25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Contra: Abreißen und vergessen
01. March 2012
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Contra: Abreißen und vergessen

Kampfhäuser

Den Abriss der ehemaligen „Kampfhäuser“ (unten) am Ortsrand von Wollseifen plant der Nationalparkverwaltung. (Bild: Sammlung Heinen)

Schleiden-Gemünd -

Denkmalschutz muss sein. Es ist wichtig, Zeugnisse der Vergangenheit zu erhalten, die die Erinnerung an eine Epoche oder historische Ereignisse wach halten. Aber man kann es auch übertreiben. Der Aufwand, der rund um Gedenkstätte und Dokumentationszentrum auf Vogelsang getrieben wird, ist für viele Zeitgenossen schon nicht nachvollziehbar. Doch jetzt ist die Entscheidung gefallen, mit zig Millionen an Steuergeldern die ehemalige NS-Ordensburg zum „erhofften“ Tourismusmagneten umzubauen. Das Projekt ist angelaufen, möge es erfolgreich vollendet werden. Das reicht aber dann auch.

Jetzt noch auf die Idee zu kommen, die „Kampfhäuser“ in der „Wüstung Wollseifen“ unter Schutz zu stellen, ist absurd. Sie liegen mitten im Nationalpark Eifel, in dem sich die Wildnis ausbreiten soll. Da haben hässliche Steinbauten, die tausenden Soldaten über Jahrzehnte zum Training des Häuserkampfs dienten, nichts zu suchen. Wer hat schon Lust, bei der Wanderung durch weitgehend unberührte Natur auf diese Relikte des kalten Krieges zu stoßen und in ihrem Schatten den Picknickkorb auszupacken? Diese Häuser sind quasi einst gebaut worden, um zerstört zu werden. Sie sind weder Denkmal noch schutzwürdig.

Auf jedem Truppenübungsplatz in der ganzen Welt finden sich diese Bauten. Zu glauben, das „Gespensterdorf“ sei eine touristische Attraktion und lasse sich auch noch „vermarkten“, gehört in den Bereich des Wunschdenkens. Man kann die Bestrebungen, den Dreck abzureißen und der Natur ihren Lauf zu lassen, nur begrüßen. Es gibt ausreichend Firmen im Kreis Euskirchen, die in der Lage sind, innerhalb weniger Tage diese Bauruinen zu demolieren und den Platz besenrein zu hinterlassen. Das kostet zwar auch Geld, ist aber immer noch billiger, als das Ensemble so herzurichten und zu sichern, dass es von Touristen gefahrlos betreten werden kann. Das Kapellchen Wollseifen und die Reste der alten Schule des einstigen Dorfes sind Attraktion genug.