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Urban Gardening: Blühende Dächer im Kölner Norden

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Magdalene Plautz zeigt eine der hübschen Kartoffelblüten. Foto: Waldschmidt
Im „Garten Eden“ hoch über den Dächern Chorweilers sprießt das Grün verschwenderisch. Die Senioren kümmern sich gut um ihre grüne Oase und freuen sich auf eine gute Ernte. Einge wundern sich auch über das rapide Wachstum.  Von
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Chorweiler

Schock in der Nachmittagsstunde. Auf der Dachterrasse des Marie-Juchacz-Altenzentrums, wo Bewohner seit dem Frühjahr ihr eigenes Gemüse in Hochbeeten ziehen, ist ein Dschungel herangewachsen. Der Spitzkohl: Jumbo-Köpfe, die riesigen Blätter mit knorrigen Adern durchzogen. Kohlrabi: die Zweige so groß, dass sie weit über den Beetrand hinaus lappen. Kartoffeln: Fast einen Meter hoch, sie bilden ein geschlossenes Dach über den in der Erde wachsenden Knollen. Magdalene Plautz gibt sich selbst ein wenig die Schuld, dass die Pflanzen so eng stehen: „Beim Setzen im April hätte ich daran denken sollen, die Keimkartoffeln zu halbieren, dann hätten sich weniger Pflanzen im Beet entwickelt, und sie hätten mehr Luft.“

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Die 77-Jährige gehört zu der 20-köpfigen Seniorengruppe, die sich an dem Grün-Projekt im Altenzentrum beteiligt. Ein Gutes aber habe das dichte Blätterdach: Zu häufeln, wie noch kürzlich geplant, sei nun nicht mehr notwendig, sagt sie lachend. Normalerweise nämlich muss rund um die Kartoffelpflanzen regelmäßig die Erde angehoben werden, damit auch kein bisschen Licht in den Erdboden vordringt. Ansonsten steigt in der schlummernden Knolle der Solaningehalt zu sehr, und der spätere Genuss kann zu schweren Vergiftungen führen.

Rapides Wachstum

Willi Lehnen führt einen Gießkalender.
Willi Lehnen führt einen Gießkalender.
Foto: Waldschmidt

Anna Zowada (83) sieht das überall in den Beeten zu beobachtende rapide Wachstum mit Sorge. „Die Kraft geht zu sehr in die Blätter, die Früchte werden wohl eher klein ausfallen.“ Bekümmert beugt sie sich über das Möhrengrün, zieht wie zur Bestätigung winzige, helle Möhrenstreifchen aus der Erde. Wieso alles dermaßen sprießt, kann sie sich nicht erklären. Vielleicht sei es die oft intensive Sonneneinstrahlung hoch oben auf der Dachterrasse. Oder es rühre vom ständigen Wechsel zwischen Regen und Hitze her.

„Hallo, junge Frau“, spricht Seniorengärtner Willi Lehnen sie an, braun gebrannt, im karierten Hemd, in der Sonne wirkt er noch energiegeladener als sonst. Er will sich verabschieden, aber nur kurz. Gegen Abend komme er erneut aufs Dach, kündigt er an, zum Gießen – sein ganz großes Steckenpferd. Er klappt den Faltkalender auf, penibel hat er jeden Vorgang notiert: Genau 13 Mal hat er bisher mit dem Schlauch gewässert.

Gemüse mit kräftigen Blüten

Die Schilder aus den abgeernteten Beeten werden in einem Pappkarton gesammelt.
Die Schilder aus den abgeernteten Beeten werden in einem Pappkarton gesammelt.
Foto: Waldschmidt

Magdalene Plautz wiederum freut sich vor allem an den Blüten. Auf ihren Rollator gestützt, flaniert sie gemächlich an den Beeten entlang, weidet sich am Anblick. Wer hätte auch gedacht, dass ganz einfache Gemüsepflanzen derart prachtvolle Blüten treiben? Und das nur, um Bienen zur Bestäubung anzulocken. Die Staude der Puffbohne beispielsweise ist besetzt von einer Reihe hübscher, schneeweißer Kelche, farbig geflammt nach Orchideenart. Und die Kartoffel krönt ein duftiger, lilafarbener Blütenkranz, aus dem quittengelbe Stempel herabhängen. Dschungel oder Paradies? Für die Senioren keine Frage: „Wir haben unserem Gartenprojekt jetzt einen offiziellen Namen gegeben: Garten Eden“, erläutert Ute Klostermann, die im Juchacz-Zentrum die Koch- und Einweckgruppe leitet. Verrichtet doch Mutter Natur ganz allein ihr verschwenderisches Werk, ohne menschliches Zutun. Umso mehr lässt es sich genießen: „Ich bin oft auf der Terrasse, gucke, ob gegossen werden muss, ansonsten sitze ich hier gemütlich“, sagt Magdalene Plautz.

In den kommenden Monaten wird der „Kölner Stadt-Anzeiger“ weiter in lockerer Folge über die Entwicklung des Grün-Projekts über den Dächern von Chorweiler berichten.

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