, dass die Wohnungen neue Mieter anlocken und sich so die Mischung verbessert. Große Fensterfronten machen die Wohnungen hell. „Vom Single-Appartement für Studenten über große Wohnungen für große Familien bis zur Luxus-Maisonette ist alles denkbar“, sagt Carolin Riedel.

Dächer mit Funktionen

Alle Hochhausdächer sind mit Funktionen belegt: Dachterrassen für die Bewohner, Gärten zum Gemüse- und Obstanbau, kleine Anlagen zur Energiegewinnung.
Was eine solche Sanierung kosten würde, haben die beiden Architekten nicht durchgerechnet. Die Plattenbauweise mache jedoch finanzierbare Sanierungen möglich, mit denen sich zudem deutlich die Energiekosten senken ließen. „Jetzt sind noch Dinge möglich, die in fünf Jahren nicht mehr rentabel sind“, glauben die beiden. Denn dann könnten auch die Tragwerkstrukturen der Häuser so kaputt sein, dass man sie möglicherweise nur noch komplett abreißen könne.

Das Archicraft-Team: Hans-Peter Höhn und Carolin Riedel.
Das Archicraft-Team: Hans-Peter Höhn und Carolin Riedel.
Foto: Peter Rakoczy

Riedel und Höhn schlagen für die Umsetzung ihrer Ideen für Chorweiler einen Zeitraum von 25 Jahren vor. Die Sanierung der zwangsverwalteten Häuser sollen dabei als Erstes angefasst werden. Es folgen Schritt für Schritt weitere Maßnahmen zur Entwicklung des Stadtteils. Ihre Vorschläge zur Umgestaltung weiterer Hochhäuser sind spektakulär: Horizontale Gärten, aufgebrochene Fassaden, neue Stockwerke als draufgesetzte „lose Boxen“ – und das alles in einem Umfeld mit Grün- und Wasserflächen und attraktivem öffentlichem Raum. Da entsteht eine neue Markthalle, in der auch Lebensmittel verkauft werden können, die Bewohner beim Urban Gardening selbst produzieren.

Spektakuläre Umgestaltung

Für Kinder und Jugendliche werden Naturspielplätze und eine Skateranlage angelegt, der Olof-Palme-Park wird zu einer attraktiven Grünanlage. Die durch die umliegenden breiten Straßen erzeugte Abschottung des Stadtteils wird durch zwei neue Wege aufgebrochen. Die Architekten nennen sie „Lyoner Steig“ und „Pariser Steig“. Sie kreuzen sich auf dem Pariser Platz. Die Gestaltung dieser Wege wie auch mancher Dächer greift die Idee auf, die auf der alten New Yorker Hochbahn umgesetzt wurde, die sich seit einigen Jahren wie ein grünes Band mit vielen Flucht- und Treffpunkten durch die Stadt zieht.

Von der neuen Stadt zum ewigen Sanierungsgebiet

Chorweiler besteht eigentlich aus zwei Stadtteilen: Die Hochhäuser von Chorweiler-Zentrum prägen das Image, Chorweiler-Nord ist eine eher bürgerliche Wohngegend mit Einfamlienhäusern. Die Planungen des Stadtteils gehen auf Überlegungen in der Nachkriegszeit zurück, als man erschwinglichen Wohnraum für alle schaffen wollte – mit eigenem Bad und WC. Im Kölner Norden sollte die Neue Stadt für 100 000 Bewohner entstehen. Tatsächlich wurden in den 1970er Jahren Wohnungen für 40 000 Menschen gebaut. Die Siedlung wurde zur größten Plattenbausiedlung in NRW. Was damals als modern galt, wurde schon wenige Jahre später zum Problem – auch weil die Idee, Wohnen und Arbeiten miteinander zu verbinden, nicht umgesetzt worden war. Bereits in den 80er Jahren begannen erste Sanierungsmaßnahmen und Nachbesserungen bei der Infrastruktur im Viertel. Viel zu groß geplante Verkehrsanbindungen wurden zurückgebaut.


Im Gegensatz zu anderen Hochhaussiedlungen wie am Kölnberg, wo Wohnungen an Mieter verkauft wurden, gehören die Häuser in Chorweiler-Zentrum nur sehr wenigen Eigentümern, die im Laufe der Zeit wechselten.


Heute findet man hier Beispiele für den höchst unterschiedlichen Umgang mit dem Wohnungseigentum: Neben den heruntergekommenen Häusern in Zwangsverwaltung, die nun versteigert werden sollen, gibt es einen privaten Investor, der als vorbildlich gilt, genau wie einen Besitzer, den die katholische Pfarrgemeinde in Chorweiler als typische „Heuschrecke“ bezeichnet. (fra)

Mehr Lebens- und Wohnqualität verbindet sich mit sehr hohen ökologischen Ansprüchen, die hier angelegt werden. Die Hälfte des Stroms und 100 Prozent der Wärme sollen aus regenerativen Energien erzeugt werden. In den Hochhauskellern gibt es Aufbereitungsanlagen für Brauchwasser, eine neue Biogasanlage versorgt den gesamten Stadtteil, überall wird Sonne und Wind genutzt, es gibt Stationen für Elektro-Fahrräder und Autos, die man sich teilen kann.

Höhn und Riedel verstehen ihre Arbeit als „Diskussionsgrundlage“ für eine zukunftsweisende Stadtentwicklungspolitik. Sie ist auch ein Plädoyer für mehr öffentliches und staatliches Engagement. „Wir möchten nicht eine einseitige, renditeorientierte Lösung vorschlagen, sondern sehen in allem Tun immer den Bewohner im Vordergrund“, heißt es in der Arbeit der Architekten. „Der soziale Aspekt bekommt eine herausragende Stellung.“

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