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Verkehrskonzept: Die Last mit den Lastwagen

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Lkw donnern auf der Neusser Landstraße durch Fühlingen. Der Bau einer Umgehungsstraße lässt auf sich warten. Foto: Philipp Haaser
Das Kölner LKW-Führungskonzept stößt auch in Chorweiler auf wenig Zustimmung. Die Anwohner wünschen sich, dass ihre Wünsche mehr berücksichtigt werden und auch Politiker fordern jetzt Nachbesserungen.  Von
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Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge fand deutliche Worte: "Diese Planungskosten hätte man sich sparen können. Das ist reine Traumtänzerei." Grund für ihren Ärger ist das Lkw-Führungskonzept, das im Amt für Straßen und Verkehrstechnik ausgearbeitet wurde und Ende Oktober dem Verkehrsausschuss zum ersten Mal vorlag. Zurzeit beraten die Bezirksvertretungen das Papier, bevor der Ausschuss im nächsten Jahr abschließend entscheidet. Das Stadtteilparlament von Chorweiler teilte jetzt Wittsack-Junges Entrüstung und lehnte das Konzept in seiner Sitzung geschlossen ab. Ihr Stadtteil sei trotz enormer Belastung durch Lkw-Verkehr nicht ausreichend berücksichtigt, so die einhellige Meinung in den Fraktionen.

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Mit Hilfe des Konzepts, das zuletzt 1992 überarbeitet wurde, sollen Lkw auf geeigneten Routen durch die Stadt geleitet werden. "Das Grundprinzip ist, Wohngebiete nicht übermäßig zu belasten", erläutert Bernhard Müller, Verkehrsplaner im Amt für Straßen und Verkehrstechnik. In der Regel soll dies durch Routen-Empfehlungen erreicht werden. Sie werden an Hersteller von Navigationsgeräten und an Logistikunternehmen weitergeleitet, sind jedoch unverbindlich. Außerhalb der Innenstadt wird es nur in Einzelfällen Durchfahrtverbote geben. Für die City hingegen soll ein Verbot in Kraft treten. Betroffen von dieser Regelung sind Lastwagen über 7,5 Tonnen, Lieferverkehr ausgenommen.

Verkehrskonzept seit Jahren angekündigt

Für den Bezirk Chorweiler werden in dem Papier die Mercator- und die Merianstraße zusammen mit Industriestraße und Neusser Landstraße nördlich von Fühlingen als Routen durch den Kölner Norden empfohlen. "Das sind vierspurige Straßen, die den Lkw-Verkehr aufnehmen können", so Planer Müller.

LKW donnern durch Fühlingen.
LKW donnern durch Fühlingen.
Foto: Philipp Haaser

Den Bezirksvertretern in Chorweiler reicht das jedoch nicht aus. Eine umfassendere Betrachtung über den Stadtteil hinaus sei notwendig, sagt Bezirksbürgermeisterin Wittsack-Junge. Sie hätte sich gewünscht, früher in die Planungen einbezogen worden zu sein. "Seit Jahren wird uns ein Verkehrskonzept versprochen, doch die Verwaltung hat einfach nicht geliefert", ärgert sie sich. "Wir haben hier die chemische Industrie, eine Müllverbrennungsanlage und im nächsten Jahr ein neues Terminal im Niehler Hafen", schimpft auch Jürgen Kircher von der SPD-Fraktion, um zu verdeutlichen, wie stark der Lkw-Verkehr gerade den Bezirk Chorweiler belastet. Wittsack-Junge nennt zudem das Autobahnkreuz Köln-Nord, die Auffahrt in Pesch, die nur in Richtung Süden führt, und das Verteilzentrum einer großen Supermarktkette im Industriegebiet Feldkassel als problematische Stellen. Der Lkw-Verkehr sei an zahlreichen weiteren Stellen ein Problem, so auch auf dem schmalen Blumenbergsweg, der zur Bruchstraße wird und in ein Wohngebiet führt, und auch auf den Straßen Mercatorweg und Merianstraße. Das Konzept habe ihnen keine Wahl gelassen, meint Kircher. "Wenn die Verwaltung nicht mit uns, die wir vor Ort wohnen und die Probleme kennen, ins Gespräch kommen will, dann können wir nicht zustimmen."

Nicht klar kommuniziert

Manfred Waddey (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses, versteht die drastische Reaktion seiner Kollegen in Chorweiler nicht. "Die haben sich damit doch aus der Diskussion ausgeklinkt", sagt er. Im nächsten Jahr sollen alle Beteiligten unter Federführung der Stadtverwaltung bei einem gemeinsamen Termin über das Konzept beraten. Erst im Anschluss wird es wieder auf der Tagesordnung im Ausschuss stehen. Auch Planer Müller betont, sein Amt suche nach wie vor das Gespräch mit den Betroffenen. Offenbar ist das nicht allen Beteiligten klar kommuniziert worden.

Selbst das alte Konzept dürfte unterdessen bei Lastwagen-Fahrern kaum bekannt sein, vermutet Marcus Hover vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen. "Wenn es dazu führt, dass der Lkw-Verkehr gut fließt und sich auch Ortsfremde nicht in Wohngebieten festfahren, begrüßen wir ein neues Papier ausdrücklich", so Hover. Große Schwierigkeiten sieht er aber bei der Umsetzung. Die derzeit erhältlichen Lkw-Navigationsgeräte unterschieden sich von herkömmlichen Geräten nur durch eine andere Durchschnittsgeschwindigkeit als Berechnungsgrundlage für Fahrtzeiten. Brückenhöhen, Durchfahrtsverbote oder empfohlene Routen seien in den Daten nicht enthalten.

Zudem dürften sich die Probleme für Lkw-Fahrer im Kölner Norden seit der am Freitag erfolgten Sperrung der Leverkusener Autobahnbrücke noch verschärfen - sie gilt für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen, die nun teilweise Ausweichstrecken nutzen müssen. Vor allem die auf Lkw-Zulieferer angewiesenen Industrie-Betriebe treffe die Einschränkung hart, so der Landesbetrieb Straßenbau.

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