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Seniorenzentrum: Mit dem Rollator zur Obst-Ernte

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Als Baumpaten werden Margarete Becker (l.), Agnes Katzy und Klaus Nußbaum sich um die kleine Streuobstwiese kümmern. Foto: Waldschmidt
Im Innenhof des Marie-Juchacz-Hauses können sich die Bewohner bald kostenlos mit frischem Obst versorgen. Apfel-, Pflaumen- und Birnbäume sowie verschiedene Beerensträucher tragen vielleicht schon in diesem Jahr die ersten Früchte.  Von
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Eine Gießkanne hatte niemand dabei. Die war auch nicht nötig. Denn für die Befeuchtung der Pflanzen sollte der graue Himmel allein sorgen. Kaum waren also die Obstbäume im Innenhof des Marie-Juchacz-Altenzentrums in der Erde versenkt, saßen die rund zehn Senioren, die als Baumpaten die Pflanzaktion beaufsichtigt hatten, im warmen Café bei einer Tasse Kaffee zusammen.

„Natürlich kümmern wir uns vor allem im Sommer um die jungen Bäume“, erklärte Klaus Nußbaum. Der 77-Jährige aus Bilderstöckchen lebt seit anderthalb Jahren im Juchacz-Zentrum. „Die müssen regelmäßig gegossen werden, schon im Mai kann es richtig warm werden.“ Auch Margarete Becker, Jahrgang 1926 und im Dezember ins Heim gezogen, ist sich ihrer Verantwortung als Baumpatin bewusst: „Wir werden immer runtergehen und gucken, ob alles in Ordnung ist.“ Die Sprösslinge im Hof können sich also liebevoller Behandlung durch die Senioren sicher sein.

Bewohner dürfen selbst pflücken

Gepflanzt wurden mehrere Apfelbäume – Roter Boskop und Elstar – als Spaliergewächse. Stamm und Zweige sind in ein Bambusgitter eingespannt, so dass der Baum später die Form einer Hecke annehmen wird. Zudem wurden drei Hochstämme gepflanzt, Obstbäume, die jeweils einem Haus symbolisch zugeordnet sind: die Pflaume dem Veedelshaus, die Birne dem Haus Rosengarten und der Apfel dem Haus Meine Welt. Darüber hinaus gibt es 18 Beerensträucher: Schwarze Johannisbeere, Rote Johannisbeere, Stachelbeere, Himbeere.

Alle Heimbewohner dürfen das Obst pflücken – wie es auch sonst bei Streuobstwiesen üblich ist. Um Rollatorgängern und Rollstuhlfahrern einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen, wurden die Pflanzen am Rand der Rasenfläche entlang des Weges positioniert. „Ich rechne damit, dass es schon im Sommer Beeren geben wird“, sagte André Jörg, wirtschaftlicher Leiter im Altenzentrum. Geduld hingegen erfordern die Obstbäume, vermutlich werden frühestens 2014 erste Früchte heranreifen.

Gemüsegarten auf der Dachterasse

Dass es manchmal gar nicht so einfach ist, trotz sorgfältiger Pflege einen Ertrag zu erzielen, weiß Klaus Nußbaum: „Ich habe mal probiert, Tomaten zu Hause im Blumenkasten auf der Fensterbank zu ziehen, doch die wurden nichts, obwohl ich sie regelmäßig mit Wasser besprüht habe. Vielleicht lag es an der Heizungswärme von unten.“ „Die Erde ist sehr wichtig“, sagte Agnes Katzy (84). „Der beste Dünger ist Pferdemist, und man sollte in jedem Fall einen Komposthaufen haben.“ Aufgewachsen in Schlesien, kann sie sich noch gut an den Bauerngarten ihrer Eltern erinnern.

Auch Margarete Becker hat langjährige gärtnerische Erfahrung. In Seeberg hatte sie früher einen eigenen Garten. „Ich trauere ihm aber nicht unbedingt nach, die Arbeit war mir zu viel geworden.“
Bald haben die Bewohner des Marie-Juchacz-Zentrums noch mehr Gelegenheit, der Gartenleidenschaft zu frönen: Auf der Dachterrasse wird Mitte April ein mobiler Gemüsegarten entstehen. „Urban farming“ nannte dies André Jörg, den urbanen Modetrend aufgreifend, der von Großbritannien vor zwei, drei Jahren herübergeschwappt ist.

„Urban gardening“

Tatsächlich habe man sich von der „urban gardening“-Bewegung inspirieren lassen und Tipps bei Kölner Aktivisten eingeholt, so Projektleiterin Verena Köhne. „Wir wundern uns selbst, dass wir nicht schon früher auf die Idee gekommen sind. Jetzt sind wir positiv überrascht, mit wie viel Feuereifer die Senioren bei der Sache sind.“ Gartenarbeit bedeute auch Erinnerungsarbeit: „Alte Geschichten aus der Kindheit kommen hoch, Erfahrungen werden ausgetauscht.“

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