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Zweijährige wurde ermordet: Köln trauert um Lea-Sofie

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Am Pariser Platz in Chorweiler trauerten mehr als 200 Menschen um Lea-Sofie. Foto: Arton Krasniqi
In stillem Gedenken versammeln sich am Samstag rund 200 Menschen. Viele von ihnen haben zuvor nach Lea-Sofie gesucht. Doch da ist das Kind längst tot. Das Protokoll einer Geschichte, die ganz Köln bewegt.  Von
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Chorweiler

Auf dem Pariser Platz in Chorweiler, einige Hundert Meter entfernt von dem Haus, in dem die zweijährige Lea-Sofie starb, haben sich am Samstag rund 200 Menschen in stillem Gedenken versammelt. Viele von ihnen hatten sich am Tag zuvor an der Suche nach dem Mädchen beteiligt. Doch da war das Kind längst tot. Die Mutter (20) führte die Ermittler am Freitagabend zur Leiche des Kindes am Fühlinger See, einen Kilometer entfernt von ihrer Wohnung.

Lea Sophie
Lea-Sofie starb kurz vor Weihnachten, ihre Leiche wurde am Fühlinger See aufgefunden.
Foto: Privat

Nach der Obduktion steht fest: Lea-Sofie wurde ermordet. Der 23-jährige Freund der Mutter ist ausgerastet – „aus nichtigem Anlass“, wie Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer sagt. Bereits am Dienstag soll er ihr schwere Kopfverletzungen zugefügt haben. Das Mädchen lag noch ein oder zwei Tage in der Wohnung, bis es starb. Dann wurde es in einem Einkaufstrolley weggebracht und am See abgelegt. Die Polizei sucht Zeugen, die zwischen Donnerstagmorgen und Freitagmittag jemanden mit dem orangefarbenen Trolley gesehen haben, denn noch ist unklar, wer das Kind weggebracht hat: die Mutter, der Lebensgefährte oder das Paar gemeinsam.

Lea Sofie wurde ermordet

Am Freitagmittag hatte die Mutter das Kind als vermisst gemeldet, den Beamten erzählt, sie sei mit Lea-Sofie und ihrem Freund auf einem Spielplatz gewesen, als das Mädchen plötzlich verschwunden sei. Zwei Hubschrauber überflogen den Park mit Wärmebildkameras, Polizeibeamte setzten einen Suchhund ein. Mehr als 150 Beamte suchten den gesamten Stadtbezirk ab, die Ermittler befragten die Mutter und ihren Lebensgefährten stundenlang.

Zwischenzeitlich beteiligten sich beide auch an der Suche nach Lea-Sofie. „Express“-Journalisten entdeckten am Freitagabend schließlich einige Kleidungsstücke des Mädchens, ein Kopfkissen und einen Stoffhasen in einem Müllsack vor dem Hochhaus, in dem die Mutter lebte. In dem Sack waren auch lilafarbene Stiefel. Die Mutter hatte solche beschrieben, als es darum ging, was Lea-Sofie anhatte, als sie verschwand.

Ermittlungen wegen Mordes

Die Ermittler nahmen die Mutter und ihren Lebensgefährten fest, gegen den 23-Jährigen wird wegen Mordes ermittelt. Auch gegen die Mutter erging ein Haftbefehl – wegen Totschlags durch Unterlassen. Beide sind geständig. „Der Mutter wird vorgeworfen, den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen zu haben“, sagt Oberstaatsanwalt Bremer.

Eine Nachbarin sagt am Samstag: „Vielleicht war sie mit dem Kind überfordert, aber man kann sich doch Hilfe holen.“ Obwohl sie im selben Haus in der Stockholmer Allee lebt, hat sie das Mädchen nie gesehen. „Man hat hier nicht viel Kontakt miteinander, hier lebt niemand, weil er gern hier leben will.“ Lea-Sofie lebte mit ihrer Mutter im vierten Stock, bis vor sechs Monaten mit einem Mann, der zwar nicht der Vater des Mädchens war, aber das Kind schon als Säugling kannte.

Der 32-Jährige ist am Samstag auch auf dem Pariser Platz, er ist fassungslos, hatte am Tag der großen Suche noch im Internetportal Facebook geschrieben: „Sie ist immer noch nicht da. Ich kann nicht mehr.“ Er will nun versuchen, das Geld für die Beerdigung aufzubringen. „Sie war wie mein eigenes Kind.“

Der neue Lebensgefährte ist erst vor zweieinhalb Monaten bei der Mutter eingezogen. Eine 25-jährige Hausbewohnerin hat mehrfach die Polizei gerufen, weil es zwischen dem Paar immer wieder lautstarke Streitereien gegeben haben soll. „Er war sehr aggressiv“, sagt sie. „Der Krankenwagen war ein paar Mal hier, weil er sich selbst verletzt hat.“ Der 23-Jährige sei außerdem regelmäßig betrunken gewesen. Die Polizei bestätigte, dass es Einsätze gab. „Allerdings nicht wegen häuslicher Gewalt“, sagte ein Sprecher.

Einmal seien die Beamten dort gewesen, weil der 23-Jährige sich selbst an der Hand verletzt hatte. Das Jugendamt teilte am Sonntag mit, dass die junge Mutter vor längerer Zeit einmal Hilfe gesucht habe. Es sei dabei allerdings um die Klärung der Vaterschaft und Unterhaltszahlungen für Lea-Sofie gegangen. Ansonsten gebe es keine Akte über die Mutter. Am Sonntagnachmittag versammelten sich etwa 60 Leute vor dem Eingang des Doms und stellten Kerzen für das tote Mädchen auf.

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